16.03.2019 09:42 |

Terrorbühne Social Web

Blutbad im Livestream: IT-Giganten in der Kritik

Nach dem tödlichen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch mit 49 Toten hat der Terrorismus-Experte Peter Neumann mehr Hilfe von Internetkonzernen im Anti-Terror-Kampf eingefordert.

Zwar sei eine hundertprozentige Live-Überwachung von YouTube, Facebook und anderen Plattformen zum Aufspüren blutrünstiger Terrorpropaganda unrealistisch.Dennoch könnten die Unternehmen mehr tun als bisher, um etwa die Übertragung von Attentaten zu erschweren.

Der Terrorakt von Christchurch war offenbar gezielt als Social-Media-Spektakel geplant. „Gegen die rasante und massenhafte Verbreitung lässt sich nur mit mehr Einsatz von Personal und Technik vorgehen, mit deren Hilfe diese brutalen Videos gelöscht werden“, sagte Neumann, der am Londoner King‘s College zu Extremismus und Radikalisierung forscht, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

„Narzisstische Selbstinszenierung“
„Die brutale Tat live zu übertragen dient zum einen einer narzisstischen Selbstinszenierung des Täters“, erklärte Neumann. „Zum anderen soll die Tat so medial verbreitet werden. Das ist neben Manifest und Verweisen durch den Attentäter Teil der Propaganda-Strategie.“ Die einschlägigen Online-Plattformen könnten dies mit geeigneten Mitteln durchkreuzen „und so auch ihrer Verantwortung als global agierendes Unternehmen“ gerecht werden.

Bei dem Doppelanschlag in Christchurch hatte der Täter während des Freitagsgebets wahllos auf Moschee-Besucher geschossen. Er tötete 49 Menschen, mehr als 40 wurden verletzt. Als Hauptverdächtiger gilt ein Australier, der nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich als Einzeltäter handelte. Mit einer Helmkamera filmte der Täter auch, wie er die Menschen erschoss. Die Bilder übertrug er live ins Internet.

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