17.11.2020 05:00 |

Allergie

Mieze, du bringst mich immer zum Niesen

Viele Allergiker reagieren auf Vierbeiner mit Beschwerden. Neue Erkenntnisse und erfolgversprechende Therapieansätze, wie die Katze impfen, um den Besitzer vor Symptomen zu schützen.

Jucken Ihre Augen, wenn sich „Bello“ Streicheleinheiten holt? Die Nase rinnt beim Spielen mit der Katze oder beim Vorbeigehen an einer Pferdekoppel? 30 bis 40 Prozent aller Allergiker sind sensibel auf Tierallergene, etwa die Hälfte davon entwickeln Symptome. Die meisten reagieren im Test auf Katzen. Pferde haben ähnliche Allergene wie Katzen. Wer also auf Miezen reagiert, darf sich über Niesanfälle im Kontakt mit einem Pferd nicht wundern. Es handelt sich dann um eine Kreuzallergie. Daher wird bei routinemäßigen Tests auch die Sensibilität auf Pferde untersucht. „Bekannt sind inzwischen an die 30 Tier-Allergene, die aus verschiedenen Familien von Proteinen, also Eiweißstoffen, stammen. Bei Katzen ist es das ,Fel d1‘, auf das 95 Prozent der Allergiker reagieren“, erklärt Univ. Dozent Dr. Wolfgang Hemmer vom Floridsdorfer Allergiezentrum.

Mit einem Pricktest wird allgemein eine Allergie auf Vierbeiner diagnostiziert, mit modernen Bluttests lässt sich gezielt messen, wogegen der Patient ursprünglich allergisch ist: ob es sich um eine echte Hunde-, Katzenallergie oder eine Mischform handelt, wie eine Studie am Allergiezentrum ergeben hat. Ein umfassendes Bild liefern auch Chiptests. Mit einem Tropfen Blut werden hundert oder mehr Allergene überprüft. Das Fell der Tiere ist übrigens nicht primär Auslöser, da Haare keine Allergene enthalten.

Auslöser in Tränen, Speichel, Prostata
Katzen produzieren Allergene in den Talgdrüsen, von wo sie auf die Haare gelangen. Der höchste Gehalt befindet sich jedoch in den Tränen und im Speichel. Durch das Putzen verteilt sie das Tier im Fell. Nicht nur der Speichel von „Bello“ enthält Stoffe, auf die Menschen allergisch sein können. Bei männlichen Hunden entstehen diese auch in der Prostata und gelangen mit dem Urin nach außen. Laut der Floridsdorfer Studie zeigen 25 bis 30 Prozent aller Hundeallergiker nur gegen dieses Allergen eine Überreaktion. Betroffene können problemlos ein weibliches Tier halten. Durch Kastration verringert sich bei Rüden zumindest die Allergenmenge. Vor allem mit dem Harn scheiden manche Nagetiere Allergieverursacher aus. Immuntherapien für Tierallergiker können nicht allgemein empfohlen werden, das hängt von der Intensität der Beschwerden ab und ob bereits Asthma besteht. Im Einzelfall mit dem Facharzt über das richtige Vorgehen sprechen!

Empfehlung für zu Hause:

  • Die Wohnung regelmäßig zu putzen und saugen verbessert die Situation. Dafür aber spezielle Filter (HEPA) verwenden, sonst werden die feinen Partikel vom Staubsauger aufgewirbelt und gelangen erst recht in Nase und Augen.
  • Das Haustier vom Schlafzimmerfernhalten, nicht ins Bett mitnehmen.
  • Einen Durchbruch in der Behandlung könnte es aber bald geben. Dozent Hemmer erklärt die neuen Ansätze:
    Passive Immunisierung. Patienten bekommen schützende Antikörper gegen Katzenallergene in größeren Mengen gespritzt. Tests haben ergeben, dass diese blockierenden Antikörper Allergene abfangen. Eine erste Studie ist im Gange.

Allergene für die Mieze, um Besitzer zu schützen
Die Katze impfen möchte ein Schweizer Forscherteam. Die Samtpfote bekommt ihr eigenes, leicht modifiziertes Allergen (Fel d 1) gespritzt, in der Annahme, dass das Immunsystem Antikörper dagegen entwickelt und das „Fel d 1“ sozusagen neutralisiert. Das soll die Tierbesitzer schützen. Eine Studie konnte bereits den Abfall der Allergene in der Tränenflüssigkeit bestätigen. Ob dies nun auch dem Menschen hilft, muss klinisch getestet werden. An Katzenfutter mit Antikörpern arbeitet eine US-Firma. Die Idee: Wenn das Tier frisst, werden im Speichel die Allergieauslöser neutralisiert, es gelangt weniger davon auf das Fell.

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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