Live in der Metastadt

Wincent Weiss: Fanliebe und ein falscher Freitag

Musik
07.08.2026 00:31

Mit Hits wie „Musik sein“ oder „Feuerwerk“ zählt Wincent Weiss längst zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Popsängern. Am Donnerstag machte der 33-Jährige mit seiner Sommertour in der Wiener Metastadt Station – und bescherte 6000 Fans bei tropischen Temperaturen mit seinen Songs, viel Witz und noch mehr Charme eine Sommererinnerung, die bleibt.

kmm

Schon bevor der erste Ton erklingt, liegt über der Metastadt dieses typische Sommerfestival-Gefühl. Der Asphalt flimmert noch von der Tageshitze, vor den Foodtrucks bilden sich Schlangen. Burger, Pommes und Gyros gehen weg wie warme Semmeln, während sich andere Besucher mit kalten Getränken die letzte Erfrischung holen. Trotz immer noch rund 32 Grad – und das kurznach 19 Uhr – strömen etwa 6000 Fans auf das Gelände. Familien mit Kindern, Teenagergruppen und langjährige Wegbegleiter des deutschen Popstars warten geduldig, um Wincent Weiss live zu sehen. Bereits vorher sorgte Support-Act Lina für die passende Einstimmung. Die Sängerin, die Wincent auf seiner aktuellen Sommertour begleitet, startet mit verträumtem Girl-Pop, ehe Songs wie „Ohne dieses Gefühl“, „Ego“ oder „Für immer“ deutlich mehr Schwung ins Publikum bringen. Nach exakt 30 Minuten verabschiedet sie sich mit einem herzlichen „Danke Wien – und danke an Wincent.“

Noch bevor Wincent Weiss überhaupt die Bühne betritt, erfüllte der 33-Jährige aber einen ganz besonderen Herzenswunsch. Beim Meet & Greet geht für die junge Lara im Rollstuhl ein großer Traum in Erfüllung: Gemeinsam mit ihrer Familie darf sie ihren Lieblingssänger persönlich treffen. Weiss nimmt sich viel Zeit, zeigt sich herzlich, geduldig und völlig ohne Starallüren. „Krone“-Chronik-Ressortleiterin Sandra Pichler-Ramsauer war dabei und durfte den berührenden Moment miterleben.

Lina sorgte mit deutschem Girlie-Pop für die passende Einstimmung.
Lina sorgte mit deutschem Girlie-Pop für die passende Einstimmung.(Bild: Eva Manhart)

Crowdsurfing und Grillerei
Wenig später verlagert sich nach dem M&G die Aufmerksamkeit wieder ganz auf die Bühne. Von den sanften Girl-Pop-Klängen ist inzwischen aber auch nichts mehr zu hören. Während eben noch bei Pommes und Burgern auf den Hauptact gewartet wurde, wird die Bühne für Wincent Weiss vorbereitet. Pünktlich dann um 20 Uhr fällt schließlich der Vorhang, auf dem sich vorher noch der Titel seines Albums „Hast du kurz Zeit“ befand. „Hallo Wien!“, ruft Weiss ins Publikum und eröffnet den Abend mit dem Titelsong „Hast du kurz Zeit“, ehe „Die guten Zeiten“ folgt. „Was für eine wunderschöne Stadt. Genießt die nächsten zwei Stunden – ihr seid noch nicht gegrillt“, scherzt er angesichts der tropischen Temperaturen. Bereits beim zweiten Song schwingen tausende Hände im Takt.

Wincent Weiss suchte immer wieder die Nähe zu seinen Fans und heizte ihnen mit seiner ...
Wincent Weiss suchte immer wieder die Nähe zu seinen Fans und heizte ihnen mit seiner energiegeladenen Show zusätzlich ein.(Bild: Eva Manhart)

Schöne Erinnerungen
Wer Wincent Weiss kennt, weiß: Stillstehen gehört nicht zu seinem Repertoire. Immer wieder verlässt er die Bühne, läuft mitten durch die Zuschauermenge, schlägt Hände ein und sucht den direkten Kontakt. Sogar ein Crowdsurfing (ins Publikum fallen und sich in der Luft tragen lassen) gibt's. Viele Künstler gehen nicht mal in die Nähe der Fans, Wincent lässt sich rücklings von den Zuschauern tragen. Ganz bis zum Ende trägt ihn die Menschenmenge zwar nicht, doch allein das Vertrauen, das er seinen Fans entgegenbringt, sorgt für tosenden Jubel.
Besonders emotional wird es vor „Sommer der bleibt“. „Ich hoffe, ihr nehmt diese Erinnerung mit nach Hause. Der Sommer sollte länger bleiben“, sagt er, bevor tausende Stimmen den Refrain mitsingen. Auch spielerisch bindet der Sänger seine Fans immer wieder ein. Mal klatschen linke und rechte Seite gegeneinander um die Wette, mal dürfen Frauen und Männer getrennt singen. Wien beweist dabei durchaus Rhythmusgefühl – zumindest größtenteils. Nach Wir bleiben wir“ blickt Weiss kurz zurück. Seit mittlerweile zehn Jahren steht er auf den großen Bühnen. Anschließend stellt er seine komplette Band vor – vom Schlagzeug bis zum Bassisten – bevor einer der witzigsten und spektakulärsten Momente des Abends folgt.

„Chronik“-Ressortleiterin Sandra Pichler-Ramsauer (li.) begleitete das Meet & Greet. Für Lara ...
„Chronik“-Ressortleiterin Sandra Pichler-Ramsauer (li.) begleitete das Meet & Greet. Für Lara (15, Mi.) und ihre Familie wurde der Abend zum ganz besonderen Erlebnis.(Bild: Eva Manhart)
So oft es ging, lief Wincent durch die Menge.
So oft es ging, lief Wincent durch die Menge.(Bild: Eva Manhart)

Ein schöner „Freitag“ und Soziale Medien
Nach einer kurzen Trinkpause meint er gut gelaunt: „Schön, dass ihr diesen Freitagabend mit mir verbringt.“ Prompt kommt aus dem Publikum die Korrektur: „Es ist Donnerstag!“ Der Sänger lacht herzlich über seinen Versprecher und kontert schlagfertig: „Was? Heute ist Donnerstag? Kein Wochentag!“ Der lockere Moment schlägt jedoch schnell in einen der interessantesten des Abends um.

Weiss nutzt nämlich die Gelegenheit, um über ein Thema zu sprechen, das ihm sichtlich am Herzen liegt: den Druck durch soziale Medien. „Hier sind heute sowohl junge als auch ältere Menschen. Wir leben in einer Welt, die von Social Media gelenkt wird“, sagt er. An die jüngeren Fans richtet er eindringliche Worte: „Bitte lasst euch nicht unter Druck setzen, wie ihr aussehen müsst oder was andere von euch denken. Ihr braucht keine fremden Likes. Echte Menschen, echte Freunde und echte Musik – das ist wichtig.“ Auch gegen Hass im Internet findet er klare Worte: „Scheißt auf die Kommentare. Was die Menschen nicht wissen, können sie auch nicht ruinieren.“ Tosender Applaus begleitet seine kleine Ansprache, ehe er mit „Was die Menschen nicht wissen“ nahtlos den passenden Song anstimmt – ein starker und sehr berührender Moment. Viele eingefleischte Weiss-Fans wissen, dass hinter seinen Worten auch persönliche Erfahrungen stecken: In der Vergangenheit sprach der Sänger selbst offen über psychische Belastungen und den Druck, der mit seinem Erfolg einherging.

Nur wenige Minuten später prostet er mit Bierdose und einer aufgesetzten Spaßbrille seinem Publikum zu, verrät seine Vorliebe für Ottakringer und plaudert locker mit den Fans in den ersten Reihen. Sogar Hannes, der laut eigener Aussage von Frau und Tochter zum Konzert „mitgeschleppt“ wurde, bekommt einen eigenen Song gewidmet – eigentlich war der Song für Wincents besten Freund Marco geschrieben, an diesem Abend aber kurzerhand für alle Hannes im Publikum.

Mit seiner vielseitigen Setlist brachte er sowohl jung als auch alt zum Tanzen und singen.
Mit seiner vielseitigen Setlist brachte er sowohl jung als auch alt zum Tanzen und singen.(Bild: Eva Manhart)
„Waaas heute ist Donnerstag und nicht Freitag?“, scherzte Weiss.
„Waaas heute ist Donnerstag und nicht Freitag?“, scherzte Weiss.(Bild: Eva Manhart)

Ein bisschen Country, ein bisschen Rock und ganz viel Liebe
Mit „Kaum erwarten“, „Langsam“ und „An Wunder“ zeigt Weiss seine gefühlvolle Seite. Immer wieder verlässt er dabei die Hauptbühne, singt auf einer kleinen zweiten Bühne mitten zwischen den Fans oder erfüllt Selfie-Wünsche. Auch hier folgt ein wunderbarer Moment, als er eine Dame im Rollstuhl mit Blumen überrascht und sich für einige Minuten ganz bewusst Zeit nimmt. Musikalisch überrascht der Abend ebenfalls. „Deine Seite“ bekommt durch Gitarren und einen treibenden Beat beinahe Country- und Rock-Anleihen, während Flammenwerfer die ohnehin heiße Sommernacht zusätzlich aufheizen. Später tauchen rote Lichter, dichter Bühnennebel und Gitarrensoli die Open-Air-Bühne beinahe in eine düstere Rock-Atmosphäre, die stellenweise sogar an frühe Tokio-Hotel-Konzerte erinnert.

Mit Spring“ zieht schließlich echtes 80er-Jahre-Feeling ein. Zuerst hüpfen vereinzelt Fans mit, dann aber springt die gesamte Metastadt im Takt. Nur wenige Sekunden später erscheinen Wincent Weiss und seine Band in glitzernden Jacken für das nötige Disco-Feeling. Zu „So gut“ wird gemeinsam getanzt – vier Schritte nach links, vier nach rechts, danach waren es zehn Schritte jeweils rechts und links. Kinder, Eltern und selbst die hintersten Reihen machen begeistert mit. Zum Finale liefert Weiss noch einmal alles. Nach einem kurzen Kopfstand auf der Bühne – quel surprise - startet Weiss in den Endspurt. Mit „Musik sein“, „Uh“, „Wer wenn nicht wir“, „Feuerwerk“ und „Kurz für immer“ reiht sich Hit an Hit. Pyrofontänen schießen in den Himmel, Flammen züngeln erneut über die Bühne und 6000 Menschen singen jede einzelne Zeile mit.

Fazit: Am Donnerstagabend wurde in der Metastadt mitgesungen, mitgetanzt, mitgelacht und sogar mitgesprungen. Wincent Weiss bot trotz tropischer Temperaturen noch mehr Feuer, zeigte sich herzlich, humorvoll und so fannah wie kaum ein anderer deutscher Popstar. Damit machte er den Donnerstag für zwei Stunden tatsächlich zum Freitag – und schenkte seinem Publikum genau jene Sommererinnerungen, von denen er selbst auf der Bühne gesprochen hatte.

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