18.04.2020 13:33 |

„Zeigen Solidarität“

Erste Flüchtlingskinder in Deutschland gelandet

Auf dem Flughafen Hannover sind am Samstagvormittag die ersten unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gelandet, die zuletzt in überfüllten Lagern auf den griechischen Insel gelebt hatten und nun von Deutschland wie angekündigt aufgenommen wurden. Sie sollen zunächst für eine zweiwöchige Quarantäne im Landkreis Osnabrück untergebracht werden, bevor sie auf die einzelnen Bundesländer verteilt werden. Der deutsche Innenminister Horst Seehofer rief andere europäischen Staaten dazu auf, ebenfalls Flüchtlingskinder aufzunehmen, Griechenland brauche „Unterstützung“. Die EU-Kommission begrüßt die Hilfeleistung: „Diese Kinder können jetzt ihre Zukunft beginnen. Das ist sehr wichtig.“

Bei den 47 Minderjährigen handelt es sich um 42 Kinder und fünf Jugendliche, von denen vier in Begleitung jüngerer Geschwisterkinder sind. Vier der Minderjährigen sind Mädchen. Alle waren zuvor in Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios untergebracht und stammen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea. Die Zahl ist etwas geringer als im Vorfeld erwartet - einige der ausgewählten Kinder und Jugendlichen waren als nicht reisefähig eingestuft worden.

„Deutschland hält Wort und zeigt Solidarität“
„Ich freue mich, dass wir heute die ersten unbegleiteten Kinder empfangen könne - trotz der schweren Belastungen durch die Corona-Krise“, sagte Horst Seehofer (CSU) am Samstag. „Deutschland hält Wort und zeigt Solidarität. Ich gehe davon aus, dass unsere europäischen Partner damit beginnen, ihre Zusagen nun ebenfalls sobald wie möglich umzusetzen“, fügte der 70-jährige Politiker hinzu.

Griechenland brauche beim Schutz der EU-Außengrenze „unsere Unterstützung“, bei der „Verbesserung der Situation in den Flüchtlingslagern vor Ort und beim Schutz der Schwächsten", betonte er gegenüber der „Bild am Sonntag“. Ordnung und Humanität gehörten in der Migrationspolitik zusammen.

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Ich freue mich, dass wir heute die ersten unbegleiteten Kinder empfangen könne - trotz der schweren Belastungen durch die Corona-Krise.

Innenminister Horst Seehofer

Hilfreiche Hände und offene Herzen“
Die Ausreise der Kinder und Jugendlichen könne nur ein Anfang sein, wenn es darum gehe, die völlig überfüllten und unzumutbaren Camps auf den griechischen Inseln zu entlasten, so auch der deutsche Repräsentant des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Frank Remus. Die Kinder seien zwar jetzt in Sicherheit, aber auch in einer fremden Welt, ohne Gewohntes und ohne vertraute Menschen. Sie seien in Deutschland eingetroffen, "wann sie auch in Deutschland ankommen, hängt von hilfreichen Händen und offene Herzen ab“.

39.000 Menschen in Flüchtlingscamps
Die Hilfsaktion hatte sich unter anderem wegen der Corona-Krise wiederholt verzögert. Ziel ist laut deutschem Innenministerium, „Griechenland bei der schwierigen humanitären Lage auf den griechischen Inseln zu unterstützen“.

Hilfsorganisationen kritisieren die Zahl der Aufgenommenen als zu gering. In den Lagern der Inseln im Osten der Ägäis harren zurzeit gut 39.000 Menschen aus. Etwa 36 Prozent sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks Minderjährige. Gut 90 Prozent davon sind Buben. 

Der weitere Plan sieht vor, dass insgesamt rund 1600 Jugendliche von den griechischen Inseln in andere EU-Staaten gebracht werden. Insgesamt haben sich zehn EU-Mitgliedstaaten dazu bereit erklärt. In Luxemburg sind ebenfalls bereits unbegleitete Flüchtlingskinder eingetroffen. Österreich beteiligt sich nicht.

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