Beim Altausseer Kirtag hielt er Hof, am Wirtshaustisch erörterte er die Weltlage, in seinem Studierzimmer rüffelte er Politiker aller Couleur: Hannes Androsch, einer der kritischsten Geister unseres Landes, ist nicht mehr. Die Trauer ist berechtigt und ehrlich.
Die Betroffenheit in der steirischen Landespolitik über den Tod von Hannes Androsch ist groß und ehrlich. Obwohl er ein in der Wolle gefärbter Roter war, verneigen sich auch politisch Andersdenkende vor der Lebensleistung des großen Wahlsteirers, vor dem „Bürgermeister“ des Ausseerlandes. Er sei ein großer Österreicher gewesen, der „mit seinem Engagement ganze Regionen der Steiermark geprägt“ habe, schreibt Landeshauptmann Christopher Drexler in seinem Nachruf.
Für seinen wahrscheinlichen Nachfolger Mario Kunasek (FPÖ) war der Industrielle „einer der letzten Politiker des alten Schlages“: Seine Weltsicht und sein Bemühen um das heimische Bildungssystem sowie sein einzigartiges wirtschaftliches Gespür hätten in der Steiermark viele positive Spuren hinterlassen.
Dass Androsch „der letzte große Sozialdemokrat“ gewesen ist, wie die „Krone“ heute titelt, dessen ist man sich bei der steirischen SPÖ freilich bewusst. Entsprechend groß ist die Trauer um „eine prägende politische Kraft“, wie Neo-Parteichef Max Lercher formuliert. Er sei Garant für den sozialen Ausgleich zwischen den Interessen der Wirtschaft und den Arbeitnehmern gewesen.
Von Androschs Ausseer Villa zum Grazer Flughafen: Dort biegen die blauen und schwarzen Koalitions-Verhandler in die Zielgerade. Ob morgen, wie es lange Zeit hieß, tatsächlich alles unter Dach und Fach sein wird, ist mittlerweile aber nicht mehr so sicher. Man werde wohl auch am Wochenende beraten, sickerte heute Morgen aus Parteikreisen durch. Man wird sehen.
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