20.10.2020 11:22 |

Um eine Milliarde Euro

Microsoft baut Cloud-Rechenzentrum in Österreich

Der US-Technologiekonzern Microsoft will in den nächsten zwei bis vier Jahren rund eine Milliarde Euro in sein erstes Cloud-Rechenzentrum in Österreich investieren. Österreich werde damit eine von künftig insgesamt 64 solcher Rechenzentrumsregionen sein, kündigte Microsoft-Österreich-Chefin Dorothee Ritz am Dienstag in einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) an.

Der Marktforscher IDC habe den gesamtwirtschaftlichen Nutzen eines solchen Rechenzentrums für die nächsten vier Jahre mit mehr als zwei Milliarden Euro berechnet, sagte Ritz. „Das ist ein dringend benötigtes Wirtschaftswachstum und schafft zusätzliche 29.000 Arbeitsplätze in den nächsten vier Jahren“ - nicht nur bei Microsoft selbst, sondern auch bei Kunden und lokalen Partnerfirmen.

Es werde sich um mehrere Rechenzentren handeln, die sich gegenseitig sichern, erklärte Ritz, die genauen Standorte könne man jedoch aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Einen speziellen steuerlichen Anreiz für die Investition erhalte Microsoft nicht, sagte Schramböck. Microsoft stünden aber die allgemeinen Förderungen zur Verfügung, etwa die Investitionsprämie von 14 Prozent für digitale Investitionen.

Man werde steuerliche Anreize selbstverständlich auch in Betracht ziehen, sagte Ritz, „die Entscheidung für eine Rechenzentrumsregion beinhaltet aber über 35 Faktoren, steuerliche Anreize sind nur ein Teil davon“. Wichtig seien auch die Nähe zu Ballungszentren, Fachkräfte in der Region, Zugang zu Strom und sehr gute Netzwerk-Anbindung, nicht zuletzt aber auch der Bedarf von Kunden.

Bislang größte Investition für Microsoft in Österreich
Es handle sich um die bei weitem größte Investition, die Microsoft je in Österreich getätigt habe, sagte Microsoft-Präsident Brad Smith in einer eingespielten Video-Botschaft. Smith ist bei Microsoft Rechtsvorstand und die Nummer zwei hinter CEO Satya Nadella. Der Nutzen für Österreich sei beträchtlich, sagte Smith. Das würden die Konsumenten, Unternehmen und der öffentliche Sektor unmittelbar bei der größeren Geschwindigkeit bemerken, aber es würden auch die Kosten sinken und die Sicherheit erhöht. „Wir geben mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr aus, um unsere Sicherheitstechnologie ständig zu verbessern. Wir haben mehr als 3.000 Sicherheitsspezialisten, die für uns arbeiten.“

Das Rechenzentrum in Österreich bedeute, dass die Daten direkt in Österreich verarbeitet werden, „unter der Governance und Kontrolle der EU-Datenschutzgrundverordnung“, betonte Ritz. Die DSGVO gelte bei Microsoft weltweit. „Jede Anforderung an Herausgabe bedarf einer rechtlichen Grundlage, das heißt, ein Gerichtsbeschluss. Microsoft hat in der Vergangenheit auch schon mehrfach erfolgreich zum Beispiel gegen die US-Regierung geklagt gegen die Herausgabe von Daten.“ Die Erste Group und die BAWAG, die als Banken besonders hohe Sicherheitsanforderungen haben, hätten bereits bekannt gegeben, dass sie das neue Microsoft-Rechenzentrum nutzen werden.

„Unser erklärtes Ziel ist es, eines der besten Länder Europas im Bereich der Digitalisierung zu sein“, sagte Kurz, „weil wir wissen, dass unsere Wirtschaft, unsere Industrie nur wettbewerbsfähig bleiben kann, wenn wir in diesem Bereich besonders gut aufgestellt sind.“

„Digitale Exzellenz“-Zentrum angekündigt
Gemeinsam mit dem für Digitalisierung zuständigen Wirtschaftsministerium wurde am Dienstag auch die Einrichtung eines „Center of Digital Excellence“ angekündigt, um die IT-Infrastruktur und den IT-Einsatz im öffentlichen Dienst zu modernisieren. Dazu soll unter anderem ein zweijähriges Trainingsprogramm für Angestellte im öffentlichen Dienst eingerichtet werden. Insgesamt sollen auch in Zusammenarbeit mit dem AMS bis 2024 rund 120.000 Menschen in Österreich IT-Schulungen bekommen.

Als Teil des Centers will das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit Microsoft ein Cybersecurity-Netzwerk einrichten, zu dem u.a. Universitäten, Wirtschaftskammern, Vertreter der Industrie und Datenschutzorganisationen gehören. Ziel ist es, die IT-Sicherheitserfordernisse für Cloud-Computing zu definieren.

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