13.02.2019 09:11 |

„Dreht auch alles um“

Ex-Botschafterin: „Trump ist neugierig auf Kurz“

Helene von Damm, die ehemalige US-Botschafterin in Österreich, rechnet mit einem guten Verlauf des Treffens von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit US-Präsident Donald Trump nächsten Mittwoch in Washington. „Ich glaube, Trump wird Kurz sehr gustieren“, sagte von Damm. Trump sei nämlich „curious“ (neugierig) auf den jungen und dynamischen Politiker, der so wie er „auch alles umdreht“.

Trump wolle nämlich „nicht nur mit Politikern sprechen, die schon alles erlebt haben“, erklärte die ehemalige Diplomatin gegenüber der APA. „Er scheint gerne Ideen zu hören von jungen Leuten, die unverbraucht sind“, verwies sie auf den Einfluss von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im Weißen Haus. Die gebürtige Österreicherin war von 1983 bis 1986 unter US-Präsident Ronald Reagan amerikanische Missionschefin in Wien. Für Reagan war sie zuvor als Spendensammlerin tätig gewesen, wobei sie auch Trump kennenlernte.

„Ich glaube, dass es gut gehen wird“
„Ich glaube, dass es gut gehen wird“, sagte von Damm mit Blick auf das erste Treffen von Trump mit Kurz. Dem Kanzler rät sie, gut vorbereitet ins Oval Office zu gehen. „Er soll sich eine Agenda machen, was ihm am Herzen liegt“, sagte die Ex-Botschafterin. Schließlich sei zu erwarten, dass auch die US-Seite ihre Anliegen äußern werde. Konkrete Vereinbarungen seien nicht zu erwarten. Bei solchen Treffen bleibe es meist bei „Anstößen“, die dann von zuständigen Stellen weiterverfolgt werden. Jedenfalls werde der Arbeitsbesuch des Kanzlers nüchtern verlaufen. 

Von Damm, die im Jahr 1984 maßgeblich am ersten Staatsbesuch eines österreichischen Bundespräsidenten, Rudolf Kirchschläger, in den USA beteiligt gewesen war, hob die wichtige Rolle der jeweiligen Botschafter für das Zustandekommen von Visiten im Weißen Haus hervor. Der österreichische Botschafter in Washington und der US-Botschafter in Wien seien „die treibende Kraft“ hinter solchen Visiten. Konkret nannte sie Österreichs Missionschef, Ex-Staatssekretär Wolfgang Waldner. „Waldner hat es gut gemacht. Hut ab, in so kurzer Zeit“, sagte sie mit Blick darauf, dass Kanzler Kurz erst gut ein Jahr im Amt sei.

„Wenn du ein kleines Land bist, musst du auffallen“
Wenn Trump und Kurz einen „guten Draht“ finden, könnte sich dies auch in Zukunft bezahlt machen, sagte die pensionierte Diplomatin. So könnte es sein, dass sich Trump etwa bei einer kritischen Situation mit den EU-Staaten an Kurz „erinnert und sagt: ,Reden wir mit ihm.‘“. Auf die Frage, ob Trump versuchen könnte, den Kanzler zur Schwächung der EU-Staaten zu instrumentalisieren, sagte von Damm: „Das glaube ich nicht.“

Von Damm wies darauf hin, dass es Österreich heute schwerer fällt, die Aufmerksamkeit Washingtons zu bekommen. „Im Kalten Krieg war Österreich wichtig“, verwies sie auf die strategische Lage des neutralen Staates zwischen dem Westen und dem kommunistischen Ostblock. Zudem habe sich etwa Bundeskanzler Bruno Kreisky (1970-1983) im Nahostkonflikt engagiert und sei „eine wirklich interessante Persönlichkeit“ gewesen. „Wenn du ein kleines Land bist, dann musst du auffallen“, erläuterte die in Wien lebende Ex-Botschafterin.

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