Eine gute Kommunikationsbasis ist die Grundlage jeder Beziehung. Es stimmt zwar, dass gerade in langjährigen Beziehungen viel auch ohne Worte passiert. Man erkennt an der Art, wie der andere die Tür zumacht, wie es ihm gerade geht. Doch ein gewisser Austausch ist wichtig, um die gegenseitige Nähe und das Verständnis füreinander aufrechtzuerhalten. Meist ist es so, dass dieses Bedürfnis eher vom weiblichen Part ausgeht. Das ist normal und evolutionstechnisch bedingt. Die Frau hatte früher die Aufgabe, das Zuhause zu überwachen, dafür zu sorgen, dass alles glattlief, während der Mann auf der Jagd war. Dafür war der Austausch mit anderen unumgänglich, während der Mann, vereinfacht gesagt, sich seinen Teil mit sich selbst auf der Jagd ausmachen konnte. Dieses Muster findet sich auch heute noch häufig: Die Frau betreut das soziale Netzwerk, der Mann ist glücklich, wenn er seine Ruhe hat.
Doch genau dieses Verhaltensmuster ist der Grund für viele Beziehungsprobleme. Das Schweigen des Partners wird oft als Verschlossenheit gewertet, vielleicht sogar als Desinteresse. Während umgekehrt das Nachfragen und die Bemühungen um ein Gespräch als Verhör oder als Nachbohren und somit als lästig gewertet werden. Manchmal ist es auch so, dass der schweigsamere Part fälschlicherweise versucht, den anderen einfach nicht zu belasten. Dass es ein Problem gibt, womit er den anderen aber nicht beunruhigen will. Oder dass der eigene Alltag einfach als zu belanglos empfunden wird. Oder dass er es einfach von zu Hause nicht gewöhnt ist, dass man sich austauscht.
Das Ergebnis ist jedenfalls immer das Gleiche: Es fallen Sätze wie „Dir muss man ja alles aus der Nase ziehen“ und „Manchmal glaube ich, das alles interessiert dich überhaupt nicht“ oder „Ich hab keine Ahnung, was in dir vorgeht“ – oder umgekehrt „Lass mich doch erst mal in Ruhe ankommen“ oder „Hör auf, mich so auszuquetschen“. Und damit steckt man mitten in einer Beziehungskrise und driftet auseinander – wegen eines schlichten Kommunikationsproblems, ja, eines Missverständnisses.
Zunächst sollte man sich klarmachen, wie der andere tickt. Es ist in Ordnung, eher der Redner oder eher der Schweiger zu sein – du musst das akzeptieren. Nur weil dein Partner sein Herz nicht auf der Zunge trägt, heißt das nicht, dass es ein Problem gibt. Umgekehrt solltest du deinem Partner aber auch klarmachen, warum dich sein Schweigen irritiert. Dass du dich allein gelassen fühlst, dass du das Gefühl hast, die Nähe zu ihm immer mehr zu verlieren. Dass du einfach gerne wissen möchtest, wie es ihm geht, wie sein Tag war.
Bist du eher der schweigsamere Part, dann solltest du deinem Partner genauso erklären, warum das so ist. Dass du erst mal deine Zeit brauchst, um den Tag zu verarbeiten. Dass du manche Dinge einfach nicht zerreden willst.
Eine Variante der Lösung kann so aussehen, dass ihr statt gemeinsamer Kommunikationszeiten einfach Kuschelzeiten einführt. Denn körperliche Nähe vermittelt Sicherheit und Geborgenheit, damit wird das Gefühl, dass es einen Konflikt gibt, beseitigt. Eine halbe Stunde kuscheln am Abend reicht da oft schon, auch ohne große Gespräche. Dennoch solltet ihr immer wieder versuchen, auch eine Zeit für Austausch zu schaffen. Das muss ja nicht sofort nach dem Nachhausekommen oder während der Lieblingssendung im TV sein. Eine halbe Stunde abends im Bett tut’s auch. Mit der Zeit tauen so auch Schweiger auf.