Eine Karte zum Nulltarif, die mit dem Detailwissen Tausender Nutzer perfektioniert wird - das ist für den in Franken lebenden Schweizer Markus Bärlocher das Hauptmotiv für sein Engagement beim Projekt Open-Street-Map (übersetzt: freie Straßenkarte). "Das Verrückte an OSM ist: Du kannst jede Idee umsetzen, du musst es nur selber machen", erzählt der Kartenfreak, der sich schon bei Wikipedia engagiert hat.
Begonnen hat er mit seinem Beitrag direkt vor seiner eigenen Haustür. Bis vor zwei Jahren hatte sein Wohnort Hüttenbach (Bayern) auf der OSM-Deutschlandkarte nur als Ortsname bestanden. Mit Kompass und Maßband begann er, die umliegenden Wohnstraßen zu vermessen. Später perfektionierte er seine Aufzeichnungen mit einem Satelliten-Navigationsgerät um die Angaben danach über Computer und Internet in die Mitmachkarte zu kopieren.
Unabhängigkeit von den großen Internetkarten-Anbietern
Die Idee für den Aufbau einer Weltkarte nach dem Mitmach-Prinzip von Wikipedia hatte der Engländer Steve Coast. Er strebte damit eine Unabhängigkeit von den großen Internetkarten-Anbietern wie Google Maps oder Tele-Atlas an. Seitdem ziehen Freiwillige rund um den Globus mit Notizblock und GPS-Geräten los und vermessen ihren Wohnort und ihre Region. Weltweit beteiligen sich etwa 120.000 Freiwillige an dem Projekt (siehe Infobox).
Als Grundlage dienen den OSM-Engagierten häufig Luftbilder, die der Google-Konkurrent Yahoo dem Projekt zur Verfügung stellt. Mit Hilfe dieser Bilder werden Wälder, Hauptstraßen, Gewässer, Bahnlinien und Ortschaften am Computer abgezeichnet. Die weiteren Details steuern dann Tausende von Freiwilligen bei. Sie zeichnen bei Radtouren und Wanderungen, beim Inlineskaten oder bei Familienausflügen mittels GPS-Geräten Feld- und Forstwege auf und tragen die Standorte von Bahnhöfen, Kliniken, Apotheken oder Unterkünften ein. Eingespeist in eine riesige Datenbank lassen sich daraus neben einer Basiskarte auch Spezialkarten mit Wander-, Fahrrad- und Reitwegen erstellen.
"Ein bisschen Lokalpatriotismus spielt auch eine Rolle"
Die Motive für die unentgeltliche Mitarbeit an den Mitmach-Karten-Projekt sind Ramms Angaben zufolge unterschiedlich: "Es gibt Leute, die einfach Interesse an kostenlosen Landkarten haben". Bei anderen spiele auch ein bisschen Lokalpatriotismus eine Rolle: "Die sehen, dass der Nachbarort bereits komplett kartographisch erfasst ist, ihr eigener aber noch nicht". Für andere bekomme mit OMS eine Fahrradtour einen zusätzlichen Sinn, wiederum andere betrachten OMS als Weltanschauung. Die Möglichkeit, sich von großen Kartenanbietern unabhängig zu machen, stelle für sie eine Art "geografische Meinungsfreiheit" dar.
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