Der erste und bisher auch einzige Patient des Zentrums ist Ben Alexander (Bild). Der 19-Jährige verbrachte bisher fast jede wache Minute damit, durch das Online-Rollenspiel "World of Warcraft" zu wandern - 16 oder 17 Stunden am Tag. Zu den Folgen seiner Spielsucht gehörte der Abbruch des Biologie-Studiums an der University of Iowa.
Zuerst unterzog er sich ohne Erfolg einer traditionellen Entziehungskur. Dann kam er zu ReSTART, wo die Behandlung zwar 14.000 Dollar (9.800 Euro) kostet, aber das erhoffte Ziel erreichte. "Ich glaube nicht, dass ich irgendwann zu World of Warcraft zurückkehren werde", sagt Alexander.
Die Behandlung der verschiedenen Formen von Internetsucht sei bisher nur über herkömmliche Praxisbesuche gelaufen, erklärt die Leiterin des Zentrums, Hilarie Cash. "Bis jetzt hatten wir keinen Ort, zu dem wir sie hinschicken konnten." Zu den Therapieformen des Programms gehören neben psychotherapeutischen Gesprächen auch praktische Arbeiten und Sport.
Schlechter Schlaf und Ruhelosigkeit mögliche Symptome
Als Warnsignale für eine mögliche Internetsucht nennt Cash eine zunehmende Zeitdauer der Nutzung, erfolglose Versuche der Selbstbeschränkung, Gefühle der Euphorie während der Zeit im Netz, Ruhelosigkeit während der Offline-Zeit, Vernachlässigung von Familie und Freunden, Lügen über das Ausmaß der online verbrachten Zeit, negative Folgen für Ausbildung oder am Arbeitsplatz, Schuld- oder Schamgefühle wegen der Internet-Nutzung, Veränderung von Schlafgewohnheiten, Gewichtsveränderungen, Rücken- oder Kopfschmerzen sowie einen Rückzug von anderen Tätigkeiten.
Treffen drei dieser elf Faktoren zu, könnte nach Einschätzung der Therapeutin eine Form des Internet-Missbrauchs gegeben sein. Bei fünf oder mehr Faktoren spricht sie von Internetsucht. Allerdings könnte diese auch ein Symptom für andere psychische Leiden sein, darunter Depressionen oder bestimmte Formen des Autismus.
"Viele sogenannte Internetsüchtige sind Leute mit schweren Depressionen, Angststörungen oder Symptomen einer Sozialphobie, die es ihnen schwer machen, ein ganzheitliches, ausgeglichenes Leben zu führen und von Angesicht zu Angesicht mit anderen Menschen umzugehen", erklärt der Psychologie-Professor Ronald Pies von der Medizinischen Hochschule in Syracuse. Daher müssten zunächst die tieferliegenden Probleme behandelt werden, damit nicht irgendeine andere Form von "Sucht" auftrete.
Bislang nicht als eigenständige Störung anerkannt
Bisher hat die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung Internetsucht nicht als eigenständige Störung anerkannt. Es gibt aber eine Diskussion, ob die 2012 fällige Neuauflage des Handbuchs mit dem Titel "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders" diese Diagnose aufnehmen soll - was dann auch Folgen für Leistungen der Krankenversicherung hätte.
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