Eine informelle Gruppe aus dem Verwaltungsrat sei bei Yahoo derzeit mit der Besetzung des Spitzen-Jobs beauftragt und prüfe die Referenzen einiger weniger Kandidaten, schrieb die Zeitung. Der in Indien geborene Amerikaner Sarin soll zu den Kandidaten gehören. Er hatte im Sommer nach fünf Jahren den Chef-Posten bei Vodafone verlassen, nachdem er das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht hatte. Ein Unternehmens-Sprecher lehnte eine Stellungnahme auf Nachfrage der Zeitung ab.
Rücktritt eines Internet-Pioniers
Der 40-jährige Jerry Yang hatte Mitte November seinen Rücktritt angekündigt und damit die Konsequenzen aus dem massiven Druck nach der im Sommer geplatzten Übernahme durch Microsoft gezogen. Yang soll auch künftig wichtige Aufgaben für Yahoo wahrnehmen und wie bisher dem Verwaltungsrat angehören.
Gemeinsame Entscheidung
In einem E-Mail an die Beschäftigten bezeichnete Yang seinen Rückzug als gemeinsame Entscheidung mit dem Direktorium. Er habe während seiner Karriere bei Yahoo immer das Beste für das Unternehmen im Sinn gehabt, begründete er seinen Schritt. Aufsichtsrats-Chef Roy Bostock sagte, man sei mit Yang übereingekommen, "dass jetzt der richtige Zeitpunkt für den Übergang zu einem neuen Chef ist, der das Unternehmen auf die nächste Ebene führen kann".
Yang hatte Yahoo 1994 mitgegründet und erst im Juni vergangenen Jahres selbst wieder das Ruder übernommen, um das Unternehmen zurück in die Erfolgsspur zu führen. Der Konzern leidet vor allem unter dem Wettbewerb mit dem Rivalen Google. Der Analyst Ross Sandler von RBC Capital Markets bezeichnete den Rücktritt Yangs als Chance, die überfälligen Veränderungen bei dem Konzern einzuleiten.
Microsoft-Übernahme abgelehnt
Unter Yangs Führung hatte sich das von Microsoft heftig umworbene Unternehmen jüngst massiv ins Out manövriert. So lehnte der Yahoo-Chef ein Übernahmeangebot des Softwareriesen im Wert von mehr als 40 Milliarden Dollar (31,6 Milliarden Euro) ab und leitete eine Allianz mit dem Internetkonzern Google ein, um sich vor Microsoft zu schützen. Anfang November mussten Yahoo und Google jedoch ihre Fusion wegen kartellrechtlicher Bedenken abblasen. Yang schlug daraufhin kleinlaut ein Zusammengehen mit Microsoft vor und betonte, dass das Unternehmen "offen für alles" sei. Nun zeigte aber Microsoft Yahoo die kalte Schulter.
Microsoft engagiert Yahoo-Spezialisten für Online-Strategie
Immerhin hat Microsoft einen ehemaligen Yahoo-Manager für die Leitung der Online-Strategie engagieren können. Der Software-Marktführer berief Qi Lu zum Präsidenten seines Geschäftsbereichs Online Services. Lu übernimmt damit die Verantwortung für alle Web-Programme und -Dienste von Microsoft, darunter auch das Werbegeschäft mit der Internet-Suche. Auf diesem lukrativen Markt ist Microsoft nach wie vor nur auf Platz 3 hinter Google und Yahoo. Lu leitete bei Yahoo das ehrgeizige "Project Panama" für die Einbindung von Werbung in die Suchergebnisse.
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