Eltern vor Gericht

Schütteltrauma: „Mutter half der Kleinen nicht“

Gericht
16.02.2026 14:00

Leider kommt dieses schreckliche Verletzungsbild immer wieder vor: Ein Schütteltrauma bei Babys. Im Wiener Landl geht es um ein kleines Mädchen, das im Mai fast den schweren Verletzungen erlag. Vor den Geschworenen sitzen beide Eltern. Der Vater soll die Kleine zweimal geschüttelt haben – die Mutter habe tatenlos zugeschaut. Aus Angst, beteuert die 38-Jährige. 

Das kleine Mädchen war gerade einmal zwei Monate alt, als es im Wiener AKH notoperiert werden musste. Die Diagnose der Ärzte: Ein schweres Schütteltrauma. Das Baby überlebte nur knapp. Im Landl sitzen jetzt beide Eltern des Kindes vor Geschworenen – wegen versuchten Mordes. 

„Traummann“ im Häfen kennengelernt
Die Staatsanwältin zeichnet ein Bild von einer hochproblematischen Beziehung zwischen den Eltern: Das Paar lernte sich 2024 auf einer Dating-App kennen. Während der 33-Jährige gerade im Gefängnis saß. „Ich hab‘ ihn besucht und ich habe mich verliebt. Er hat sich zuerst wirklich als ein Traummann ausgegeben“, sagt die angeklagte Frau. In Haft saß der siebenfach vorbestrafte Deutsche damals unter anderem wegen fortgesetzter Gewalt gegen eine Ex-Freundin. Die 38-Jährige wusste das nicht ...

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In diese von Gewalt gezeichnete Beziehung wurde also das kleine Mädchen geboren.

Staatsanwältin im Wiener Landl

Beide Elternteile stehen vor Gericht. Der Vater wird aus der Haft vorgeführt.
Beide Elternteile stehen vor Gericht. Der Vater wird aus der Haft vorgeführt.(Bild: Martin A. Jöchl)

Das habe sie aber bald am eigenen Leib erfahren. „Er gab‘ ihr Ohrfeigen. Er fing an sie mit den Fäusten gegen den Körper zu schlagen“, so die Staatsanwältin. Auch als die Wienerin schwanger wurde – von beiden gewünscht – sollen die Misshandlungen nicht aufgehört haben. „In diese von Gewalt gezeichnete Beziehung wurde also das kleine Mädchen geboren. Und er machte auch vor Gewalt gegen seine eigene Tochter nicht halt“, sagt die Anklägerin.

Serienrippenbrüche – alt und neu
Was vom 29. März, der Geburt des Babys, bis zum 28. Mai, dem Tag der Spitalsaufnahme, passiert war, lässt sich besonders durch die Verletzungsaufnahme im Krankenhaus erahnen. Das Mädchen erlitt Subduralblutungen, ein Hirnödem und Serienrippenbrüche. Alte und neue, ein Indiz für frühere Misshandlungen. Laut Anklage durch den 33-jährigen Angeklagten ein versuchter Mord.

Und die Mutter? „Sie kam der Kleinen nicht zur Hilfe. Die Angeklagte ist außerdem ausgebildete Krankenpflegerin. Sie war besonders als Mutter dazu verpflichtet, ihrer Tochter zu helfen“, begründet die Staatsanwältin die Anklage wegen Mordversuchs durch Unterlassung.

Kindesmutter: „Er hat eine sehr kurze Zündschnur“
Vor den Geschworenen zeigen nun beide mit dem Finger aufeinander. Die 38-jährige Frau weint unaufhörlich, beschreibt eine Beziehung, in der sie von der ersten Sekunde an manipuliert und angelogen wurde. Es hätte keine Woche ohne Gewaltexzessen gegeben. „Er hat eine sehr kurze Zündschnur“, erklärt die Krankenpflegerin. Trotzdem wünschte sie sich ein Kind mit dem schwer Vorbestraften. „Er hat dann gesagt, ich darf sie nicht wickeln. Und ich durfte den Kinderwagen nicht schieben. Er hat gesagt, ich bin zu dumm. Er hat mir mein Kind weggenommen.“

Baby soll vom Wickeltisch gefallen sein
Der 33-Jährige erzählt indes eine ganz andere Geschichte, will sich seit der letzten Gefängnisstrafe völlig geändert haben. Einen Unfall gibt er laut seines Verteidigers zu: Einmal sei das kleine Mädchen unabsichtlich vom Wickeltisch gefallen. Laut medizinischem Gutachten würde das die Verletzungen aber keinesfalls erklären. Der Deutsche will sein Kind jedenfalls nicht geschüttelt haben. Belastend: Ein psychiatrisches Gutachten attestiert dem Mann eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit einer hohen Neigung zu Gewalt.

Es braucht einen zweiten Verhandlungstermin – vertagt. Den beiden Eltern droht jeweils lebenslange Haft. Dem Vater außerdem die Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum.

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