Do, 21. Juni 2018

Zuckerkrankheit

14.03.2018 06:00

„Süße“ Teenager oft unterversorgt!

3.500 Kinder und Jugendliche in Österreich leiden an Typ-1-Diabetes. Werden diese zu jungen Erwachsenen, muss auch eine Umstellung der medizinischen Versorgung stattfinden. Nicht immer gelingt ein reibungsloser Übergang.

Jeder hat mit dem Wechsel vom Kind zum Erwachsenen zu kämpfen – Diabetiker allerdings noch mehr. Manche fallen dann einige Jahre völlig aus der Versorgung. Sie gehen erst wieder zum Arzt, wenn massive Probleme wie Blutzuckerentgleisungen oder erste chronische Komplikationen auftreten. „Über 80 Prozent der kleinen Patienten werden in spezialisierten pädiatrischen Zentren betreut. Nach der Übergabe zur Erwachsenenmedizin, der so genannten Transition, sind es nur noch 40 Prozent. Ein hoher Prozentsatz erhält dann gar keine Betreuung durch Diabetesexperten und von bis zu zehn  Prozent ist gar nicht bekannt, ob und wo sie weiter behandelt werden“, so Assoz. Prof. OÄ Dr. Sabine Hofer, Kinderärztin an der MedUni Innsbruck und Vorstandsmitglied der österreichischen Diabetesgesellschaft ÖDG.

Warum ist der Übergang so schwer? Pädiater sind auf die Wachstums- und Entwicklungsphase fokussiert und kennen die Bedürfnisse junger Menschen genau. Diese sind in der Regel erlebnisorientiert, das bedeutet, dass sie von den Fachleuten, die sie betreuen auch Verständnis für ihre jugendliche Lebensrealität erwarten. Diese beinhaltet das Grundbedürfnis nach neuen Erfahrungen und dem Austesten von Grenzen inklusive dem Lernen aus Fehlern. Die Betreuung erwachsener Diabetespatienten ist im Unterschied dazu aber ergebnisorientiert: Habe ich meine Zielwerte erreicht? Wie ist mein Gefäßzustand? Das zielt darauf ab, den Gesundheitszustand im Auge zu behalten, um Folgeerkrankungen zu vermeiden, wird aber gerade von jungen Menschen viel zu oft als Prüfungssituation mit Überwachungscharakter erlebt. Viele fühlen sich dann nicht verstanden und beklagen, dass ihre Bedürfnisse nicht gehört werden. Dann fallen sie aus einer kontinuierlichen Betreuung heraus.

Den Übergang von der Erlebnis- zur Ergebnisorientierung bei Jugendlichen strukturiert zu begleiten, ist von zentraler Bedeutung, um Betreuungslücken zu vermeiden. Darauf bereitet zunächst der Pädiater vor. In dieser Phase wird konkret angesprochen, in welcher Einrichtung die weitere Betreuung stattfinden wird, was die jungen PatientInnen dort erwartet. Eigenverantwortung zu übernehmen, lautet das Motto. Danach bringen sogenannte Transitionssprechstunden Mediziner aus dem Zentrum für Kinder und dem für Erwachsene sowie die Betroffenen selbst zusammen, um gemeinsam die weitere Versorgung festzulegen. Dann können auch überlappende Termine angeboten werden, bei denen die Patienten zur Erwachseneneinrichtung gehen und danach Feedback an ihre Kinderärzte geben. Diese Doppelbetreuung sollte für einen gewissen Zeitraum aufrechterhalten werden. „Wir wissen, dass durch eine unstrukturierte Transition maximal 50 bis 55 Prozent weiter in einem spezialisierten Zentrum in Behandlung bleiben. Wird der Prozess strukturiert durchgeführt, sind es bis zu 80 Prozent“, erläutert Prof. Dr. Hofer.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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