28.02.2021 10:00 |

Öffnungsgespräche

Expertin wird Regierung von Lockerungen abraten

Die Epidemiologin Eva Schernhammer von der MedUni Wien - am Montag Teil der Expertenrunde, die mit der Regierung und den Landeshauptleuten über weitere mögliche Öffnungsschritte beraten wird - wird empfehlen, vorerst keine Lockerung der Corona-Maßnahmen anzukündigen. Die Situation sei „sehr komplex“, es sei nicht möglich, die weitere Entwicklung vorherzusagen. Einfluss in die Entscheidung wird laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober auch eine genaue Datenanalyse haben, die Aufschluss darüber geben soll, was genau und zu welchem Anteil derzeit zu den steigenden Infektionszahlen führt.

Weitere Öffnungen könnte man guten Gewissens nur bei stabilen Infektionszahlen und der Gewissheit ankündigen, „dass das auch so bleibt“, sagte Schernhammer am Samstag zur APA. Die Zeichen zeigen derzeit allerdings in eine andere Richtung: Die Infektionszahlen stiegen nach den Lockerungen vor drei Wochen deutlich an, die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern liegt wieder bei 150 und die geschätzte effektive Reproduktionszahl mit 1,11 klar über dem kritischen Wert. Ganz zu schweigen von den ansteckenderen britischen sowie südafrikanischen Mutationen, die bereits mehr als 50 Prozent der Infektionen in Österreich ausmachen, wie Anschober am Freitag sagte (siehe Video oben).

Wochenende soll über genaue Gründe für steigende Zahlen Klarheit bringen
Auch das breitflächige Testen mache die Sache komplexer - zwar sei es auch für Schernhammer sehr zu begrüßen, sorge aber zur Erhöhung der täglich gemeldeten Neuinfektionen. „Irgendwann sollte sich das aber einpendeln“, so die Expertin - man wisse jedoch nicht wann, und man wisse auch noch nicht, inwieweit die höheren Fallzahlen auf das Testen zurückzuführen sind und welchen Anteil die Virusmutationen daran haben. Darüber soll dieses Wochenende Aufschluss bringen: Die Gründe für das Steigen der Zahlen sollen „präzise auseinandergerechnet“ werden. „Was die Hauptursache ist - davon werden der Verlauf der Gespräche und die Entscheidung am Montag sehr stark abhängen“, sagte Anschober, der die Empfehlungen der Ampel-Kommission inhaltlich unterstreicht - auch falls Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssten.

Aus dem Bundeskanzleramt heißt es, man wolle die derzeitige Situation „nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, es zeige sich aber, dass sich die mit den Öffnungsschritten auch gleichzeitig eingesetzten Tests an Schulen, Betrieben und bei körpernahe Dienstleistungen bewährt hätten. Mit mittlerweile pro Woche rund 2,5 Millionen Tests befinde sich Österreich „bei der Anzahl der Tests im weltweiten Spitzenfeld“. Auch das Testangebot werde laufend ausgebaut - drei von vier Österreichern hätten aber auch jetzt schon im Umkreis von fünf Minuten eine gratis Testmöglichkeit in einer Teststraße, Apotheke oder einem Betrieb. Weitere Sicherheit brächten die Wohnzimmertests, die ab Montag kostenlos in den Apotheken erhältlich sind.

Mehrere Branchen drängen auf Öffnungen ab Mitte März
Wie bereits mehrmals wird die Regierung am Montag mit Experten, der Opposition und Landesvertretern die Lage evaluieren und dann über die weitere Vorgangsweise entscheiden. Wirtschaft, Sport und Kultur haben zuletzt massiv auf weitere Öffnungen ab Mitte März gedrängt - vor allem die Gastronomie möchte Gäste zumindest in Schanigärten begrüßen dürfen. Nur: Wie die „Krone“ erfuhr, dürfte es damit bis Ostern düster aussehen. Von der Regierung heißt es dazu: Ob eine Perspektive gibt, bleibt offen. Das würden eben am Montag die Gespräche zeigen, und die Zahlen der vergangenen Tage dürften dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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