Nach Messerattacke

Belfast: Häuser brennen bei rassistischem Protest

Ausland
10.06.2026 07:28
Porträt von krone.at
Von krone.at

In Belfast sind nach einem blutigen Messerangriff ausländerfeindliche Proteste in der Nacht auf Mittwoch völlig eskaliert. Autos und auch Gebäude wurden in Brand gesetzt – Bewohner mussten von der Feuerwehr aus Häusern gerettet werden.

Auslöser für die Krawalle war eine Messerattacke, für die ein 30-jähriger Sudanese verantwortlich sein soll. Ein Video von dem Vorfall wurde in sozialen Medien verbreitet – daraufhin gingen Hunderte Menschen an verschiedenen Orten auf die Straße, einige davon maskiert.

Flammeninferno im Osten Belfasts bei den eskalierten Protesten
Flammeninferno im Osten Belfasts bei den eskalierten Protesten(Bild: AP/PA)

Demonstranten warfen Brandsätze
Ein Bus und mehrere Autos wurden in der Hauptstadt des britischen Landesteils Nordirland in Brand gesetzt, im Fernsehen waren brennende Gebäude zu sehen. „Gegen 19.30 Uhr legten sie Feuer in den Müllcontainern“, berichtete der Bewohner eines Hauses mit Blick auf die Demonstranten. „Wir hörten Polizeiwagen und Sirenen“, sagte Eemran, ein Ingenieur indischer Herkunft, der seit etwas mehr als einem Jahr in Belfast lebt. „Immer mehr Menschen kamen hinzu und begannen, Brandsätze zu werfen. Plötzlich breitete sich das Feuer aus ... wir hatten Rauch im Gebäude.“

Weitere Bilder von den eskalierten Protesten:

(Bild: AP/Peter Morrison)
(Bild: AFP/PAUL FAITH)
(Bild: AFP/PAUL FAITH)
(Bild: AP)

Britischen Medienberichten zufolge wurde etwa auch ein türkischer Friseursalon angegriffen. Bei einem Zwischenfall stürmten den Berichten zufolge mehrere Randalierer ein Haus. 

Britischer Premier: „Völlig inakzeptabel“
Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Ereignisse in Belfast als „schockierend und völlig inakzeptabel“. Er schrieb in einem X-Beitrag: „Es ist offensichtlich, dass Menschen letzte Nacht aufgrund ihrer Herkunft ins Visier genommen wurden, und das werde ich nicht tolerieren.“ Und Starmer versprach: „Die Verantwortlichen werden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.“ Ruhe und Ordnung müsse jetzt die oberste Priorität sein, teilte Starmer mit. „Wir müssen die Polizei ihre Arbeit machen lassen.“ Für Gewalt und Unruhen gebe es keine Rechtfertigung.

Regierungschefin verurteilte „widerliche Feigheit“
Die nordirische Regierungschefin Michelle O‘Neill verurteilte die Proteste scharf und rief zur Ruhe auf. „Gruppen maskierter Männer, die Familien aus ihren Häusern vertreiben, indem sie diese niederbrennen – das ist nichts anderes als widerliche Feigheit“, schrieb sie im Onlinedienst X. Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher rief die Menschen auf, sich nicht durch Social Media aufstacheln zu lassen und die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen. Es gebe bisher keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund, hieß es in der Mitteilung der Polizei. 

In dem Video – von dem die Polizei bittet, es nicht zu teilen – ist zu sehen, wie der Angreifer, ein 30-jähriger Sudanese, mit einem Messer mitten auf einer Straße auf einem blutüberströmten Mann sitzt und diesen mit einem Messer traktiert. „Er will ihm den Kopf abtrennen“, ist immer wieder von schockierten Passanten zu hören. Zwischendurch hebt der Mann das Messer in die Höhe und ruft etwas. Nach einer Weile wagen sich mehrere Männer in die Nähe und versuchen, den Angreifer mithilfe eines Hurling-Schlägers von seinem Opfer zu trennen.

Schwere Verletzungen im Gesicht und am Rücken
Das Opfer, ein Mann im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, wurde mit schweren Verletzungen im Gesicht, den Augen und am Rücken in ein Krankenhaus gebracht. Der Messermann wurde inzwischen wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt.

Großbritanniens bekanntester Rechtsextremist Tommy Robinson rief zu Protesten im ganzen Land auf. Diese ließen auch nicht lange auf sich warten. Wenige Stunden nach der Tat kam es bereits zu ersten Anti-Migrations-Kundgebungen. In Belfast wurden mehrere Fahrzeuge in Brand gesteckt (siehe X-Postings unten). Dem TV-Sender BBC zufolge kam es auch in anderen Städten Nordirlands zu Protesten.

Fataler Irrtum bei Polizeieinsatz
Erst in der vergangenen Woche war es in der südenglischen Stadt Southampton zu Krawallen am Rande eines Protests gekommen. Auslöser war die Veröffentlichung von Body-Cam-Aufnahmen, die einen krassen Polizeifehler nach der tödlichen Messerattacke eines Manns aus der Sikh-Gemeinschaft auf den Studenten Henry Nowak zeigten.

Statt den Mörder festzunehmen, der sich als Opfer eines rassistischen Übergriffs darstellte, hatten die Polizisten dem sterbenden Nowak Handschellen angelegt.

Befürchtungen vor einem neuen Krawallsommer sind erneut groß. Im Sommer 2024 wurden England und Nordirland wochenlang von gewaltsamen Ausschreitungen erschüttert.

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