Passwörter erraten

Hacker von Obamas Twitter-Account festgenommen

Web
25.03.2010 10:54
François C. ist kein Informatik-Genie, aber gut im Suchen und Raten. So hat er es geschafft, den Kurznachrichtendienst Twitter zu knacken und sich Zugang zu Nutzerkonten zu verschaffen - darunter auch das von US-Präsident Barack Obama. Monatelang ließ sich der 23-jährige Arbeitslose als "Hacker Croll" im Netz bewundern, während er in der zentralfranzösischen Kleinstadt Beaumont bei seinen Eltern wohnte. Jetzt wurde er von der französischen Polizei und Beamten des FBI verhaftet.

"Hacker Croll" ist im Internet eine Berühmtheit. Im vergangenen Juli lieferte er der US-Website TechCruch 310 firmeninterne Dokumente über die Strategie von Twitter und Mitarbeiter des Kurznachrichtendienstes. Auch in Facebook oder E-Mail-Dienste wie Gmail von Google soll er eingedrungen sein. 

"Ich wollte nur zeigen, dass große Unternehmen nicht besser gesichert sind als jeder normale Nutzer des Internets", sagt C. der Nachrichtenagentur AFP. "Ich habe nicht mit dem Ziel der Zerstörung gehandelt. Ich wollte warnen."

Verstrubbelte Haare, bleiches, längliches Gesicht, schlank - François C. sieht in seinen Hausschuhen mit dem "Smiley"-Gesichtern eher aus wie ein Teenager und nicht wie 23. Sein Vater hatte dem ältesten seiner sechs Kinder den ersten Computer mit acht Jahren geschenkt, mit 14 hat C. die Weiten des Internets entdeckt. Nach der Schule hat er einen Berufsschulabschluss in Elektronik und eine Fortbildung zum Informatiker gemacht. Seither hat er keinen Job gefunden und wartet in seiner Heimatstadt mit 12.500 Einwohnern bei Clermont-Ferrand auf eine Zukunft.

"Ich bin ein netter Pirat"
Er verbringe "mehr als zehn Stunden am Tag im Internet", sagt C. "Das ist meine einzige Leidenschaft." Ein bösartiger Hacker sei er nicht. "Ich bin ein netter Pirat." Twitter habe er geknackt, indem er sich Zugang zu den E-Mail-Konten von Mitarbeitern verschafft habe. "Ich machte das, indem ich die Passworte erriet." 

Das ist die Masche von "Hacker Croll": Er sucht das Internet nach persönlichen Informationen über "Zielpersonen" ab und probiert, daraus mögliche Passwörter zu bauen, etwa aus den Namen der Kinder oder der Haustiere.

Nachdem er an die E-Mail-Konten der Twitter-Mitarbeiter gelangt sei, habe er in einer Nacht im April vergangenen Jahres dann auch die Passwörter zur Verwaltung des Kurznachrichtendienstes herausbekommen, erzählt C. weiter. Er habe darauf die Nutzerkonten etwa von Obama oder US-Star Britney Spears besucht, Bildschirmkopien gemacht und diese ins Netz gestellt. "Alle haben geglaubt, dass das ein Witz war, bis Twitter Klage eingereicht hat."

Problemloser Zugriff auf Daten besorgniserregend
Theoretisch hätte C. Nutzerkonten einfach löschen oder verändern können. Er hat es nach eigenem Bekunden nicht getan. Besorgniserregend für Twitter ist, wie problemlos er Zugriff auf die persönlichen Daten der Nutzer wie Handy-Nummern bekam. 

Denn C. sei "kein Hacker im eigentlichen Sinne" mit besonderem technischen Sachverstand, sagt der Staatsanwalt von Clermont-Ferrand, Jean-Yves Coquillat. "Er ist in ein Haus eingedrungen, dessen Tür offenstand."

Hacker drohen bis zu zwei Jahre Haft
C. drohe zwei Jahre Gefängnis. Aber die französischen Ermittler glauben ihm offenbar, dass er nichts Böses im Schilde führte. Er habe nicht versucht, die abgegriffenen Daten "zu Geld zu machen oder irgendeinen Profit daraus zu schlagen", sagt Staatsanwalt Coquillat. Er ließ C. nach einem Tag im Polizeigewahrsam bis zu seinem Gerichtstermin am 24. Juni nach Hause.

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