Chance lebt, aber:

0:3 gegen Brasilien! Nun droht Schotten das WM-Aus

Großer Jubel bei Brasilien, großer Frust bei Schottland – am finalen Spieltag von Gruppe C hat sich die „Seleção“ bei der 23. WM der Fußball-Geschichte gegen die „Bravehearts“ klar mit 3:0 durchgesetzt! Die Schotten verpassten damit im Hard-Rock-Stadium von Miami nicht nur den allerersten Sieg überhaupt gegen den fünffachen Weltmeister, als Gruppen-Dritter hinter Brasilien sowie Marokko und mit gerade einmal drei Punkten am Konto stehen sie nun auch vor dem vorzeitigen WM-Aus ...

Denn auch wenn man Stand jetzt, nach dem Abschluss der ersten WM-Phase in den Pools A, B und C in der Tabelle der Gruppen-Dritten, als Dritter noch komfortabel auf Kurs in Richtung Sechzehntelfinale scheint, statistisch gesehen ist gerade auch wegen des klar negativen Torverhältnisses die Chance aufs Weiterkommen nicht sonderlich groß, sie liegt bei etwa 2 bis 5 Prozent …

Die siegreichen Brasilianer
Die siegreichen Brasilianer(Bild: EPA/CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH)

Schwül-heißes Wetter bei 29 Grad Celsius
Nicht bei 2 bis 5 Prozent, sondern deutlich höher war in Miami und Umgebung in den Stunden vor dem Anpfiff durch den mexikanischen Schiri César Arturo Ramos die Gefahr von Unwettern und damit die Gefahr von Unterbrechungen der Partie eingeschätzt worden. Glücklicherweise zeigte sich das Wetter in Florida dann allerdings doch von seiner besseren, wenngleich mit rund 30 Grad Celsius und 71 Prozent Luftfeuchtigkeit sehr schwül-heißen Seite.

Das Team der Brasilianer
Das Team der Brasilianer(Bild: AP/Lynne Sladky)
Das Team der Schotten
Das Team der Schotten(Bild: AFP/MEGAN BRIGGS)

Schotten patzen böse beim Herausspielen
Angefeuert von ihrer „Tartan Army“, also den zahlreich auf den Rängen versammelten Schottland-Fans, begann die Außenseiter-Mannschaft mutig und mit viel Ball-Zirkulation in den eigenen Reihen – also eher so, wie man es von den Brasilianern erwartet hätte. Lange blieb es allerdings nicht dabei und es half auch nichts – denn bereits in der 7. Minute brachte Vinícius Júnior (wer sonst?) den Favoriten nach einem Mega-Patzer der Schotten in Führung: Verteidiger Scott McKenna schob im eigenen Strafraum ein kleines Nickerchen ein, verlor den Ball so an den sachte anpressenden Rayan und den folgenden Pass zur Mitte verwertete der Real-Madrid-Star zum 1:0 für die im 4-2-3-1 spielende Elf des legendären Trainers Carlo Ancelotti.

Die Fans von Schottland
Die Fans von Schottland(Bild: AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA)

Rund eine Viertelstunde später schien die frühe Vorentscheidung zugunsten der „Seleção“ gefallen, Vinícius Júnior seiner bisher schon sehr torreichen Vita einen weiteren Treffer hinzugefügt zu haben (22.). Blöd aus brasilianischer Sicht: Gegenüber Innenverteidiger Jack Hendry hatte der Brasilien-Superstar beim dem Treffer vorangegangen Ballgewinn ein Foul begangen – meinte zumindest Schiri Ramos nach VAR-Intervention. Doch kein Tor, doch kein 2:0 – dabei hatte nicht einmal der „gefoulte“ Hendry auch nur ansatzweise protestiert. Aber es blieb bei der Entscheidung.

Schotten-Defensive kommt langsam in Fahrt
Nach der kurz darauf eingewobenen Trinkpause stabilisierte sich das Spiel der von ihrem Teammanager Steve Clarke in einem 4-3-3 aufgestellten Schotten einigermaßen. Vor allem seinen Verteidigern dürfte der Trainer ins Gewissen geredet haben, beim Herausspielen ein bisschen mehr Sorgfalt walten zu lassen – durchaus mit Erfolg, die Zeit der brasilianischen Chancen war fürs Erste vorbei. Freilich: Die Zeit der schottischen Groß- oder zumindest Halbchancen brach erst gar nicht an, bis zur Halbzeitpause sollten die „Bravehearts“ auf einen Expected-Goals-Wert von gerade einmal 0,15 kommen – gegenüber 2,79 bei der „Seleção“. Mehr als eine Zimmermanns-Hand voll Ecken gab’s offensiv nicht zu notieren.

Vinícius Júnior
Vinícius Júnior(Bild: AFP/EVARISTO SA)

Dass es nicht mit einem Tor Unterschied in die Halbzeit ging, war dann in der Folge Vinícius Júnior (wem sonst?) zu verdanken – und dann doch auch wieder dem schottischen Defensiv-Verbund. Denn wie bereits vor der Trinkpause einige Male verloren die Schotten den Ball am eigenen Strafraum, Brasilien setzte sich fest und Bruno Guimarães flankte hoch und weit auf den am zweiten Pfosten einlaufenden Real-Madrid-Star, der einköpfelte. Unter „Mithilfe“ von Goalie Gunn, der sich bei der Flugbahn verschätzt hatte (45.+3). Immerhin: Das 0:3 blieb Schottland wenig später (45.+7) erspart, da der beim zweiten Treffer noch suboptimal agierende Gunn im Eins-gegen-Eins gegen Rayan siegreich blieb.

Erste Chance in Hälfte 2 gehört den Schotten
Wie bereits in Durchgang 1 starteten die Schotten mit mehr Elan und Ballbesitz, diesmal aber auch mit einer Chance, nicht einmal mit einer grundsätzlich schlechten: Nach einer Flanke des gerade eingewechselten Kieran Tierney kam Scott McTominay zum Kopfball – der allerdings zu zentral und damit zur leichten Beute von Brasilien-Goalie Allisson geriet (49.). Kurz darauf hätte Vinícius Júnior auf 3:0 stellen und alles klar machen können, doch wie bei der Rayan-Chance kurz vor der Pause war Goalie Gunn im Eins-gegen-Eins nicht zu bezwingen (52.).

(Bild: AFP/MICHAEL REAVES)

Sehr wohl bezwungen wurde Schottlands Tormann dann zur Stundenmarke – nicht von einem gewissen Real-Madrid-Mann, sondern von einem ManUnited-Ass. Nach Zusammenspiel von Casemiro, Lucas Paquetá und Bruno Guimarães (erst robust im Zweikampf, dann genial beim Passen!) kam Matheus Cunha im Strafraum zum Abschluss – und traf.

Brasilien locker, Schotten geben nicht auf
Die Schotten zeigten im Anschluss daran, dass sie nicht umsonst „Bravehearts“ genannt werden, ließen sie sich doch von dem Zwischenstand nicht entmutigen, probierten sie auch weiterhin in der Offensive auf ihre Rechnung zu kommen. Tatsächlich zwangen schon kurz nach dem dritten Brasilien-Treffer erst Lewis Ferguson mit einem Freistoß (64.) sowie McTominay Keeper Allisson zu Paraden (65.).

Neymar
Neymar(Bild: AP/Marta Lavandier)

Danach flaute das eigentliche Match zwar ein wenig ab, dafür baute sich auf den Rängen und rund um die Brasilien-Betreuerbank von Minute zu Minute mehr Spannung auf: wegen (Ex-?)Superstar Neymar. Denn bereits vor der Partie hatte Coach Ancelotti erklärt, dass der frühere Barcelona- und PSG-Held fit genug sein würde, auf einen Einsatz hoffen dürfte. Unter lauten „Neymar, Neymar“-Rufen zog sich der inzwischen 34-Jährige denn auch um, besprach er mit dem Trainerteam seine Aufgaben auf dem Rasen – und in Minute 76 war es dann so weit. Über zwei Jahre und acht Monate nach seinem bisher letzten Länderspiel für die „Seleção“ feierte Neymar sein Comeback.

Letztlich sollte es ein Comeback mit einem vollen Erfolg werden, denn am Sieg Brasiliens gab es für Schottland nichts mehr zu rütteln – eher hätten sogar noch Vinícius Júnior (79./Gunn rettete) und Neymar (90./Distanzschuss zu zentral auf Gunn) nachlegen können. Es blieb für den fünffachen Weltmeister aber beim 3:0-Sieg, der Platz 1 in Gruppe C mit sich brachte und den ewigen Traum von der „Hexa“ dem sechsten Weltmeister-Titel, dem ersten seit 2002 am Leben erhielt …

Das Ergebnis:
Schottland – Brasilien 0:3 (0:2)
Miami, Hard Rock Stadium, 64.478 Zuschauer, Schiedsrichter César Arturo Ramos (MEX)

Tore: 0:1 (7.) Vinicius Jr., 0:2 (45.+3) Vinicius Jr., 0:3 (60.) Matheus Cunha

Gelbe Karten: Christie bzw. Danilo, Fabinho

Schottland: Gunn – Patterson (82. Ralston), Hendry, McKenna, Robertson (46. Tierney) – Ferguson, McLean – Gannon-Doak (82. Christie), McTominay, McGinn (91. Curtis) – Shankland (91. Adams)
Brasilien: Alisson – Danilo, Marquinhos, Gabriel, Douglas Santos (82. Alex Sandro) – Bruno Guimaraes, Casemiro (66. Fabinho), Lucas Paqueta (66. Gabriel Martinelli) – Rayan (82. Endrick), Matheus Cunha (76. Neymar Jr.), Vinicius Junior

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