Di, 23. Oktober 2018

Sie hupen Geheimcodes

13.04.2018 12:52

Satire-App gesperrt: Fans gehen in den Untergrund

Was bei uns durch die Rede- und Meinungsfreiheit geschützt ist, kann in anderen Ländern ganz schnell der Zensur zum Opfer fallen: Satire. In China haben die Behörden beispielsweise diese Woche eine populäre Satire-App für das Smartphone gesperrt - offiziell wegen „vulgärer Inhalte“. Die Fans von „Neihan Duanzi“ gingen aus dem streng überwachten Internet in den Offline-Untergrund und solidarisieren sich nun über Geheimcodes.

Hupen, Pause und noch zweimal Hupen: Wer dieser Tage auf Chinas Straßen unterwegs ist, könnte sich über die vielen Hupkonzerte wundern, die im Reich der Mitte ertönen. Sie sind der subtile Protest jener, die in der App „Neihan Duanzi“ lustige Sprüche, Videos und Bilder angesehen haben, bis die Regierung Anfang der Woche bei einer Aktion scharf gegen ihrer Meinung nach anrüchige Apps und Social-Media-Angebote vorging. Seither schweigt „Neihan Duanzi“.

Mehrere Angebote fielen Zensur zum Opfer
Neben dem Satireportal hat es noch andere Angebote erwischt - etwa die Nachrichten-App „Jinri Toutiao“ eines Pekinger IT-Unternehmens. Geschäftsführer Zhang Yiming entschuldigte sich sogleich für die „Veröffentlichung eines Produktes, das mit unseren sozialistischen Kernwerten kollidiert“. Er hofft, seine Entschuldigung wird akzeptiert und möchte Ende des Monats wieder mit „Jinri Toutiao“ online sein.

Bei „Neihan Duanzi“ gibt es wenig Hoffnung auf Rückkehr. Die Macher des Angebots haben auf ihrer Website angegeben, ihr Satireportal bleibe für immer geschlossen. Den Fans bleibt nur der subtile Protest mit ihren Hupkonzerten. Allerdings ist auch das riskant: Ein hupender Busfahrer wurde bereits von der Polizei verhaftet und verhört. In immer mehr chinesischen Städten werden Straßenschilder aufgestellt, die unter Androhung einer 100 Yuan (13 Euro) teuren Strafe unangemessenes Hupen verbieten.

Subtiler Protest in Chinas Städten
Den Protest gegen die Zensur der beliebten Satireplattform - viele Chinesen waren seit Jahren Fans, manche weinten angesichts der Schließung - hat das bislang nicht zum Verstummen gebracht. Nebst Hupkonzerten treffen sich die Fans von „Neihan Duanzi“ laut „New York Times“ auch zu Gesängen, manche haben ihre Autos in Form chinesischer Schriftzeichen aufgestellt und Drohnenfotos gemacht.

Tatsächlich dürfte das die sicherere Form des Protests sein: Chinas Regierung setzt im Web auf radikale Zensur und lückenlose Überwachung. Derzeit wird sogar die Einführung eines Systems erprobt, das die Online-Aktivitäten der Bürger auswertet und daraus ein Rating errechnet. Wer ein schlechtes Rating hat, wird von gewissen Angeboten ausgeschlossen, darf womöglich kein Auto anmelden oder nicht Zug fahren. Da ist der subtile Protest in der Offline-Welt womöglich sicherer als eine Meinungsäußerung im Web.

 krone.at
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