Dosen statt Stöcke

Reaktiv Training ist das “neue Nordic Walking”

Gesund
31.03.2009 12:14
Nordic Walking war gestern, Reaktiv Training ist der Sport von morgen: Statt den Stöcken kommen dabei hantelähnliche, längliche Aluminiumdosen zum Einsatz - gefüllt mit einer Schwungmasse aus einem speziellen Granulat. Durch das Hin- und Herschwingen der Röhren, die man in den Händen hält, wird das Granulat mit Muskelkraft gezielt beschleunigt und abgebremst. Dabei werden nicht nur die Muskeln, sondern auch das Bindegewebe trainiert.

Trotz des geringen Gewichts - ein Handgerät wiegt nur 640 Gramm - soll die Trainingsintensität mit Hilfe der Schwungmasse vervielfacht werden, auch die Herzfrequenz und der Energieverbrauch sind höher als beim konventionellen Walken oder Laufen. "Eine vollständige wissenschaftliche Erklärung für die Wirkung gibt es nicht, aber in der Praxis hat sich gezeigt, dass es funktioniert", sagt Erwin Gollner, Master Trainer für das Reaktiv Training in Österreich. Zusatz: "Es ist im Sport ja oft so, dass die Wissenschaft der Praxis hinterher hinkt."

Schwungmasse im Inneren
Den entscheidenden Unterschied dürfte jedenfalls die Schwungmasse im Inneren, also der Reaktive Impact, ausmachen. Durch ihn wird nicht nur die Rumpfstabilität erhöht, sondern auch der Oberkörper, genauer gesagt Schultergürtel, Arme Nacken-, Hals-, Brust-, Rücken- und Bauchmuskulatur, mittrainiert. Im Bereich der Gewichtsreduktion, Körperstraffung und Körperformung ist das Reaktiv Training laut Gollner besonders wirksam, da das Bindegewebe einbezogen wird. Kontrollieren kann man den Trainingseffekt akustisch durch das Geräusch der Granulats.

"Im Spitzensport gibt es Reaktiv Training schon seit 1920", fügte Andreas Körber, Master Trainer in Deutschland, hinzu. Seit etwa 1990 werde die Trainingsform in der Physiotherapie eingesetzt, im Breitensport erst seit dem vergangenen Jahr.

Zusatztraining für Spitzensportler
"Ich glaube, dass das Potenzial sehr, sehr groß ist", meint Körber. Grund dafür sei auch, dass die Trainingsgeräte sehr vielfältig eingesetzt werden können: Sowohl Outdoor beim Laufen und Walking, als auch Indoor, etwa beim Step-Aerobic, Fatburning oder Pilates sowie im Wasser bei der Aqua Gymnastik stellen sie eine mögliche Erweiterung dar. Außerdem eignen sich die Geräte gleichzeitig für den Einsatz im Gesundheitsbereich und für das Zusatztraining von Spitzensportlern.

Lernen kann man das Reaktiv Training, in der Fachsprache auch plyometrisches Training genannt, in der niederösterreichischen Therme Laa. Dort entsteht das weltweit erste Reaktiv-Training-Zentrum mit eigener Rundstrecke und integrierten, reaktiven Standübungen. Die Trainingsgeräte, derzeit unter dem Namen "XCO" im Handel, sind noch nicht flächendeckend erhältlich. Das Set inklusive Bauchgürtel kostet derzeit 129 Euro. Experten rechnen aber damit, dass der Preis sinken wird, wenn sich das Reaktiv Training in der Bevölkerung etabliert.

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