Street View

D: Google soll bei Fahrten alle WLAN-Netze erfasst haben

Web
23.04.2010 10:11
Der Suchmaschinengigant Google erfasst nach Erkenntnissen des deutschen Bundesdatenschützers Peter Schaar sämtliche WLAN-Netze Deutschlands. Ein Vertreter des Unternehmens habe eingeräumt, dass in unserem Nachbarland alle für den Internetdienst von Google Street View im Einsatz befindlichen Fahrzeuge mit technischen Geräten zur Kartografierung von WLAN-Netzen ausgerüstet seien, teilte Schaar am Donnerstag mit.

"Eine schriftliche Antwort auf Fragen über die genauen technischen Vorgänge und Hintergründe dieser Erfassung haben wir von Google nicht erhalten", erklärte Schaars Behörde. Ebenso wenig sei die Besichtigung eines "Google Street View"-Fahrzeugs ermöglicht worden. Damit erhärte sich der Verdacht, dass die Fahrten für Google Street View in den vergangenen Jahren nicht nur zur Aufnahme von Straßenansichten, sondern auch zur flächendeckenden Erhebung und Speicherung aller betriebenen WLAN-Netze - auch der privaten - genutzt würden.

Schaar: "Ich bin entsetzt"
Der Datenschützer fügte hinzu: "Ich bin entsetzt, zu welchen Zwecken diese Fahrten ohne Wissen Dritter genutzt worden sind. Ich fordere Google auf, die bisher rechtswidrig erhobenen personenbezogenen Daten über die WLAN-Netze umgehend zu löschen und die Fahrten für Street View zu stoppen." Google gab zunächst keine Stellung zu den Vorwürfen ab.

Die Daten von WLAN-Netzen werden schon seit Jahren benutzt, um vor allem in Großstädten zusammen mit Mobilfunkmasten und Satelliten die Position von Smartphones besser zu bestimmen. So hat die Bostoner Firma Skyhook Wireless nach eigenen Angaben über 100 Millionen WLAN-Netze in Nordamerika, Europa, Asien und Australien gespeichert, um genauere Positionsbestimmungen zu ermöglichen. Die Daten werden wie bei Google mit Autos gesammelt. Diese Praxis sei in der Branche normal, erklärt das Unternehmen auf seiner Website.

Rüge von zehn staatliche Datenschutzbehörden
Neben den Vorwürfen betreffend Street View haben auch die Datenschutzbehörden von insgesamt zehn Staaten Google wegen diverser Datenschutz-Probleme gerügt. Kanada, Frankreich, Irland, Israel, Italien, die Niederlande, Neuseeland, Spanien, Großbritannien und Deutschland beschwerten sich bei dem Konzern in einem offenen Brief zum Schutz der Privatsphäre der Nutzer. Als Anlass nahmen die Behörden den Start von Google Buzz. Bei dem sozialen Netzwerk waren Usern nach Anmeldung sofort jene Personen als Freunde zugewiesen worden, mit denen sie am öftesten per Mail kommuniziert hatten.

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