13.09.2019 15:10 |

Internationale Tagung

Flammender Appell für Impfinformation aus Brüssel

Als dringlichste Herausforderung für Europa und die Welt wurde beim Globalen Impfgipfel in Brüssel am 12. September Missinformation zum Thema Immunisierung bezeichnet. Krone Gesund war beim „Global Vaccination Summit“ in der EU-Hauptstadt dabei.

Hierbei prallen nicht nur Welten aufeinander, sondern auch Bedürfnisse: Während in weiten Teilen Europas die Impfskepsis wächst, weil viele Krankheiten zurückgedrängt werden konnten, fordern die ärmsten Länder der Erde mehr Unterstützung für Impfprogramme ein. Dafür setzt sich die 2000 gegründete globale Impfallianz „Gavi“ ein. Deren Vorsitzender, Epidemiologe Seth Berkely, bestätigte bei einem Round Table Gespräch, dass Mütter in unterprivilegierten Ländern 20 oder mehr Kilometer mit ihren Kindern zu Fuß zurücklegen, um lebensrettende Impfungen für die Kleinen zu erhalten. Allein im Jahr 2017 wurden über die Organisation 65 Millionen Kinder gegen die häufigsten durch Impfstoffe vermeidbare Krankheiten wie Tetanus, Keuchhusten, Diphterie uvm. immunisiert.

In reichen Ländern wie Österreich wird der Nutzen für unsere Kinder immer kontroversieller diskutiert, eine Unzahl an Fehlmeinungen kursiert auch bei uns. Der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, hob unter Anwesenheit der belgischen Königin Mathilde den Nutzen von Impfungen als die erfolgreichste gesundheitspolitische Maßnahme auch innerhalb der europäischen Staaten hervor. Diese werde aber von der Bevölkerung, wie auch seitens der Politik weit unterschätzt. Jetzt gehe es darum, breite Aufklärung zu leisten und den Eltern klar zu machen, dass Impfungen nicht krank machen, sondern Leben retten. „Wir haben fast alle Menschen auf der Welt mit der Polioimmunisierung erreicht - das hat also einen hohen Stellenwert für die Gesellschaft. Wir sollten alle Meinungen akzeptieren, aber wir müssen auch alles tun, um Menschenleben zu schützen“, so der Experte.

Fake News aufdecken

Moderne Informationskampagnen sollen sich nun auch vermehrt der Social Media Kanäle bedienen. Sprecher von Mozilla und Facebook stellten Strategien vor, wie man Falschmeldungen und gezielte Desinformation von radikalen Impfgegnern durch wissenschaftlich abgesicherte Inhalte relativieren kann, um ausgewogene Information für verunsicherte Eltern zu gewährleisten.

 Rasant verbreiten sich derzeit wieder Masern. Etwa 90.000 Fälle wurden im ersten Halbjahr 2019 bereits im EU-Raum gemeldet, das ist mehr als die Gesamtzahl des ganzen Jahres 2018. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, gab auch zu bedenken, das das Verhindern von Infektionskrankheiten in Zeiten ständig steigender Antibiotikaresistenzen wichtiger sei denn je. Und warnt: „Missinformation kann genauso gefährlich sein, wie die Krankheit selbst.“

Einen berührenden Appell richtete der Bruder der im heurigen März mit 26 Jahren an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) verstorbenen Laura Brennan aus Irland an die Welt. Die junge Frau hatte sich mit jenen HPV-Stämmen infiziert, gegen die es einen wirksamen Impfstoff gibt - für sie kam diese Information zu spät. Im Sinne von Laura, unterstützt die Familie weiterhin deren Engagement für die Aufklärung über die Impfung gegen humane Papillomaviren.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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