15.09.2020 14:23 |

„Mehr als eine Delle“

ÖBB rechnen heuer mit 800 Mio. Euro Umsatzausfall

Die Corona-Krise trifft auch die Österreichischen Bundesbahnen: „Wir rechnen heuer mit etwa 800 Millionen Euro Umsatzverlust in Folge von Covid“, so ÖBB-Chef Andreas Matthä. Dabei komme der größere Teil aus dem Personenverkehr mit knapp 450 Millionen, im Güterverkehr erwarte man rund 300 Millionen Umsatzverlust und in der Infrastruktur kleinere Einbußen: „Das ist mehr als eine Delle.“ An Kündigungen denke man nicht, das Unternehmen stecke „mitten in einer Pensionswelle“.

Unterm Strich erwarten die ÖBB heuer statt wie ursprünglich geplant über circa 170 Millionen Euro Gewinn bei 4,6 Milliarden Umsatz nun einen operativen Verlust (EBT) von rund 50 Millionen Euro. „Vielleicht wird‘s noch eine Spur besser“, will Matthä die Hoffnung nicht ganz aufgeben. Trotz der Einbußen denkt man bei den ÖBB nicht an Kündigungen. „Wir stecken mitten in einer Pensionswelle“, jährlich verliere man in die Pension mehr als 1500 Mitarbeiter. Auch Kurzarbeit gibt es keine mehr, sondern nur noch Urlaubsabbau und Zeitausgleich.

Einbruch teilweise bei 90 Prozent
Der Personenverkehr der Bundesbahnen war am Höhepunkt der Corona-Krise bis zu 90 Prozent eingebrochen. Inzwischen beträgt der Rückgang bei den Fahrgästen immer noch 30 bis 40 Prozent. Dass jetzt viel weniger Leute in die Züge einsteigen, sei auf drei Faktoren zurückzuführen: Mehr Arbeitslose und Kurzarbeiter, mehr Home-Office und Fahrgäste, die aus Angst vor einer Ansteckung im Zug auf das Auto umgestiegen sind. Jeder Faktor steuere rund ein Drittel zum Passagierverlust bei. Im Juni wurden in Niederösterreich, Wien und im Burgenland die Tarife erhöht.

„Zugfahren ist sicher“
Dabei betont der Bahnchef, dass das Zugfahren sicher sei: Neben der Maskenpflicht auch am Sitzplatz, deren Nichteinhaltung mit Strafen geahndet werde, gebe es auch verstärkte Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen. Die Bahn plane daher auch eine Kampagne, um den Leuten die Angst zu nehmen und die Lust am Bahnfahren zu steigern. Und schließlich hoffe man auf eine Impfung, ein wirksames Medikament und Schnelltests.

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„Brauchen deutlichen Wirtschaftsimpuls“
Auch der Güterverkehr leidet: Die Nettotonnen im Güterverkehr liegen aktuell rund 15 Prozent unter dem Vorjahr. Tiefpunkt war Ostern mit einem Minus von 33 Prozent. Besonders in der Sparte Automotive ist der Einbruch mit Rückgängen von 40 Prozent dramatisch. „Wir brauchen einen deutlichen Wirtschaftsimpuls nach vorne, wir brauchen das Vertrauen der Menschen in das Gesamtsystem.“ 300 Millionen Umsatzausfall will das Unternehmen selbst stemmen. Eine Kapitalspritze in Höhe von 61 Millionen Euro kommt vom Verkehrsministerium. 

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