Do, 16. August 2018

Bigotte Warnung

20.05.2011 12:00

Gesichtserkennung für Google angeblich "gruselig"

Die Fortschritte bei der Gesichtserkennung per Software sind Google-Chef Eric Schmidt (Bild) zufolge "creepy", also "gruselig" oder "unheimlich", die Firma werde solche Programme daher nicht einsetzen. Andere Internet-Unternehmen seien in Bezug auf Datenschutz und Bürgerrechte aber nicht so zimperlich, warnte Schmidt am Mittwoch. Dumm nur, dass am Donnerstag bekannt wurde, dass Google selbst ein Patent für eine Datenbank zur Promi-Gesichtserkennung eingereicht hat.

Auf Googles "Big Tent"-Konferenz im britischen Hertfordshire erklärte Schmidt am Mittwoch, Gesichtserkennungs-Software habe sich rasant entwickelt, die Genauigkeit sei "sehr beunruhigend".

Denkbar ist zum Beispiel, dass der Nutzer im Internet auf ein Foto klickt, dieses von einem solchen Programm analysiert wird und es daraufhin Informationen über den Abgebildeten bereitstellt. Die Polizei argumentiert für die Technologie, da so Kriminelle leichter ausgemacht werden könnten (siehe Infobox). Datenschützer sehen darin dagegen einen massiven Eingriff in die Privatsphäre.

Google arbeitet schon lange an Gesichtserkennung
Schmidt zufolge sei es "unwahrscheinlich", dass Google solche Gesichtserkennung nützen werde. Damit werde eine "unheimliche Grenze" überschritten, so der Firmenchef. Nur einen Tag später wurde jedoch bekannt, dass Google längst eifrig an Gesichtserkennungs-Software arbeitet. Das US-Patentamt hat ein Google-Patent für einen Algorithmus genehmigt, der Gesichter von Prominenten mit Nachrichtenartikeln verknüpft. Dazu wird ein biometrisches Modell des Gesichts der Person erstellt, das zur Identifizierung der Bilder dient.

Algorithmus erkennt bereits tausend Menschen
Die Datenbank umfasst bereits tausend bekannte Persönlichkeiten, darunter Barack Obama, Sarah Palin, Prinz Harry und Britney Spears. Das System funktioniere schon jetzt weitgehend fehlerfrei, so die Google-Entwickler. Lediglich bei einigen Personen gebe es Schwierigkeiten, so würden bei Suchanfragen zu Sarah Palins Tochter Bristol auch einige Fotos der Mutter ausgegeben.

Scheinheilige Warnung oder echte Besorgnis?
Google dürfte mit der Entwicklung nicht nur Privatnutzer im Visier haben, sondern auch Nachrichtenwebsites, da diese Bilder von Prominenten nicht mehr benennen müssten - die Software würde sie automatisch erkennen. Wie lange es allerdings bei der Warnung des Unternehmenschefs vor der "unheimlichen" Macht von Gesichtserkennung bleibt und wann diese doch für Fotos von Durchschnittsmenschen angeboten wird, bleibt abzuwarten.

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