4 Jahre auf der Flucht

„Operation Haribo“: Grazer Drogenboss geschnappt

Steiermark
20.04.2026 13:06

Ein flüchtiger Grazer (30) dirigierte von Slowenien aus einen gewaltigen Drogenring. Es geht um Suchtgift mit einem Schwarzmarktwert von 4,3 Millionen Euro. Jetzt konnte ihm das Handwerk gelegt werden.

Vergangenen Herbst wurde ein Bosnier in Graz (nicht rechtskräftig) zu 20 Jahren Haft verurteilt. Über ihn sollen im Raum Graz Drogen im Millionenwert verkauft worden sein. Der 40-Jährige hatte aufgrund von jahrelanger Erfahrung Zugang zu den größten internationalen Drogenkartellen. Als Umschlagplatz diente ein luxuriöses Penthouse in der steirischen Landeshauptstadt.

Vor Zugriff geflüchtet
2024 wurde der Bosnier bei einer Verkehrskontrolle in Zagreb gefasst und ausgeliefert. Und wie sich herausstellen sollte, war sein Kompagnon ein 30 Jahre alter Grazer. „Bei einem Schlag gegen die organisierte Kriminalität im Jahr 2022 war es ihm gelungen, mit dem Taxi Richtung Kroatien abzutauchen“, schildert Chefinspektor Hermann Ozwirk, Leiter der Suchgiftgruppe der Grazer Kripo. Vier Jahre war der Gewalttäter auf der Flucht.

Cannabis
Cannabis(Bild: LPD Stmk)
Cannabisharz
Cannabisharz(Bild: LPD Stmk)
Amphetamin
Amphetamin(Bild: LPD Stmk)
Ecstasy
Ecstasy(Bild: LPD Stmk)
Heroin
Heroin(Bild: LPD Stmk)

Er war es, der nach dessen Festnahme das florierende Geschäft des Bosniers samt dessen Kontakten übernahm und die Lücke füllte. Er wechselte immer wieder seine Identitäten und Wohnorte, wurde dabei mit gefälschten Papieren ausgestattet und war für die Ermittler schwer zu fassen. „Über ein Netzwerk slowenischer Kurierfahrer wurde die Grazer Szene von ihm über Jahre kontinuierlich mit harten Drogen beliefert“, so Ozwirk.

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Er saß bereits abfahrbereit mit gepackten Koffern im Auto. Der Zugriff erfolgte in letzter Sekunde.

Hermann Ozwirk, Leiter des Fachbereichs Suchtgift bei der Grazer Kripo

Drogen, Goldbarren und Diamanten
Ende Jänner wurde der 30-Jährige in einer konzentrierten Aktion festgenommen. „Er saß bereits abfahrbereit mit gepackten Koffern im Auto. Der Zugriff erfolgte in letzter Sekunde. Denn der Verdächtige hatte erfahren, dass sein Hauptkurierfahrer festgenommen worden war, und bereits alles für seine Flucht in Bewegung gesetzt“, erinnert sich der Leiter der „Operation Haribo“ – benannt nach einem Kurier.

Im Einfamilienhaus des Grazers in Slowenien, in seinem Auto und in einem Lager konnte die Polizei noch versteckte Drogen im Kilobereich, einen Goldbarren und Diamanten sicherstellen – allerdings keinerlei Bargeld. „Das Geld war schon auf Wallets verteilt“, sagt Hermann Ozwirk.

Diamanten des Drogenbosses ...
Diamanten des Drogenbosses ...(Bild: LPD Stmk)
... und ein Goldbarren des 30-Jährigen
... und ein Goldbarren des 30-Jährigen(Bild: LPD Stmk)

In Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt und den Suchtmittelgruppen Leibnitz, Weiz und Gleisdorf konnten bislang 25 Subdealer ausgeforscht und festgenommen werden. „Und es werden sicher noch weitere folgen, wenn erst einmal alle sichergestellten Datenträger ausgewertet wurden“, ist Ozwirk überzeugt. Der Großteil der „Läufer“, die meisten selbst schwer drogenabhängig, wurde bereits zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

170 Kilogramm Suchtgift

Bislang konnten dem Grazer Drogenboss

  • 16,5 Kilo Heroin,
  • 20,5 Kilo Kokain,
  • 47 Kilo Amphetamin,
  • 2,3 Kilo Methamphetamin (Crystal Meth),
  • 85 Kilo Cannabisprodukte,
  • Tausende Stück XTC und mehrere Kilo Ketamin

nachgewiesen werden. Der Schwarzmarktwert beläuft sich auf 4,3 Millionen Euro.

„Sehr viel persönliches Leid“
Und auch diese entstandene Lücke wird bald wieder geschlossen sein, denn Drogenkartelle sind wie die Hydra, das vielköpfige Ungeheuer in der griechischen Mythologie. Schlägst du einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach. Warum die Ermittler dennoch nicht müde werden, dagegen anzukämpfen, erklärt Hermann Ozwirk ganz klar: „Weil sehr viel persönliches Leid damit verbunden ist, gerade in Familien mit drogenabhängigen Kindern. Deswegen kämpfen wir gern weiter.“

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