Glaubt man den Redakteuren des Wissenschaftsmagazins "New Scientist", dann wimmelt es im Internet nur so vor Krankmachern. Schließlich, so Suchtforscher Mark Griffiths von der Nottingham Trent University, könne man "nach allem süchtig werden, was man so tut". Die Liste der populärsten Cyber- Krankheiten hier im Überblick:
Was machen eigentlich die Schulfreunde von einst, die erste Sandkastenliebe oder der Bewerber für eine freie Stelle in ihrer Freizeit? Dank Internetsuchmaschine Google lässt sich so manches über das Leben anderer Menschen in Erfahrung bringen, manchmal auch Dinge, die besser nicht an die Öffentlichkeit geraten sollten. Wird das Suchen und Ausspionieren von Daten und Informationen über Mitmenschen zum Zwang, spricht der Experte von "Google- Stalking".
Es gibt kaum etwas, was man in der freien Online- Enzyklopädie Wikipedia nicht findet. "Frei" deshalb, weil hier Millionen User die Wissensbeiträge selbst gestalten und auch redigieren. Wird das Korrigieren und Bearbeiten von Beiträgen jedoch zur Sucht, lässt der "Wikipediholismus" nicht lange auf sich warten. Bryan Derksen weiß davon ein Lied zu singen: Mit 70.000 Korrekturen gehört er zu den fleißigsten Wikipedia- Korrektoren. Rund zwei Stunden verbringt er täglich mit dem Ausbessern von Fehlern.
Derksen dürfte damit aller Wahrscheinlichkeit auch der Gruppe der Infornografen angehören. "Infornografie" (in Anlehnung an Pornografie) beschreibt die unstillbare Gier nach Informationen - ganz gleich, ob das Wissen überhaupt einen Nutzen hat. Masse statt Klasse.
Informieren kann man sich im Internet auch über die eigene Gesundheit. Zahlreiche Websites bieten mehr oder weniger fachkundige Anleitungen zur Bestimmung und auch Behandlung von kleineren oder größeren Wehwehchen. Wer im Internet lange genug nach einer Erklärung für seine Symptome sucht, der wird auch fündig werden - und sich daraufhin vielleicht kränker fühlen, als er in Wirklichkeit ist. "Cyberchondrie" bezeichnet daher das Leiden an Krankheiten, die man sich im Internet angelesen hat.
Nicht direkt im Zusammenhang mit dem Internet stehend, aber dennoch eine moderne Cyber- Krankheit ist die "Powerpointlessness". Typisch für diese Sucht ist der inflationäre Gebrauch von Powerpoint- Präsentationen bei Vorträgen, Referaten und Co., der Betrachter so sehr abstumpfen lässt, dass jede einzelne Folie zweck- und witzlos, also "pointless" wird.
Vor allem eifrige Geschäftsmänner kennen das Problem: den Zwang, ständig und überall per Blackberry E- Mails abzurufen. Ähnlich einem Cracksüchtigen kommen diese Mail- Junkies von ihrem E- Mail- Empfänger einfach nicht mehr los.
Als "cheesy" bezeichnet der Amerikaner Dinge, die extrem kitschig sind, so zum Beispiel schnulziger Softrock aus den 70ern und frühen 80ern wie Totos "Africa" oder "More than a feeling" von Boston. Werden diese Songs dann auch noch heruntergeladen und – viel schlimmer noch – mit Vorliebe gehört, darf man sich zur Kategorie der Cheesepodder zählen. Spätestens bei Songs von Celine Dion sollte aber wirklich ärztlicher Rat eingeholt werden.
Das Internet: Tummelplatz für Exhibitionisten und Voyeure. Dank Communitys wie Myspace, Flickr und Co kann jedermann seine intimsten Gedanken, Fotos oder Videos im Web offenbaren. Als "Blog streaking" und "Youtube- Narzissmus" bezeichnet der "New Scientist" das "Blank- Ziehen" in öffentlichen Blogs bzw. Videos, die auf Youtube.com zur Schau gestellt werden. "Nicht mal die engsten Verwandten möchten sich Stunden von Urlaubsvideos anschauen", so das Magazin. "Photolurking" bezeichnet hingegen das Durchstöbern von wildfremden Foto- Alben, die auf Seiten wie Flickr lagern.
Gerade in Chats und Foren ist das Spiel mit Identitäten und Geschlechtern an der Tagesordnung. Nicht selten kommt es vor, dass ein 18- jähriger Bursch sich plötzlich als die 13- jährige Lisl aus Mayerhofen ausgibt. Alltag im Internet. Wenn Internet- User jedoch vorgeben, eine Berühmtheit zu sein, spricht der Internet- Facharzt von "Myspace Impersonation". Was wohl Freud dazu gesagt hätte?
Wer sich nicht selbst als Hollywood- Star darstellen möchte, der will vielleicht wenigstens wissen, wie es denn um seine eigene Berühmtheit bestellt ist. Dazu muss lediglich der eigene Name "gegoogelt" werden, und schon lassen sich eindeutige Schlüsse über den Bekanntheitsgrad des Nutzers ziehen. Vor allem wird dadurch aber auch der Beweis erbracht, dass er oder sie ein Egosurfer ist.