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Bosnien mit 3:1 gegen Katar im WM-1/16-Finale

Für jubel-geschwängerte Auto-Korsos durch Sarajevo ist es zwar direkt nach Match-Ende zu früh gewesen, aber mit etwas „Verspätung“ hat Bosnien-Herzegowina den Einzug ins Sechzehntelfinale der 23. WM der Fußball-Geschichte geschafft! Dank des 3:1-Sieges von Edin Džeko und Co. kam man in Gruppe B final auf vier Punkte, die zwar „nur“ zu Platz 3 hinter der Schweiz und Kanada reichten, später am Abend durch das 0:3 Schottlands gegen Brasilien in Gruppe C aber den Aufstieg bedeuten sollten …

„12 Uhr mittags“ – als Duell auf Leben und Tod wie in Fred Zinnemanns legendärem Western mit Gary Cooper in der Rolle des Helden war Bosnien und Herzegowina gegen Katar im Vorfeld zwar auch nicht gerade eingestuft worden, hitzige Brisanz, Dramatik und hohe Spannung versprach die um 12 Uhr mittags bei 26 Grad Celsius von Schiedsrichter Jesús Valenzuela angepfiffene Partie in Seattle allemal.

Zeitweise ist es ein bisschen eine Hängepartie gewesen, am Ende hat sich Bosnien und Herzegowina ...
Zeitweise ist es ein bisschen eine Hängepartie gewesen, am Ende hat sich Bosnien und Herzegowina aber gegen Katar mit 3:1 durchgesetzt – und die Tür zum Sechzehntelfinale ein Stück weit aufgestoßen …(Bild: EPA/STEPHAN BRASHEAR)

Wer am Ende in der Rolle des siegreichen Helden strahlen würde, war zwar anfangs natürlich nicht klar, aber die Bosnier ließen schnell einmal keinen Zweifel daran, dass sie bis in die Haarspitzen dafür brannten. Ermedin Demirović (2. Minute) und Ivan Šunjić (3.) hatten früh die Führung für die „Drachen“ auf dem Fuß, doch Katar-Keeper Mahmud Abunada konnte zweimal abwehren – wenngleich er dabei nicht unbedingt eine sehr sichere Figur machte.

Das Team von Bosnien und Herzegowina
Das Team von Bosnien und Herzegowina(Bild: AFP/RICHARD HEATHCOTE)
Das Team von Katar
Das Team von Katar(Bild: AP/Lindsey Wasson)

Alajbegović lässt Bosnien über die Führung jubeln
Erst mit Verspätung fanden die von ihrem Teamchef Julen Lopetegui in einem formal offensiv scheinenden 4-3-3 aufgestellten Katarer in die Partie, in Sachen eigener Tor-Chancen stand bei ihnen aber vorerst die Null bombenfest. Die wenigen zarten Ansätze von Kontern – ein Steilpass von Akram Afif geriet zu weit (6.), Sturms Arjan Malić fing Hassan al-Haydos ab (10.), Šunjić klärte vor Afif (13.) – waren kaum der Rede wert. Die Führung der von Trainer Sergej Barbarez in einem klassischen 4-4-2 aufs Feld geschickten Bosnier schien trotz zwischenzeitlich nachgelassenem Druck nur eine Frage der Zeit zu sein – und kurz nach der „Hydration Break“ war es dann auch so weit ...

(Bild: AFP/STU FORSTER)

Erst war es Kerim Alajbegović, der nach einem Vertikal-Pass von Ivan Bašić parallel zur Strafraumgrenze nach rechts dribbelte, aus rund 19 Metern abzog und den nicht sonderlich glücklich aussehenden Keeper Abunada zur bosnischen 1:0-Führung bezwang (29.). Wenig später war es dann Sultan al-Brake, der einen Schuss von Altstar Edin Džeko zum 2:0 für Bosnien ins eigene Gehäuse ablenkte (35.). Dazwischen und danach hatten zudem Bašić (33.) und Džeko (38./Stange!) Top-Chancen, die Anzeigetafel mit noch mehr bosnischen Treffern aufzufetten.

Katarer treffen und Bosnien verliert komplett den Faden
Doch plötzlich stand es statt 3:0 nur mehr 2:1 für Bosnien, denn wie bereits beim Spiel gegen Kanada verloren die Balkan-Kicker in Führung liegend etwas Konzentration sowie positive Anspannung: Nach einem Eckball klärten Sead Kolašinac und Co. zu nachlässig, sodass Edmílson Junior vom zweiten Pfosten her wieder ins Zentrum passen konnte, wo al-Haydos am schnellsten reagierte und aus kurzer Distanz einschob (42.). Die Bosnier schienen nun geschockt, verloren völlig den Faden – und hätten sich durch Ró-Ró beinahe den Ausgleich eingefangen. Allein: Der linke Tor-Pfosten hatte etwas dagegen …

Pause tut Mannschaft von Sergej Barbarez gut
Die Halbzeit-Unterbrechung tat den Bosniern in der Folge gut, Coach Barbarez wusste offensichtlich an den richtigen Stellschrauben zu drehen - und die in den Minuten vor dem Pausenpfiff verlorengegangene Kontrolle über die Partie konnte zurückerobert werden. Auch dank zweier Wechsel gleich zum Wiederbeginn, waren doch Amar Memić und Benjamin Tahirović für Malić und Šunjić gekommen.

(Bild: AFP/DEAN MOUHTAROPOULOS)

Die erste Chance in Durchgang 2 gehörte denn auch den „Drachen“, doch nach einem hohen Zuspiel von Stjepan Radeljić und Weiterleitung durch Demirović kam Džeko einen Tick zu spät (51.). Aber Achtung: Auch Katar war weiter am Leben, für einmal kam Afif durch und links im Strafraum zum Abschluss – der Herz-Gesundheit von Barbarez zum Vorteil gereichend ging der Schuss allerdings nur ins Außennetz (53.).

Danach fanden dem Endspiel-Charakter entsprechend immer mehr Nervosität und Hektik Eingang in die Partie, immer wieder wurden potenziell Gefahr versprechende Offensiv-Aktionen initiiert – aber mehr als Halb- oder Viertelchancen wussten in der Folge weder die Bosnier noch die Katarer herauszuspielen. Dennoch: Die Möglichkeit, dass irgendwann einmal ein Pass durchrutscht und auf einmal ein Tor fällt, hing stets in der Luft.

(Bild: AFP/DEAN MOUHTAROPOULOS)

Gebürtiger Welser Ermin Mahmić kommt, sieht und trifft
In Minute 64 tat Bosnien-Trainer Barbarez dann den entscheidenden Schritt in Richtung Sieg – denn er wechselte den gebürtigen Welser Ermin Mahmić ein. Eben jenen Ermin Mahmić, der als Einwechselspieler bereits im Duell mit der Schweiz kurz vor dem Ende noch getroffen hatte – und auch gegen Katar den letzten Torschützen des Spiels markieren sollte. Knapp eine Viertelstunde später hatten sich die Bosnier im gegnerischen Strafraum festgesetzt und aus dem ganzen Getümmel heraus stocherte Dennis Hadžikadunić den Ball an den Elfmeterpunkt, von wo aus Mahmić leicht abgefälscht zum 3:1 einschoss (80.).

Mit diesem Treffer war den Katarern der Stecker gezogen, ein echtes Aufbäumen wie kurz vor der Pause gab es nicht mehr, der Zwei-Tore-Abstand ließ jegliche Hoffnungen auf ihr Weiterkommen ersterben. Bei den Bosniern erfüllten sich diese Hoffnungen freilich – wenn auch noch nicht unmittelbar nach dem Abpfiff der eigenen Partie, sondern erst nach den Spielen der Gruppe C. Denn weil Schottland gegen Brasilien verlor und bei drei Punkten blieb, sind die Balkan-Kicker nicht mehr aus der Riege der besten acht Gruppen-Dritten zu verdrängen …

Das Ergebnis:
Bosnien und Herzegowina – Katar 3:1 (2:1)
Seattle, Lumen Field, 66.925 Zuschauer, Schiedsrichter Jesús Valenzuela (VEN)

Tore: 1:0 (29.) Alajbegovic, 2:0 (34.) Abunada (Eigentor), 2:1 (42.) Alhaydos, 3:1 (80.) Mahmic

Gelbe Karten: Mahmic bzw. Fathy

Bosnien-Herzegowina: Vasilj – Malic (46. Memic), Katic (63. Hadzikadunic), Radeljic, Kolasinac – Bajraktarevic, Basic, Sunjic (46. Tahirovic), Alajbegovic (82. Burnic) – Demirovic, Dzeko (63. Mahmic)
Katar: Abunada – Pedro Miguel, Khoukhi, Laye, Albrake – Gaber (46. Hatem), Fathy (79. Manai), Boudiaf (72. Ali), Edmilson Junior (79. Alaaeldin) – Afif, Alhaydos (55. Alganehi)

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