"Menschen können hier unfreiwillig zu Dekoration werden. Das ist in keiner Konvention vorgesehen", sagte Zeger. Auch mit den zum Teil verfremdeten Gesichtern der abgebildeten Menschen zeigt sich der ARGE-Obmann nicht zufrieden: Personenbezogene Daten umfassen nämlich alle Angaben über Betroffene, deren Identität bestimmt oder bestimmbar ist. So könnte zum Beispiel eine auf den Fotos abgebildete Frau mit einem Hund aufgrund ihrer Gestalt, des Ortes und des Tieres für Menschen erkennbar sein - wenn auch nur für eine geringe Anzahl.
Auch Aufschriften an Fahrzeugen gemeinsam mit einer Datumsangabe könnten Hinweise auf die Personen liefern. Bei dem Lenker eines gelben Fahrzeugs am Stephansplatz habe man offenbar überhaupt vergessen, ihn unkenntlich zu machen, meinte der Obmann. "Es geht uns darum, dass Menschen sagen können, ob sie fotografiert werden wollen oder nicht." Man hätte auch eine Ankündigung machen können, wann wo fotografiert wird - "es hätte sicher genügend Leute gegeben, die gerne auf den Bildern zu sehen gewesen wären". Auch sollte sichergestellt sein, dass die in den Geschäften abgebildeten Mitarbeiter "nicht sozusagen zwangsweise vorgeführt werden", so Zeger.
Seitens Herold erklärte Sprecherin Barbara Hackl, Gesichter und Autokennzeichen würden "mit großer Sorgfalt händisch gelöscht" und das ursprüngliche Bildmaterial nicht gespeichert. Wenn sich jemand erkennt und nicht am Foto sein möchte, würde man denjenigen natürlich entfernen. Explizit um die Erlaubnis zur Aufnahme habe man nicht gefragt: "Wie sollen wir das machen? Wir wissen ja nicht, wer das ist und die Fotos wurden zufällig aufgenommen."
Kriminalisten "hellhörig"
Ob das neue Web-Angebot Straftäter auf den Plan ruft, kann man bei der Exekutive noch nicht sagen: "Unsere Experten kennen aber die Situation und sind hellhörig", erklärte Bundeskriminalamtssprecher Helmut Greiner. Hinweise, dass Straftaten aufgrund solcher neuen Dienste begangen würden, gebe es aber nicht.
Auch bei Herold kann man sich "schwer vorstellen", dass der Dienst zu Delikten führen könnte: Diebe könnten mit einem realen Besuch wohl mehr Informationen bekommen als mit dem neuen Service, sagte Hackl. Auch würden auf Kundenwunsch Überwachungskameras von den Fotos gelöscht, immerhin würden die Bilder ja im Auftrag der Kunden gemacht. In zumindest einem Fall wurde dies auch durchgeführt.
"Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben"
Angst vor möglichen Straftätern haben die Inhaber der nun auch virtuell zugänglichen Geschäfte bislalang nicht. "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben", meinte etwa Rainer Trefelik von der Popp & Kretschmer Modehandels GmbH und Obmann der Interessengemeinschaft Kaufleute Kärntnerstraße. Es überwiege die Werbewirkung; außerdem handle es sich um ein öffentlich zugängliches Geschäft. "Es sind auch nicht alle Sicherheitsmaßnahmen sichtbar und wenn sie es sind, dann hat das ja auch seinen Grund."
Man habe keine Probleme mit Diebstählen, "höchstens zu Weihnachten", hieß es seitens der Confiserie Altmann & Kühne. Man sei "noch gar nicht auf die Idee gekommen", dass der virtuelle Rundgang vielleicht Einbrechern den Geschäftszugang oder ihren Fluchtweg erleichtern könnte. Bei der Dorotheum-Filiale im Auhofcenter seien "die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend", weshalb man "keine Bedenken" diesbezüglich habe, erklärte eine Sprecherin.
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