21.08.2021 05:00 |

Hilfe in der Not

Behandlung ohne Hürden

Während der Coronakrise sind österreichweit viele Menschen in die Armutsfalle geschlittert. Was tun, wenn dann plötzlich eine Erkrankung auftritt? In einigen Einrichtungen erhalten auch Mittellose niederschwellige kostenlose medizinische Beratung und Betreuung, wie dieses Beispiel zeigt.

Hierzulande sind ohnehin alle krankenversichert, vermuten viele. Das stimmt so nicht! Tausende Frauen, Männer und Kinder verfügen über keinen oder nur einen erschwerten Zugang zum Gesundheitssystem. Jeder kann schneller in eine solche Notlage geraten, als er denkt: „Wir mussten leider feststellen, dass die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen, die unsere Ambulanzen aufsuchen, immer größer wird“, berichtet OA Dr. Ignaz Hochholzer, Leiter der „Armenambulanz“, Barmherzige Brüder Wien. Im Moment liegt das Verhältnis Frauen zu Männer bei 60 zu 40. Auch die Coronapandemie hat zu dieser Entwicklung beigetragen: „Viele haben ihren Arbeitsplatz verloren. Mit dem Jobverlust werden Formalitäten notwendig, um Sozialleistungen und weiteren Versicherungsschutz zu erhalten. Manche übersehen das, wissen es nicht oder schaffen es nicht, etwas zu unternehmen. Indem wir diese Menschen behandeln, geben wir ihnen die Chance auf eine gesündere und bessere Zukunft“, berichtet der Experte. Das Besondere daran ist nämlich: Im ältesten Ordensspital Wiens werden Mittellose unentgeltlich, unbürokratisch und anonym untersucht bzw. betreut! So wie Franz M., ein 45-jähriger Musiker aus Wien, der dankbar erzählt: „Ich habe wochenlang verzweifelt nach einem Ort gesucht, wo ich ärztliche Hilfe bekomme. Über einen Bekannten bin ich auf die Barmherzigen Brüder gekommen. Ohne sie wäre ich sicher schon tot.“

Von Beratung bis hin zu komplizierten Eingriffen
Das Spektrum des kostenlosen Angebotes reicht dabei von einfachen Routinebehandlungen, psychologischer Beratung bis hin zur aufwändigen Betreuung von Krebs-Patienten oder notwendigen Operationen. Was wurde dieses Jahr bislang am meisten nachgefragt? „Hauptsächlich ambulante Hilfe, dafür aber aus allen Fachrichtungen - angefangen von gynäkologischen Beschwerden bis hin zu Zahnextraktionen“, so OA Dr. Hochholzer, der neben seiner weltlichen Tätigkeit als Arzt auch als Priester tätig ist. Wer denkt, quasi „abgestempelt“ in einem separaten Raum warten zu müssen, irrt. „Es gibt keine eigene (physische) Ambulanz für Menschen ohne Versicherung - die armen Patienten behandeln wir genauso in allen unseren Ambulanzen“, erzählt der Internist. „Dadurch wird niemand stigmatisiert. Bei uns sitzt die gut situierte Managerin neben dem unversicherten Vater im Wartezimmer.“ Im Vorjahr wurde über 13.000 Patienten gratis geholfen. Die ambulanten und teils stationären Therapien werden durch Spenden finanziert.

Spendenkonto des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Wien:
IBAN: AT69 6000 0000 0706 4001; BIC: BAWAATWW

Interview auf krone.tv

23. 8.: "Unentgeltliche medizinische Betreuung f. Bedürftige (,Armenambulanz‘)‘‘ - 17.20 Uhr, 19.25 Uhr sowie am 24. 8. um 7.15 Uhr und um 12.05 Uhr. Gabriela Eichleter beantwortet im Interview mit Moderatorin Raphaela Scharf Fragen zum Thema. Informationen: www.krone.tv/empfang

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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