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Quallen - was nun?

Reisen & Urlaub
19.05.2004 14:36
Jedes Jahr setzen sich etwa 900.000 Österreicher während ihres Badeurlaubes den Kontakten mit Nesseltieren aus und viele von ihnen erleben die Folgen buchstäblich auf der eigenen Haut. Zumeist beschränkt sich die Hautläsion auf brennende, oft streifenförmige so genannte urtikarielle Eruptionen, die innerhalb einiger Tage verschwinden.
Nicht immer ist es eine ganze, lebende Qualle,die Verletzungen auslöst. Es genügen auch Teile vonQuallen, die durch Schiffschrauben zerrissen wurden, und derenTentakel unsichtbar im Wasser treiben. Auch an den Strand gespülteQuallen und deren Fragmente können Hautläsionen hervorrufen.Taucher können am Riff durch den Kontakt mit Feuerkorallenund Seeanemonen schwere, ja mitunter lebensbedrohliche Verletzungenerleiden.
 
Eigentlich sind die Waffen der Quallen zur Beutejagdgedacht, wobei Planktonorganismen und kleine Fische augenblicklichgelähmt werden, um so den langsam fortbeweglichen oder ortsfestenRäubern nicht entgehen zu können. Andererseits sinddie Nesseln auch hoch wirksame Verteidigungswaffen gegen echteund vermeintliche Fressfeinde.
 
So verletzt dich die Qualle
Die eigentliche Waffe, die Nesselkapsel oder Nematozysteist eine subzelluläre Organelle der Nesselzellen. Letzterebefinden sich in den Tentakeln der Nesseltiere. Die Nesselzellehat fadenförmige Ausstülpungen, das Cnidocil. Berührtnun das Cnidocil die Haut, so baut sich im Inneren der darunterliegenden Nematozyste ein enormer Druck (200 Atmosphären!)auf und der Inhalt der Nematozyste wird mit einer Beschleunigungvon 40.000 g explosionsartig handschuhförmig ausgestülpt.Zuerst eine pfeilspitzenähnliche Struktur, die in die Hauteindringt und dann ein Faden von mehreren Millimetern Länge,der das Gift injiziert.
 
Die Quallengifte
Eines der Gifte ist ein Polypeptid mit 27-49 Aminosäurendas durch 2-3 intramolekulare Disulfidbrücken stabilisiertwird. Seine Giftwirkung ist Curare-ähnlich und führtzu einer Lähmung durch Dauerdepolarisation der Synapsen.Weitere Gifte sind höhermolekulare Peptide, deren Strukturnoch unaufgeklärt ist und die zytolytische (Hautnekrosen)und kardiotoxische Effekte haben.
 
Besonders gefährlich sind die Toxine der Würfelqualle(Chironex fleckeri) und der portugiesischen Galeere (Physaliaphysalis), der jährlich eine Vielzahl von Menschen zum Opferfallen.
 
Der Kontakt des Menschen mit den Nesselorganender Qualle führt fast immer zu sofort auftretenden brennendeHautrötungen, die entsprechend der Fadenform der Tentakelneine lineare oder "strickleiterartige" Anordnung aufweisen .
 
Tückisch: Nesselgift erst beim Duschen
Bei Verletzungen durch sehr kleine Quallen bzw. derenLarvenstadien (Seeläuse der Spezies Linuche unguicularisin Florida und Edwartsiella lineata in New Jersey) allerdingsist das Exanthem eher makulös und häufig auf der vomBadeanzug bedeckten Haut. Diese Nesseltiere verfangen sich nämlichim Gewebe des Badetrikots und setzen ihr Toxin oft erst nach derSüßwasserdusche frei.
 
Wenn es brennt, nicht duschen!
Überhaupt ist der Kontakt der Nesselorgane mitSüßwasser ein starker Auslöser für die Giftinjektion.Es ist daher wohl verständlich, wenn sich die Quallenopferunter die Dusche stellen, doch erweist sich diese Maßnahmevielfach als kontraproduktiv, weil Symptom verstärkend. Besserist es, die betroffenen Hautareale mit trockenem Sand sorgfältigabzureiben und erst dann unter die Dusche zu gehen.
 
Gelegentlich entstehen jedoch auch tiefergehendeHautläsionen die unter Narbenbildung und Pigmentverschiebungenabheilen und durch lokale Atrophie des subkutanen Fettpolstersbleibende Entstellungen hinterlassen. Lebensbedrohliche Folgenkönnen Kontakte mit bestimmten Quallenarten z.B. der Würfelqualleoder der portugiesischen Galeere haben.
 
"Nemo" ist gut geschützt...
Dem israelischen Forscher Amit Lothan, der seit gut30 Jahren als Meeresbiologe tätig ist, ist es gelungen, jeneSubstanzen von der Haut des Clownfisches, der sich inmitten vonSeeanemonen unbehelligt herumtreibt, zu isolieren, charakterisierenund synthetisieren. Dabei wirken zumindest vier verschiedene Substanzenauf die Giftfreisetzungskaskade durch die Nesselzelle:
 
...und du auch!
- Eine silikonähnliche Substanz unterbindetdie Kontaktnahme mit der Haut
- Butylenglycol interferiert mit dem Auslösemechanismus
- Glycosaminglycan hemmt die Signaltransduktion in die Nematozysten
- Kationenkanalblocker verringern den Influx von Wasser indie Nematozysten und damit den Durckanstieg in diesen Organellen.
 
Dieses, als "plancton blocking technology (PBT)"bezeichnetes Management, reduziert die Zahl der auf der Haut explodierendenNematozysten soweit, dass Hautveränderungen nach Quallen-,Seeanemonen- und Feuerkorallenkontakt unterbleiben.
 
Safe Sea muss sorgfältig und insbesondereauch auf die Haut, die vom Badetrikot bedeckt ist, aufgetragenwerden (siehe oben). Ein Mischen mit einem Sonnenschutzmittelist schlecht wegen mutueller Verdünnungseffekte, die dazuführen könnten, dass weder ein sicherer Quallenschutznoch der erwünschte Sonneschutz erreicht würde. Es istauch überflüssig, weil ohnehin fixe Kombinationen vonPBT und Sonnenschutz (Faktor 15 und Faktor 30) erhältlichsind.
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