04.07.2022 12:45 |

Wien bittet um Hilfe

Freiwillige sollen alte Briefe transkribieren

Das Wien Museum und die Wienbibliothek im Rathaus haben die gemeinsame Webseite crowdsourcing.wien ins Leben gerufen. Auf dieser sollen alte Briefe, Postkarten und andere Korrespondenzen durch Hilfe von Freiwilligen transkribiert und damit der Forschung wie auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zum Start harren 1134 Briefe aus den Jahren 1914 bis 1919 ihrer Bearbeitung.

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Der Zugang ist nicht gänzlich neu: Bereits im Vorjahr startete das Pilotprojekt „Ansichtskarten-Grüße aus dem Wien Museum“, wobei innerhalb kürzester Zeit rund 2000 Textbotschaften aus der Sammlung topografischer Ansichtskarten von mehr als 400 Personen transkribiert und übersetzt wurden. Ab Herbst sollen sie in der Online-Sammlung des Wien Museums zu sehen sein. Der Erfolg inspirierte nun zur Kooperation der beiden Wiener Einrichtungen. Mehr als 200.000 Schriftstücke aus fünf Jahrhunderten werden in den nächsten Jahren aus ihren Depots hervorgeholt und digital zur Verfügung gestellt.

Zum Start steht der Zeitraum 1914 bis 1919 im Fokus. Dabei geben Schriftstücke von namhaften Personen wie den Literaten Peter Altenberg und Hermann Bahr, dem Komponisten Alban Berg, dem Pianisten Julius Epstein oder auch der Frauenrechtlerin Lily Braun Einblick in das Wiener Alltagsleben der von Krieg und Umbrüchen gezeichneten Jahre. Nach Abschluss des Projekts werden die Transkriptionen unter digital.wienbibliothek.at zur Verfügung gestellt.

Wissensdemokratisierung
„Als Wissenschaftsstadträtin empfinde ich es als besonders gelungen, hier auf das Wissen der Vielen zuzugreifen und danke den mitarbeitenden Bürgerinnen und Bürgern schon jetzt für ihren Einsatz und Enthusiasmus“, hielt Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) fest.

Auch Wienbibliothek-Direktorin Anita Eichinger zeigt sich von dem Projekt überzeugt: „Zur Demokratisierung von Wissen, eine der zentralen Aufgaben von Bibliotheken, zählt vor allem auch die Einbeziehung aller Nutzerinnen- und Nutzergruppen. Nur so entsteht ein Bewusstsein für unser kulturelles Erbe. Nur gemeinsam kann es gelingen, neue, unkonventionelle Perspektiven einzunehmen und unsere vielfältigen Sammlungen in Kontexte zu bringen, die nicht schon immer naheliegen, sondern Neues eröffnen."

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