Lehren aus Planspiel

“Freiwillige Cyberwehr” soll’s im Notfall richten

Web
28.06.2012 17:00
Zwei Wochen ist es her, dass Behörden und Wirtschaftsvertreter in einer gemeinsamen Aktion von Kanzleramt, Verteidigungs-, Innen- und Finanzministerium für den Cyber-GAU geprobt haben (krone.at berichtete). Am Donnerstagnachmittag präsentierte das Kuratorium Sicheres Österreich in Wien nun die Ergebnisse dieses heimischen Cybersecurity-Planspiels und verriet, welche Lehren daraus gezogen wurden. Eine davon ist der Aufbau einer "Freiwilligen Cyberwehr", einem Pool von IT-Experten, auf den im Falle von Angriffen zurückgegriffen werden kann.

Vertreter von Ministerien, Wirtschaft und Infrastruktur waren am 12. Juni zusammengekommen, um sich einem fiktiven Angriff zu stellen (siehe Infobox): Das Internet streikte, ebenso Telekommunikationseinrichtungen und Geldautomaten, zudem musste man sich mit Stromausfällen und anderen "Überraschungen" auseinandersetzen. Die Fachleute mussten dabei bekannt geben, wie sie reagieren würden, und nahmen im Verlauf der Simulation Kontakt zu ihren Organisationen, aber auch untereinander auf.

"Aus dem Cyber-Planspiel haben wir wertvollen Input für die Erstellung der gesamtstaatlichen Cyber-Strategie gewonnen. Wir haben gesehen, wo wir bestens gewappnet sind und wo wir noch Schwachstellen haben. Nun müssen wir schrittweise Maßnahmen setzen, um die Schwachstellen auszumerzen", sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.

Zahlreiche Herausforderungen
Laut Erwin Hameseder, Präsident des Kuratoriums Sicheres Österreich, stellte sich im Verlauf des Planspiels etwa schnell heraus, wie schwierig der Umgang mit vertraulichen Daten sein kann. Ohne "österreichische Lösung" dürfte man etwa Unternehmen von Behördenseite nicht einmal vor einem bevorstehenden Angriff warnen - wenn diese Informationen entsprechend als geheim klassifiziert sind. Ebenso könnten Telekommunikationsunternehmen nicht ohne Weiteres Daten ihrer Kunden an Behörden weitergeben. "Das war vielen vorher nicht bewusst."

Anderen Teilnehmern wiederum war nicht bekannt, welche vorhandenen Strukturen und Organisationen es bereits gibt und wie diese im Fall des Falles hilfreich sein können. Am wesentlichsten war aber das Thema Kommunikation, sowohl mit den Medien, um etwa darüber zu informieren, dass bestimmte Dienstleistungen nicht zur Verfügung stehen, aber auch untereinander.

Grundstock für "Cyberwehr" geschaffen
Beim Planspiel habe man viele Kontakte untereinander geknüpft, die sich als hilfreich erweisen dürften, sollte es einmal wirklich ernst werden - der Grundstock der "Cyberwehr" sei damit geschaffen, heißt es. Hier werde die weitere Diskussion zeigen, wie man dieses Kompetenz-Netzwerk organisieren kann. "Das KSÖ würde zur Verfügung stehen", versprach Hameseder. Zudem sei ein Cyber-Lagezentrum notwendig, wo im Krisenfall alle Infos zusammenfließen.

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