Wie in den vergangenen Jahren war auch 2010 eine Verlagerung des Musikmarktes von physischen Tonträgern auf digitale Angebote wie Downloads oder Streaming-Dienste zu verzeichnen. Rund 13 Millionen lizenzierte Titel sind derzeit in über 400 legalen Internetangeboten zu beziehen. Der Anteil digitaler Verkäufe am Gesamtumsatz ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2009 um vier Prozentpunkte auf 29 Prozent gestiegen, der Umsatz betrug 4,6 Milliarden Dollar (3,41 Milliarden Euro), was einem Plus von sechs Prozent entspricht.
Wahre Freude will angesichts dieser Zahlen jedoch nicht aufkommen. So sei etwa zu beobachten, dass die Höchstverkaufszahlen von Alben in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken sind. Diese negative Entwicklung wird erneut vornehmlich mit der Piraterie in Verbindung gesetzt. "Die größten Bedrohungen für die Kreativindustrie bleiben digitale Piraterie sowie das Fehlen von adäquaten Maßnahmen, diese zu bekämpfen", so die IFPI-Vorsitzende Frances Moore.
Schaden von 240 Milliarden Euro bis 2015 befürchtet
Allein für die europäische Musikindustrie prognostiziert der Verband aufgrund illegaler Angebote einen Schaden von 240 Milliarden Euro in den Jahren 2008 bis 2015 und fordert daher trotz zunehmender legaler Angebote ein "von Rechtsstaatlichkeit geleitetes Internet". Nur auf Aktionen von Regierungen warten wolle man nicht, sondern stattdessen selbst handeln. 2010 wurden erneut Bildungsmaßnahmen unterstützt, die Schüler für das Problem illegaler Downloads sensibilisieren sollen. Möglichkeiten, der Piraterie entgegen zu wirken, sieht die IFPI aber auch in einer verstärkten Zusammenarbeit mit Internet-Providern.
Ke$ha knackt Zehn-Millionen-Marke bei Downloads
Erfolge gab es 2010 für die digitale Musikwirtschaft dennoch zu verzeichnen. Mit dem Song "TiK ToK" der US-Sängerin Ke$ha hat erstmals eine Single die Zehn-Millionen-Grenze bei Downloads durchbrochen, insgesamt wurde der Titel 12,8 Millionen Mal legal aus dem Internet bezogen. Auch der europäische Digital-Markt konnte im Vergleich zu vergangenen Jahren deutlich mehr, nämlich im zweistelligen Prozentbereich, zulegen, beläuft sich aber nach wie vor auf weniger als 20 Prozent des Gesamtmarktes.
"Legale Angebote mit Piraterie nicht überlebensfähig"
Trotzdem bleibt aus Sicht der IFPI eine der Hauptherausforderungen für Plattenfirmen - neben dem Erschließen neuer Märkte sowie der Entwicklung von Angeboten für unterschiedlichste Endgeräte - die "Überführung von Nutzern unlizenzierter Services zu lizenzierten digitalen Services". Legale Angebote könnten auch in Zukunft nicht überleben, solange "der Markt massiv von Piraterie manipuliert wird", wie es Moore ausdrückt.
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