Trinkwasser „in Hülle und Fülle“, aber auch hierzulande sollte dank Klimawandel besser gehaushaltet werden. Die ganz großen Wasserverbraucher sitzen jedoch in der Industrie ...
Land am Strome, zukunftsreich? Diese Frage stellen sich wohl aktuell die Umweltschützer und Wassertechniker im ganzen Land. Denn Österreich galt immer als Land der Seen, Flüsse und Quellen, doch dieser Reichtum beginnt zu bröckeln. Neue Zwischenergebnisse der Studie „Wasser im Klimawandel“ im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums zeigen: Die Klimaerwärmung bringt den Wasserhaushalt massiv aus dem Gleichgewicht.
Die Temperaturen steigen – und mit ihnen die Verdunstung. Seit 1980 hat sie um rund 17 Prozent zugenommen. Das bedeutet: Jedes Jahr verschwinden zusätzlich rund 80 Liter Wasser pro Quadratmeter einfach in der Luft. „Die neuen Ergebnisse bestätigen, was wir bereits beobachtet haben. Der Klimawandel verändert den Wasserhaushalt im ganzen Land“, warnt Umweltminister Norbert Totschnig.
Böden trocknen stark aus, Grundwasserspiegel sinkt
Denn die Böden werden immer trockener. Was fehlt, kann auch nicht mehr verdunsten. Gleichzeitig gehen die Niederschläge im Sommer zurück – mit spürbaren Folgen unter der Erde. Die Grundwasserstände sind in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um bis zu 50 Zentimeter gefallen. Besonders betroffen: Salzburg, Oberösterreich und Teile Kärntens. Auch unsere Flüsse führen immer weniger kostbares Nass.
Wir sind ein wasserreiches Land und unser Auftrag ist, diese wertvolle Ressource auch für kommende Generationen zu sichern.

Bundesminister Norbert Totschnig (ÖVP)
Bild: SEPA Media
Experten schlagen Alarm, denn diese Entwicklung könnte sich weiter verschärfen: „Dass die Verdunstung weniger stark zunimmt, ist keine Entwarnung – die Böden sind schlicht zu trocken“, erklärt Hydroklimatologe Klaus Haslinger von GeoSphere Austria.
Bitterernste Botschaft: „Jetzt heißt es sparen!“
Für Landwirtschaft und Natur wird das zur Belastungsprobe. Noch wird in Österreich wenig bewässert, doch das könnte sich ändern. Der Druck steigt, effizienter mit „blauem Gold“ umzugehen.
Die Politik reagiert bereits: Investitionen in Bewässerung, neue Anbaumethoden und trockenheitsresistente Pflanzen sollen helfen. Doch eines ist klar: Das allein wird nicht reichen. Herr und Frau Österreicher müssen lernen, mit ihrem Wasserschatz bewusster umzugehen. Denn auch ein wasserreiches Land ist nicht unendlich reich.
Wer im großen Stil Bodennass abzapft
Während in jedem trockenen Sommer die Debatte um private Swimmingpools hochkocht, geraten die ganz großen Wasserverbraucher kaum ins Visier der Öffentlichkeit. Genau darauf macht Greenpeace jetzt aufmerksam – und präsentiert brisante Zahlen.
Demnach fließen jährlich rund 16 Millionen Kubikmeter Wasser in den privaten Abkühlungsbereich. Eine gewaltige Menge. Doch allein drei Industrie-Riesen zapfen laut Greenpeace gemeinsam rund 51 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr ab – mehr als das Dreifache aller privaten Schwimmbecken zusammen.
An der Spitze steht die voestalpine in Linz mit rund 27 Millionen Kubikmetern, gefolgt von der OMV-Raffinerie Schwechat mit 13 Millionen und der Lenzing AG mit elf Millionen Kubikmetern jährlich. Der zusätzliche Verbrauch von Flusswasser ist dabei noch gar nicht eingerechnet.
Dunkelziffer vermutlich weit höher
„Während Hausbesitzer ins Kreuzfeuer geraten, schöpfen Konzerne viel mehr ab“, warnt Umweltschutz-Aktivist Sebastian Theissing-Matei. Besonders brisant: Bei vielen Betrieben ist öffentlich gar nicht bekannt, wie viel Wasser tatsächlich verbraucht wird.
Von Minister Totschnig wird daher rasch ein transparentes Wasserentnahme-Register gefordert. Zudem solle Österreich dem Beispiel Frankreichs und vieler deutscher Bundesländer folgen und eine Wasserabgabe für industrielle Großverbraucher einführen.
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