Psychische Erkrankungen zeigen sich bei Frauen und Männern auf unterschiedliche Weise. Die Abweichungen zwischen den Geschlechtern betreffen sowohl die Symptome als auch die Auslöser und Folgen der seelischen Probleme.
Depressionen betreffen vor allem Frauen. Dabei überwiegen die klassischen Symptome wie Antriebshemmung, traurige Stimmung sowie Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden. Vor allem in hormonsensiblen Phasen, wie nach der Geburt oder in den Wechseljahren, besteht eine erhöhte Anfälligkeit für psychische Erkrankungen.
Dafür können neben biologischen Faktoren auch psychosoziale Belastungen wie Arbeitsstress, Konflikte, Beziehungsprobleme etc., sowie ein Wechsel der Rollenbilder verantwortlich sein, wie Prim. Dr. Christa Rados, Psychiatrisches Therapiezentrum Kärnten, im Fachmagazin „Ärzte Krone“ berichtet.
Depression bei Männern oft unerkannt
Während Depressionen „als weiblich“ gelten und bei Männern oft unerkannt bleiben, ist bei letzteren die Suizidrate deutlich höher. Dr. Rados: „2024 waren 80 Prozent der Suizidtoten in Österreich Männer.“ Das „starke Geschlecht“ zeigt kaum die typischen Symptome, sondern neigt zu einem kompensatorischen Überengagement (exzessives Arbeiten, intensiver Sport oder Medienkonsum). Auch der Sexualtrieb kann gesteigert oder stark reduziert sein.
Diese Exzesse sind letztlich Versuche, sich von negativen Gefühlen und Selbstzweifeln abzulenken, wie die Expertin weiter ausführt. Dr. Rados: „Depressive Männer wirken oft nicht traurig, sondern eher gereizt, feindselig oder verärgert. Erhöhter Substanzkonsum vor allem von Alkohol spielt zudem häufig eine Rolle. Aggressivität und Alkoholkonsum überdecken dann die depressiven Anzeichen, es kommt eher zu Streitigkeiten oder Konflikten als zur Therapieeinleitung.“
Bei Frauen:
Bei Männern:
Auch sucht das „starke Geschlecht“ seltener Hilfe. „Das gilt besonders für den psychiatrisch-psychotherapeutischen Bereich. Dieser scheint Männern oft wenig attraktiv, da das Bereden von Problemen ihnen vielfach schwerfällt. Hier wirken sich auch stereotype Rollenbilder ungünstig aus.“
Stress wirkt sich unterschiedlich aus
Auf negativen Stress reagieren beide Geschlechter nicht nur anders, auch die auslösenden Faktoren sind unterschiedlich. „Frauen fokussieren mehr auf Belastungen im zwischenmenschlichen Bereich, Männer auf Hierarchie und Wettbewerb“, so die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Während sich „ihre“ Strategien im Umgang mit psychischem Druck häufig gegen sich selbst richten, liegen „seine“ eher in Überaktivität oder Flucht und Konfliktvermeidung.
Essstörungen und Ängste sind weiblich
Essstörungen sind ein überwiegend weibliches Phänomen, verstärkt durch das übersteigerte Schlankheitsideal der westlichen Welt. Doch auch Männer entwickeln – wenngleich seltener – ein gestörtes Körperbild. „Neben Sonderformen wie der Sportbulimie wird bei ihnen eine hohe Dunkelziffer angenommen“, so die Expertin.
Angststörungen treten ebenfalls vermehrt bei Frauen auf. „Dafür werden vor allem hormonelle Einflüsse und eine empfindlichere Stressregulation verantwortlich gemacht. Allerdings dürften, ähnlich wie bei der Depression, Männer ihre Nervosität und Angst häufig durch Alkohol oder Drogenkonsum bekämpfen, was die ursprünglichen Symptome maskiert.“ Dies würde erklären, warum Abhängigkeitserkrankungen häufiger bei Männern vorkommen.
Gendersensible Behandlung
Auch hinsichtlich der Therapie ist es wichtig, geschlechtsspezifische Unterschiede zu beachten. Wenngleich die Arzneien bei Frauen und Männern in vergleichbarer Weise wirken, ist oft die Dosis anzupassen. „Dabei helfen Serumspiegelmessungen, die generell bei schlechtem Ansprechen der Medikamente empfehlenswert sind.“
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