Mo, 18. Juni 2018

Vor Besuch in Israel

08.06.2018 13:49

Botschafterin gibt Kurz einen Schnellsprachkurs

Bundeskanzler Sebastian Kurz reist am Sonntag nach Israel, um im Rahmen einer dreitägigen Visite neben anderen Programmpunkten Premierminister Benjamin Netanyahu und Präsident Reuven Rivlin zu Arbeitsgesprächen zu treffen. Die an sich sehr guten Beziehungen zwischen den beiden Staaten sollen intensiviert werden, nachdem zuletzt durch Israels Boykott gegenüber FPÖ-Ministern ein Schatten auf das bilaterale Verhältnis gefallen ist. Begleitet wird Kurz, der auch eine Rede vor dem Weltforum des American Jewish Committees (AJC) halten wird, von seinem ÖVP-Parteikollegen und Bildungsminister Heinz Faßmann. Bereits vor der Reise hat Israels Botschafterin Talya Lador-Fresher Kurz einen Schnellsprachkurs in Hebräisch gegeben (siehe Video oben).

Kurz hatte als Außenminister Israel bereits vor zwei Jahren besucht. Damals hob er die „exzellenten bilateralen Beziehungen“ hervor. Durch den Regierungseintritt der FPÖ sind diese aber einer Belastungsprobe ausgesetzt. Israel hat zwar auf eine Abberufung seiner Botschafterin verzichtet, verkündete aber, keinen Kontakt zu FPÖ-Ministern zu haben. Mit den von FPÖ-Politikern geführten Ministerien gebe es „nur berufliche Kontakte“ auf Beamtenebene, sagte Lador-Fresher, die Kurz vor seiner Reise einen Schnellkurs in Hebräisch gab. Vom Boykott betroffen ist auch die von der FPÖ nominierte parteifreie Außenministerin Karin Kneissl.

Kurz: „Proisraelischste Regierung, die Österreich je hatte“
Beobachter der österreichisch-israelischen Beziehungen sind der Ansicht, Netanyahu selbst sei kein Verfechter des FPÖ-Boykotts. Kurz, der Netanyahu zuletzt im Februar am Rande der Sicherheitskonferenz in München getroffen hatte, meinte, er respektiere diese Entscheidung der Israelis und nannte gleichzeitig Türkis-Blau die "eindeutig proisraelischste Regierung, die Österreich jemals hatte. Im deren Programm steht, dass die Sicherheitsinteressen Israels auch für Österreich besondere Bedeutung haben und dass Österreich Israel als jüdischen Staat anerkennt. Darüber hinaus wurde das Staatsbürgerschaftsgesetz auf Angehörige von Holocaust-Überlebenden ausgeweitet.

Die Israel-Reise steht laut Bundeskanzleramt auch im Zeichen des Gedenkjahrs 1938/2018 und der Betonung der historischen Verantwortung Österreichs. „Österreich ist der Sicherheit Israels und seiner Bürger verpflichtet“, so Kurz. Ein Treffen mit Holocaust-Überlebenden ist geplant. Die österreichische Politik werde diesbezüglich genau beobachtet, sagte Martin Weiss, der österreichische Botschafter in Tel Aviv.

Rede vor dem American Jewish Committee
In Jerusalem will Kurz auch vor dem Weltforum des AJC sprechen. Kurz holt damit einen Auftritt nach, den er im Vorjahr wegen einer Reise als OSZE-Vorsitzender kurzfristig hatte absagen müssen. Auf dem Programm stehen außerdem ein Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und des Theodor-Herzl-Museums zu Ehren des Begründers des politischen Zionismus. Am Grab des ehemaligen Präsidenten Shimon Peres wird zudem ein Kranz niedergelegt. Auch die Besichtigung der Max Rayne Hand in Hand School der Jerusalem Foundation ist geplant.

Kurz wird von Bildungsminister Faßmann nach Israel begleitet, der sich um eine Intensivierung der Beziehungen vor allem in den Bereichen Jugendaustausch, Bildung und Wissenschaft kümmern soll.

 krone.at
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