Mit 20 Prozent

China will virtuelles Geld besteuern

Web
07.11.2008 11:42
In China sorgen derzeit Pläne der Regierung für heftige Proteste innerhalb der Internet- und Gamer-Community: Wie das "Wall Street Journal" unter Verweis auf die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, hat die chinesische Regierung nämlich die Einführung einer Steuer auf virtuelles Geld angekündigt, das im Internet verdient wird. Demnach sollen künftig alle Gewinne, die sich bei Privatpersonen aus dem Handel mit Online-Währungen ergeben, mit 20 Prozent versteuert werden.

Neben den Online-Gamern würde die Besteuerung virtueller Währung auch Millionen anderer Chinesen treffen, die im Internet virtuelle Währungen verwenden. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um virtuelles Geld, das den Nutzern von einer Reihe von Instant-Messaging-Diensten und Webportalen zu Werbezwecken angeboten wird. So locken beispielsweise einige Anbieter damit, dass Kunden während des Chattens im Internet virtuelles Geld verdienen können, das wiederum in Online-Spielen gegen Waren eingetauscht werden kann. 

Innerhalb der riesigen Internet-Community in China hat die Bekanntgabe der Regierung deshalb eine heftige Protestwelle ausgelöst. Allein auf dem populären chinesischen News-Portal Netease wurden einen Tag nach der Veröffentlichung der Nachricht über 6.000 User-Kommentare gezählt. "Es ist unfair, dass Individuen Steuern dafür bezahlen sollen und Internetunternehmen von dieser Regelung ausgeschlossen bleiben", so der kritische Tenor der Nutzer. 

Virtueller Handel nur schwer nachvollziehbar
Das größte Problem sieht die User-Gemeinde vor allem darin, den virtuellen Handel nachvollziehbar zu machen. Die Regierung will sich das Recht vorbehalten, den Original-Preis eines Handlungsgegenstandes zu schätzen, wenn der Bürger es verabsäumt, den tatsächlich erfolgten Handel nachvollziehbar zu machen. In der Praxis erweist sich das allerdings oft als schwierig. "Viele Online-Spieler sind im echten Leben Klassenkameraden oder Freunde und haben deshalb keine Belege für ihren Handel mit virtuellem Geld", betont etwa der Blogger Ruan Zhanjiang. Es sei zudem nur sehr schwer möglich, einen realen Umrechnungswert für virtuelle Währungen festzulegen. 

Mehrere Milliarden Yuan virtuell im Umlauf

Hintergrund der umstrittenen Entscheidung ist laut Bericht die Einsicht der chinesischen Regierung, dass sich am virtuellen Währungsmarkt gutes Geld verdienen lässt. Wie eine aktuelle Analyse des Marktforschungsunternehmens iResearch bestätigt, ist der entsprechende Markt in China in den vergangenen Jahren im Durchschnitt jeweils zwischen 15 und 20 Prozent gewachsen. Insgesamt würden im Land mittlerweile bereits virtuelle Währungen im Wert von mehreren Milliarden Yuan (ein Yuan entspricht 0,11 Euro) gehandelt. (pte)

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