Die 3.300-Seelen-Gemeinde Schötz beschreibt sich auf ihrer Homepage (siehe Infobox) als aufstrebend und lebhaft. Sie stehe „für eine offene Kommunikation und neuzeitliche Anschauungen“. Dies dürfte der Internet-Diffamierer wörtlich genommen haben. Unter dem Pseudonym „halihalo“ hat der User ungewöhnliche und auch höchst private Informationen über Schötz hochgeladen.
Gehindert hat ihn oder sie daran freilich keiner, denn - und das lieben wir ja am Internet - es herrscht Meinungsfreiheit und da gibt es auch keine Kontrolle, zumindest was schweizerische Ortsmarken auf Google Earth betrifft. Auf der virtuellen Landkarte waren also plötzlich ein „verwuchertes“ und wegen Erbstreit „verlottertes“ Haus oder eines, das von einer „dunkelhäutigen Familie“ bewohnt wird, zu sehen.
Inzwischen hat Google die ärgsten Bilder und Bemerkungen vom Netz genommen. Die harmloseren sind jedoch noch online und beleuchten leider fast nur negative Seiten des Dorflebens.
Polizei rechnet mit mehreren Anzeigen
Nachdem der Fall bekannt wurde, nahm auch die Luzerner Kantonspolizei ihre Ermittlungen auf. Der Sprecher der Strafuntersuchungsbehörden, Simon Kopp, bestätigte am Mittwoch einen Bericht der „Neuen Luzerner Zeitung“. Die Ermittlungen seien von Amtes wegen aufgenommen worden. Es handle sich um ein so genanntes Vorprüfungsverfahren.
Es gehe vor allem um den Verdacht, dass der unbekannte „Täter“ mit gewissen Bemerkungen möglicherweise gegen das Schweizer Antirassismus-Gesetz verstoßen hat. Aufgrund der Ermittlungen der Polizei, so Kopp, werde das für den Fall zuständige Amtsstatthalteramt Willisau über das weitere Vorgehen entscheiden. Erwartet werden neben einer Anzeige der Gemeinde auch Strafanzeigen einzelner Bewohner von Schötz, die von den Veröffentlichungen auf Google Earth betroffen sind.
„Eine absolute Frechheit“
Für die Schötzer Gemeindepräsidentin (Bürgermeisterin) Ruth Iseli-Buob ist der Fall eine „absolute Frechheit“. Es scheine, als sei beinahe jedes Haus in Schötz fotografiert worden, sagte sie zum „Willisauer Boten“. Während der Gemeinderat dem Datenschutz größte Beachtung schenke, seien hier persönliche Angaben „bis zur Unwahrheit“ für jedermann zugänglich. „Wir haben Anzeige gegen unbekannt erstattet, wegen der Verletzung von Datenschutzbestimmungen.“ Spannend wird noch, ob der Suchmaschinenriese, der in Zürich seinen Europasitz hat, mit den Daten von „Halihalo“ rausrückt.
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