05.06.2019 12:04 |

Online-Handel

Mehr als die Hälfte der Umsätze fließt ins Ausland

Der Online-Handel boomt weiterhin in Österreich. Die Umsätze legten einer Umfrage zufolge um 300 Millionen Euro auf 7,5 Milliarden Euro zu - das entspricht einem Plus von vier Prozent. 4,5 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte davon flossen jedoch zu ausländischen Anbietern wie Amazon, Zalando & Co. Lediglich 3,6 Milliarden Euro (44 Prozent) verblieben im Inland. Zugleich schrumpfte der klassische Versandhandel um 100 Millionen Euro (-14 Prozent) auf 600 Millionen Euro.

„Der klassische Versandhandel ist Geschichte“, sagt Harald Gutschi, Vizepräsident des Handelsverbands, der die repräsentative Umfrage durchführte, und Chef der Versandhandelsgruppe Unito, zu der Universal, Otto und Quelle gehören. Anfang 2019 hatte Otto seinen mehrere hundert Seiten starken Hauptkatalog zum letzten Mal herausgebracht. Ab sofort gibt es nur mehr dünnere Print-Spezialkataloge. Im letzten Geschäftsjahr lag der Online-Umsatzanteil laut Gutschi bei 93 Prozent, im Mai bereits bei 96 Prozent. Der Katalog würde vor allem „bestellauslösend“ für den Online-Handel wirken. Laut Studie kaufen 58 Prozent der Österreicher im Internet ein, aber nur mehr elf Prozent im klassischen Versandhandel. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 shoppten 46 Prozent der Österreicher online und noch 29 Prozent im klassischen Versandhandel.

Handelsverband sieht „dringenden Handlungsbedarf“
Der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will, sieht „dringenden Handlungsbedarf“, um den Umsatzabfluss zu Online-Händlern ins Ausland einzudämmen. Aufgrund der ungleichen Bedingungen zwischen heimischen und ausländischen Anbietern sei es derzeit „ein Fass ohne Boden“. Die ehemalige ÖVP-FPÖ-Regierung hatte Anfang April im Ministerrat neue Steuern für Internet-Unternehmen auf den Weg gebracht. Die Pläne umfassten eine Abgabe auf Online-Werbeumsätze in Höhe von fünf Prozent, eine Ausdehnung der Einfuhrumsatzsteuer im Online-Handel sowie eine Haftungsklausel für Online-Vermittlungsplattformen. Für den Pakethandel für Lieferungen außerhalb der EU wollte der damalige Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) den Zollwert unter 22 Euro „ab dem ersten Cent“ besteuern, um „eine faire Basis zwischen traditionellem Handel in Österreich und dem Online-Handel“ zu schaffen.

Der Handelsverband ist zuversichtlich, dass die geplanten Vorhaben im Bereich Handel und Internet auch von der Übergangsregierung umgesetzt werden. Es habe bereits einen positiven Austausch mit dem neuen Finanzminister Eduard Müller gegeben, so Will.

Durchschnittlich 1600 Euro pro Käufer
68 Prozent bzw. rund 5,1 Millionen Österreicher (ab 15 Jahre) kauften 2018/19 laut Umfrage im Internet-Einzelhandel bzw. im Versandhandel ein. Im Vergleich zur Vorjahresperiode waren dies um zwei Prozent mehr Personen. Die Durchschnittsausgaben stiegen um ein Prozent auf rund 1600 Euro pro Käufer. Der Unito-Chef erwartet, dass in den nächsten zehn Jahren der Anteil der Online-Shopper in Richtung 80 Prozent geht.

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