Die Elektrifizierung des Busverkehrs in Österreich ist im europäischen Vergleich noch nicht weit fortgeschritten. Etwa sechs Prozent der Busse sind hierzulande elektrisch betrieben. Beim Anteil von E-Bussen an den Bus-Neuzulassungszahlen lag Österreich im ersten Halbjahr 2026 mit 18 Prozent EU-weit auf Platz 16.
Für Philipp Wieser von AustriaTech, einer Beratungsagentur des Bundes im Mobilitätsbereich, geht der Umstieg auf elektrische Busse zu langsam. Er dass erst 2032 die absolute Mehrheit an Neuzulassungen elektrisch ist. Als internationales Positivbeispiel hob der Experte Rumänien hervor, das den Anteil elektrischer Busse an den Bus-Neuzulassungen rasch auf 86 Prozent gesteigert habe. Auch Portugal, Dänemark oder die Niederlande lägen mit Anteilen zwischen 56 und 70 Prozent deutlich vor Österreich.
Umstieg auf Elektromobilität bringt Unsicherheiten mit sich
Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Ötztaler Verkehrsgesellschaft und Wirtschaftskammer-Vertreters Franz Sailer war die Branche in Österreich anfangs nicht komplett von Elektromobilität überzeugt. Viele Unternehmen hätten an vertrauten Beschaffungs- und Betriebsmodellen festgehalten. Bei Dieselbussen seien Kosten und Abläufe bekannt gewesen, während der Umstieg auf Elektromobilität höhere Anfangsinvestitionen und zusätzliche Unsicherheiten mit sich gebracht habe.
Eine zentrale Hürde sind laut Sailer weiterhin die hohen Anfangsinvestitionen. Ein E-Bus könne in der Anschaffung 80 Prozent mehr kosten als ein vergleichbares Dieselfahrzeug, insbesondere wenn zusätzlich Ladeinfrastruktur errichtet werden muss. Hinzu kämen Unsicherheiten bei Strompreisen, Netzanschlüssen und der Energieversorgung. Abhängig von diesen Faktoren könne sich die Investition nach fünf bis sechs Jahren amortisieren, so der Wirtschaftskammer-Vertreter.
Betreiber bauen E-Bus-Flotten schrittweise aus
Die ÖBB-Tochter Postbus hat derzeit 97 E-Busse im Einsatz, davon 73 im Raum Wolfurt (Vorarlberg) und elf im südlichen Weinviertel (Niederösterreich). Österreichs größtes Busunternehmen ist bei der konkreten Fahrzeugbeschaffung von den Ausschreibungen der Bundesländer und Verkehrsverbünde abhängig. Sehen diese den Einsatz von Dieselbussen vor, könne Postbus nicht eigenständig E-Busse anbieten.
Die Wiener Linien besitzen derzeit 60 batterieelektrische Busse. Seit 2012 werden entsprechende Fahrzeuge beschafft und die erforderliche Infrastruktur aufgebaut. Als Herausforderung nennt das Unternehmen insbesondere den hohen Investitionsbedarf. Die Wiener Dr. Richard Gruppe plant nach positiven Erfahrungen im Pilotprojekt mit E-Reisebussen ihre Flotte zu erweitern. Gründe dafür seien die gute Kundenresonanz und eine starke Nachfrage nach den elektrifizierten Reisebussen, erklärte das zweitgrößte Busunternehmen Österreichs. Bis Anfang des nächsten Jahres soll die Flotte von drei auf sechs elektrifizierte Reisebusse erweitert werden.
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