Als Cohen Computerviren definierte, hatte er deren Vorbilder aus der Biologie im Hinterkopf: Es handle sich um Programme, die andere Programme infizieren könnten, indem sie diese veränderten und etwa eine Kopie von sich selbst in den Quellcode einfügten, schrieb er in einem damals viel beachteten Aufsatz. Ohne dass es der Computer- Nutzer bemerkt, können die elektronischen Erreger die Kontrolle des Systems übernehmen. Heute steht der Begriff für ein hochgerüstetes Arsenal schädlicher Software (Malware), mit denen Cyber- Kriminelle private Nutzer wie Firmen attackieren: Würmer, Trojaner, Spyware.
Damals wie heute ging es um die Kontrolle über den Rechner - doch die Absichten der Viren- Autoren könnten unterschiedlicher nicht sein. "Damals haben die Viren- Autoren oft nur Schabernack betrieben", sagt Raimund Genes, Technikvorstand beim Software- Hersteller Trend Micro. Eine Botschaft auf dem Bildschirm, das war's. Schaden haben zwar auch diese Viren angerichtet, doch richtig bösartig war nur ein Bruchteil.
Doch schon bald setzten nicht mehr allein Programmierer und Jugendliche mit Ego- Problemen Viren in Umlauf, sondern immer mehr Cyber- Gangster, die Raubzüge auf den Rechnern der arglosen Nutzer starten wollten. Denn immer mehr Menschen beschafften sich erst einen PC, später einen Internetzugang. Inzwischen ist das Internet aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: E- Mail- Verkehr, E- Banking, Online- Shopping, Musikdownloads und mehr - fast alles lässt sich über das World Wide Web abwickeln.
Spätestens seit fünf Jahren geht es vor allem ums Geld. "Die Täter denken marktorientiert", sagt der Karlsruher IT- Experte Christoph Fischer. "Sie wollen Bankkonten und Aktienportfolios plündern oder eBay- Konten für Geldwäsche nutzen." Er sieht mafiöse Banden am Werk. Im Unterschied zu früher wird der Bildschirm allerdings nur noch selten schwarz. "Die bösen Jungs haben kein Interesse daran, ihre Aktivitäten sichtbar zu machen", sagt Trend- Micro- Experte Raimund Genes. Die Zahl der Schädlinge nimmt trotzdem rasant zu: Laut einer Untersuchung von Trend Micro kommen jeden Monat 500.000 mit Variationen im Quellcode hinzu.
Ein Impfstoff gegen die Seuche ist nicht in Sicht. "Die Branche ist professionell geworden und kann die besten Informatiker bezahlen, um Viren schreiben zu lassen", sagt Professor Norbert Pohlmann von der FH Gelsenkirchen. Zudem sei die Immunabwehr der Computersysteme schwach - alle wiesen Lücken auf, die ein kundiger Angreifer ausnutzen kann. Und da ist noch der Anwender, der leichtfertig Links zu gefährlichen Websites anklickt oder verseuchte E- Mails öffnet. Das sieht Fred Cohen 25 Jahre nach seiner Entdeckung als größtes Problem: "Viele Viren verbreiten sich aus psychologischen Gründen - Spam legt ja nicht den Computer herein, sondern den User."
Viren, Würmer und Co. nützen aber nicht nur den Kriminellen, sondern sind mittlerweile auch eine einträgliche Geschäftsgrundlage für die Hersteller von Anti- Virus- Software. Eine ganze Industrie vermarktet Programme zur Abwehr der vielfältigen Gefahren aus dem Netz oder kassiert für ihr Fachwissen satte Honorare. Auch Pionier Fred Cohen, der sich schon 1984 über Therapien gegen Computerviren Gedanken machte, verdient heute damit sein Geld: Er gründete eine Beratungsfirma für "den Schutz von Informationen".
Völlig kostenlos sind hingegen die drei Programme, die du über die obenstehenden Links herunterladen kannst. Seit Jahren bei Tausenden Nutzern im Einsatz, haben sie sich im Kampf gegen Viren und andere PC- Schädlinge bewährt. Während "AntiVir" und "Spybot Search & Destroy" den Rechner auf gefährliche Spyware untersuchen und diese gegebenenfalls ausradieren, überwacht die Gratis- Firewall "ZoneAlarm" den ein- und ausgehenden Datenverkehr und hindert so Cyber- Kriminelle daran, unerlaubt auf den eigenen Rechner zuzugreifen.