11.11.2011 10:28 |

Angst im Internet

"Kartell in Mexiko lügt": Mordopfer war kein Blogger

"Los Zetas", eines von Mexikos brutalsten Drogenkartellen, hat offenbar so große Angst vor kritischen Stimmen im Internet, dass sogar Mordopfer als Blogger bezeichnet werden, obwohl sie nie als solche tätig waren. Wie krone.at am Donnerstag berichtete, war am Mittwoch erneut eine enthauptete Leiche gefunden worden - mit einer Warnung des Kartells, der Mann sei wegen seiner Internetaktivitäten getötet worden. Doch die Mitarbeiter der angegebenen Website wehren sich gegen die Behauptung.
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Der 35-Jährige habe vor seinem Tod unter dem Pseudonym "Rascatripas" ("Fiedler") als Moderator der Website "Nuevo Laredo en Vivo" gearbeitet, hieß es am Donnerstag. Neben seinem mit Folterspuren versehenen Leichnahm war - wie bei drei ermordeten Bloggern zuvor - ein Zettel mit einer Warnung des Kartells "Los Zetas" gefunden worden: "Hallo, ich bin 'Rascatripas' und das ist mir zugestoßen, weil ich nicht verstanden habe, dass ich in sozialen Netzwerken nicht posten soll."

Doch nun melden sich die Mitarbeiter von "Nuevo Laredo en Vivo" - eines sozialen Netzwerks der Stadt Nuevo Laredo - zu Wort. In einer Mitteilung heißt es: "Er war nicht unser Partner, es wurde bestätigt, dass er ein Sündenbock war, um andere zu ängstigen. Die exekutierte Person ist kein Kollaborateur unserer Seite, aber dies (der Mord, Anm.) war ohne Zweifel ein Versuch, die Stimmen von Nuevo Laredo zum Verstummen zu bringen."

"Nuevo Laredo en Vivo" hatte im September nach dem brutalen Mord an einer Angestellten ein Webformular integriert, über das anonym Hinweise zu Aktivitäten des Drogenkartells abgegeben werden können. Auch über das Handy können nun anonyme Tipps abgeliefert werden. Offenbar zeigt die Strategie Wirkung, wenn "Los Zetas" mit falschen Hinweisen Angst vor der Website zu schüren versucht. Das soziale Netzwerk bittet seine Leser daher, sich trotz des erneuten Mordes nicht abschrecken zu lassen.

Drei Blogger im September ermordet
Im September hat die Mordserie an kritischen Bloggern und Internetaktivisten, die über die Aktivitäten von "Los Zetas" berichteten, begonnen. Ein Mann und zwei Frauen wurden gefoltert, ermordet und mit Warnungen des Kartells gut sichtbar an öffentlichen Orten deponiert (siehe Infobox).

Internet nach Journalistenmorden letzte Anlaufstelle
Anonyme Blogs im Internet sind oft die letzte Informationsmöglichkeit in Mexiko, wo bereits zahlreiche kritische Journalisten ermordet wurden - einige Medien berichten daher nicht oder nur mehr sehr beschränkt über die brutalen Drogenkartelle. Diese versuchen nun, auch die Kontrolle über die Informationen im Internet zu übernehmen, indem sie mögliche Quellen ermorden und Angst verbreiten.

Kartell hat offenbar nur vor Hackern Respekt
Lediglich die Hackergruppe Anonymous hat diesem Treiben offenbar etwas entgegenzusetzen: Nachdem ein Anonymous-Mitglied Anfang Oktober entführt worden war, drohten die Hacker "Los Zetas", Informationen über das Kartell öffentlich zu machen, sollte der Mann nicht unverletzt freigelassen werden. Mit Erfolg: "Los Zetas" hat den Entführten gehen lassen, kündigte für den Fall von Veröffentlichungen aber gleichzeitig Rachemorde an. Anonymous will dennoch weitermachen, eine eigene Gruppe sei für den Kampf gegen das Kartell gegründet worden, hieß es.

"Los Zetas" gehört zu den mächtigsten und brutalsten Drogenkartellen in Mexiko. Seit die Regierung den Drogenbanden im Jahr 2006 den Kampf angesagt hatte, kamen im mexikanischen Drogenkrieg schätzungsweise mehr als 45.000 Menschen ums Leben.

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