Eine Wiener Firma, die unter anderem diskret Privatflieger an Oligarchen und Promis vermittelt, wurde offenbar zum Opfer von Hackern. Ein ganzes Konvolut an Reisepässen, Sicherheitslizenzen, Passagier- und Pilotendaten wurde im Darknet veröffentlicht. Brisant: Russische Oligarchen gehören zu den Kunden – und auch die Angreifer kommen wohl aus Russland.
Wer mit Privatjets durch die Lüfte gleitet, vertraut im Regelfall besonders auf den Faktor Diskretion. Oft sind es Prominente, die sich ganz einfach unkompliziert von A nach B bringen lassen wollen, in vielen Fällen handelt es sich auch um Geschäftsleute auf heikler Mission oder eine spezielle Fracht, die zugestellt werden soll. Ein Wiener Unternehmen hat sich daher seit 2007 auf den verschwiegenen Betrieb und die Vermietung von luxuriösen privaten Jets spezialisiert.
Auch Firtasch-Flieger war in der Flotte
Laut eigenen Angaben auf der Webseite betreibt die Firma Avcon Jet mittlerweile mehr als 100 Flugzeuge, beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter an elf Standorten weltweit. Diese sollen laut Webseite „die Besten auf ihrem Gebiet sein, um unsere hohen Anforderungen an Know-how, Sicherheit und Kundenservice zu erfüllen“. Der Öffentlichkeit bekannt wurde die Firma übrigens auch durch einen Jet, der letztendlich dem zum damaligen Zeitpunkt per US-Haftbefehl gesuchten ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch zugeordnet werden konnte.
Kunden, Partner und Behörden erwarten klare Informationen darüber, was passiert ist und welche Daten betroffen sein könnten.

Cyberprofi Dr. Cornelius Granig rät zu Transparenz
Bild: krone.tv
Russen-Milliardäre nutzen Wiener Angebot
Nun erschüttert ein Hackerangriff aber möglicherweise das Vertrauen der illustren Kundenschar. Unter der befinden sich, wie berichtet, laut „Wall Street Journal“ auch eigentlich sanktionierte Russen-Milliardäre wie Arkadi Rotenberg oder Rostec-Chef Sergej Tschemesow. Konkret soll eine Tochterfirma der Avcon Jet hier als Zwischenstation bei der Überführung von Jets gedient haben. Ein von Tschemesow genutztes Flugzeug wurde laut Dokumenten etwa auf Bermuda registriert, von Avcon Jet verwaltet und später auf eine russische Gesellschaft umgeschrieben worden sein. Man halte sich strikt an alle Sanktionen, hieß es dazu von Avcon Jet.
Reisepässe und Zertifikate veröffentlicht
Brisant: „Krone“-Cyberexperte Dr. Cornelius Granig weiß, dass auch die Angreifer aus Russland kommen sollen. „Qilin“ nennt sich eine aggressiv vorgehende Gruppe, die die Systeme von Avcon Jet infiltriert haben will. Seither veröffentlichten die Hacker ein umfangreiches Datenkonvolut, darunter Reisepässe, Sicherheitszertifikate und Daten von Piloten und Passagieren. Welches Ziel der Angriff verfolgt, ist unklar. Ebenso, ob die Wiener Firma aktuell mit verschlüsselten Daten erpresst wird. Avcon Jet selbst wollte sich auf „Krone“-Anfrage nicht zur Causa äußern.
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