Netz-Zusammenlegung

Telekomkonzerne erwägen offenbar “Europanetz”

Elektronik
09.01.2013 11:59
Europas größte Telekomkonzerne erwägen offenbar ein gemeinsames Telefonnetz. Die Überlegungen der ehemaligen Staatsmonopolisten, die nationalen Märkte zu einem gigantischen EU-Markt zu vereinen, seien bei einem privaten Treffen der Konzernchefs mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia aufgekommen, berichtete die "Financial Times" am Mittwoch. Dem gegenüber stehen Meldungen, wonach sich die Gespräche lediglich um die Konsolidierung und gemeinsame Nutzung von Netzen gedreht haben sollen und nicht um einen einheitlichen Markt oder ein einheitliches Telekom-Netz in Europa.

Die "Financial Times" berichtete, dass Topmanager der Telefonkonzerne mit Almunia über den Aufbau einer länderübergreifenden Infrastruktur beraten hätten. Neben der Deutschen Telekom seien auch France Telecom, Telecom Italia und der spanische Marktführer Telefonica vertreten gewesen. Die Unternehmen wollten nun Vorschläge unterbreiten, wie der Markt in Europa besser verbunden werden könne. Einwände drohten allerdings von den nationalen Aufsichtsbehörden, schrieb die Zeitung.

Ein Sprecher des EU-Kommissars bestätigte das Treffen. Bei den Gesprächen sei es ganz allgemein um den Wettbewerb in der Branche und insbesondere um die Konsolidierung und die Herangehensweise der EU bei der Genehmigung von Übernahmen gegangen. Almunia habe zudem seine Ansicht zum Ausdruck gebracht, das ein "echter einheitlicher Markt in dem Sektor wünschenswert" sei.

Die Telekom-Märkte in Europa sind zersplittert. Die Zahl der Festnetzanbieter liegt bei gut 1.200 und mehr als 100 Firmen betreiben eigene Mobilfunknetze. Experten verweisen zum Vergleich auf die USA: Dort gibt es lediglich vier Mobilfunkprovider, die ihre Dienste im gesamten Land anbieten. Ein Zusammengehen der europäischen Telefonfirmen sei also überfällig. Zudem könnte die Branche geeint besser mit globalen Technologiekonzernen wie Google oder Apple konkurrieren.

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