„Krone“-Kommentar

Geschichtsstunde mit Hobbyhistoriker Putin

Kolumnen
29.07.2026 20:00

Der Hobbyhistoriker Putin hat wieder eine Geschichtsvorlesung gehalten – so wie 2022 vor der Invasion in der Ukraine. Auch diesmal ging es um seine Ukraine-Besessenheit, und das verheißt nichts Gutes.

Kurz gesagt: Putin beanspruchte die ganze östliche Hälfte der Ukraine, also wesentlich mehr als die bisher eroberten 19 Prozent. Allen Putinverstehern ins Stammbuch: So redet keiner, der auf einen Kompromiss aus ist.

Die östliche Hälfte sei schon immer Russland gewesen, dozierte Putin, so auch nach 1917: „Doch dann kam Lenin und schlug den Donbass der neu gebildeten Ukraine zu.“ Damit nicht genug: „Stalin weitete 1945 die Ukraine nach Westen aus – aber im Rahmen des Gesamtstaates. Offenbar ist ihm nie in den Sinn gekommen, dass eine Situation wie die heutige entstehen könnte.“

Doch: „Diese westlichen Gebiete wird die Ukraine früher oder später wieder verlieren – an Polen, Ungarn, Rumänien“, prophezeit der Kremlchef. (Kleiner Scherz: Österreich ginge leer aus?)

Die Geschichtsstunde gipfelte schließlich in der Behauptung, Russland sei der alleinige Garant der territorialen Integrität der (Rest-)Ukraine. So spricht der Mann, der 2005 den Zusammenbruch der Sowjetunion als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet hatte. Wie will man mit einem Menschen, der sich so verrannt hat, auf einen grünen Zweig kommen?

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