Mo, 23. Juli 2018

Kollegen auf Distanz

20.01.2018 11:19

Missbrauchsvorwürfe: Ist das Woody Allens Ende?

Im Film "Manhattan" spielte Regisseur Woody Allen (82) 1979 den Lover einer 17-Jährigen. Die Story wurde Realität, als Allen 56-jährig eine Romanze mit der damals 21-jährigen Adoptivtochter seiner Partnerin Mia Farrow einging. Allen und die Koreanerin Soon-Yi heirateten und bekamen zwei Kinder. Der Bruch mit Farrow ging 1992 mit einem weiteren Skandal einher, der Allen jetzt einzuholen scheint.  Von der "Time's Up"- und #MeToo-Bewegung bestärkt hat Allens Adoptivtochter Dylan Farrow erneut Missbrauchsvorwürfe gegen den Regisseur erhoben. 

Allen habe sie als Siebenjährige im Elternhaus an ihren Geschlechtsteilen angefasst, sagte die jetzt 32 Jahre alte Frau am Donnerstag, erstmals in einem Fernseh-Interview, beim Sender CBS. Die Vorwürfe sind lange bekannt. Dylan hatte den angeblichen Missbrauch bereits 2014 in einem "New York Times"-Beitrag geschildert. Mia Farrow trug die Vorwürfe schon 1992 nach der Trennung von Allen in einem Sorgerechtsprozess vor.

"Sie hat Dylan versucht, vom Missbrauch zu überzeugen"
Die Polizei ermittelte damals, es kam aber nicht zu einer Anklage. Allen verlor allerdings das Sorgerecht für die drei gemeinsamen Kinder Dylan, Moses und Ronan. Die Vorwürfe von Belästigung hat er stets zurückgewiesen. Auch jetzt wehrte der Regisseur wieder entschieden ab. "Ich habe meine Tochter nie belästigt - wie all die Untersuchungen schon vor einem Vierteljahrhundert erwiesen haben", teilte Allen dem Sender CBS mit. Das Kind sei viel mehr von ihrer verärgerten Mutter dazu gebracht worden, diese Geschichte zu erzählen, legte Allen nahe.

So sieht es offenbar auch Dylans älterer Bruder Moses Farrow (39), der seinen Vater jetzt erneut in Schutz nahm. "So oft habe ich gesehen, wie meine Mutter versucht hat, sie (Dylan) von Missbrauch zu überzeugen - es ist ihr gelungen", schrieb Moses nach Dylans TV-Auftritt auf Twitter.

Sohn Ronan Farrow (30), der von Allen seit Jahren entfremdet ist, steht auf der Seite seiner Schwester und Mutter. Als Reporter hatte er im vorigen Herbst zahlreiche Frauen aufgespürt, die über Harvey Weinsteins sexuelle Übergriffe auspackten. Im Magazin "The New Yorker" zeichnete Farrow ein Bild von vielen Mitwissern im Umfeld des Produzenten, die sein Verhalten stillschweigend duldeten. Im Jahr zuvor hatte er US-Medien vorgeworfen, die Missbrauchsvorwürfe seiner Schwester gegen ihren Vater aus Angst vor Allens mächtiger PR-Rückendeckung klein zu halten.

"Das wird sein letzter Film sein"
Durch Filme wie "Der Stadtneurotiker" und "Blue Jasmine" zählt der vierfache Oscarpreisträger seit Jahrzehnten zu Amerikas Starregisseuren. Für seine fast jährlich erscheinenden Filme konnte Allen stets ein prominentes Ensemble gewinnen. Für "Wonder Wheel" holte er zuletzt Kate Winslet und Justin Timberlake vor die Kamera. Seinen nächsten Film "A Rainy Day in New York" dreht er unter anderem mit Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law und Timothée Chalamet.

"Das wird sein letzter Film sein", schrieb kürzlich der US-Filmkritiker David Ehrlich vom Branchenportal "Indiewire". Allens Karriere sei vorbei, so wie die anderer Männer nach den jüngsten Vorwürfen von Belästigung und Machtmissbrauch, spekulierte der Kritiker. Tatsächlich distanzieren sich immer mehr prominente Schauspieler von dem Regisseur.

Colin Firth will nicht mehr mit Allen arbeiten
Timothée Chalamet kündigte vorige Woche an, er werde seine Gage für "A Rainy Day in New York" abgeben. "Ich möchte nicht von meiner Arbeit an dem Film profitieren. Darum werde ich mein gesamtes Gehalt spenden", schrieb der Nachwuchsstar ("Call Me by Your Name") auf Instagram. Das Geld solle unter anderem an die Bewegung "Time's Up" gegen sexuelle Belästigung sowie an einen Homosexuellenverband gehen. Auch die Schauspieler Griffin Newman und Rebecca Hall wollen ihre Einnahmen aus dem Film spenden.

Colin Firth ("Magic in the Moonlight") teilte ebenfalls eine Abfuhr aus. Er würde nie mehr mit Allen arbeiten, sagte der britische Oscar-Preisträger der Zeitung "The Guardian". Auch die Schauspielerinnen Mira Sorvino ("Geliebte Aphrodite") und Greta Gerwig und Ellen Page, die mit Allen "To Rome with Love" drehten, machen gegen den Regisseur Front.

Baldwin: "Unfair und traurig"
Alec Baldwin ("Blue Jasmine") zählt zu den wenigen Kollegen, die Allen öffentlich in Schutz nehmen. Er findet es "unfair und traurig" dass Allen und seine Filme eine derartige Absage erhalten, schrieb der Schauspieler auf Twitter. Die Missbrauchs-Ermittlungen hätten damals zu keiner Anklage geführt. Es sei ein "Privileg" gewesen, drei Filme mit Allen zu drehen.

Allens Hauptdarstellerin in "Wonder Wheel", Kate Winslet, pries kürzlich sein Schreib- und Regietalent. Im Interview des Kinoportals Deadline.com schwärmte die Engländerin von Allens starken, mitreißenden und geistreichen Dialogen für ihre Figur. Die Story der vom Leben bitter enttäuschten Frau Ginny habe sie sehr betroffen gemacht, sagte Winslet.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.