Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller über die Belastungen von Kindern, die Gewalt in Familien miterleben.
Kinder, die physische oder sexuelle Gewalt, Erniedrigung und Bedrohung ihrer Mutter mitansehen müssen, leiden oft genauso, wie wenn sie selbst von der Gewalt ihres Vaters betroffen wären. Es wird noch zu wenig berücksichtigt, dass nicht nur Gewaltbetroffene selbst, sondern auch ihre Kinder Opfer der Gewalt sind.
Die psychologische Forschung zeigt, dass Kinder in ihrer Entwicklung Schaden nehmen, wenn sie in einem Haushalt aufwachsen, in dem sie Gewalt miterleben müssen. Selbst wenn sich die Gewalt nicht gegen sie richtet, leiden Kinder mit. Sie wollen die Mutter und etwaige Geschwister schützen und können nicht unbeschwert einfach Kind sein. Eine deutsche Studie hat bereits im ersten Pandemie-Sommer gezeigt, dass Kinder in Familien mit Partnerschaftsgewalt im Lockdown häufiger Depressionen und Wutausbrüche hatten. In einer gewaltvollen Umgebung sind Kinder oft angespannt und werden zappelig. Sie können sich nicht mehr konzentrieren, also auch nicht gut für die Schule lernen. Und: Alle Studien zeigen, dass belastende Kindheitserfahrungen ein Risiko für mehr Gewalt im Erwachsenenleben sind.
Kinder müssen endlich systematisch vor Gewalt geschützt werden. Solange Kinder in die Schule gehen, gibt es zumindest noch eine kleine Chance, dass sie Unterstützung erhalten - auch wenn sich Schulen nach wie vor sehr schwer tun mit gewaltbetroffenen Kindern. Aber was ist mit Kindern in Quarantäne? Was wenn Schulen zusperren? Um die Kinder muss man sich im Lockdown wirklich Sorgen machen.
Lesen Sie HIER weitere Kolumnen!
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.