US-Präsident Donald Trump hat die für Donnerstagabend angekündigten schweren Angriffe auf den Iran abgesagt. Der Ölpreis gab daraufhin deutlich nach. Der Iran erklärte allerdings umgehend, dass es noch keine Einigung gebe.
In großem Tönen sprach der US-Staatschef nun von einem möglichen Abschluss in den kommenden Tagen. Vielleicht geschehe dies über das Wochenende und wahrscheinlich in Europa. Er werde mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sprechen. Vizepräsident JD Vance werde bei der Unterzeichnung zugegen sein. Die Straße von Hormuz werde geöffnet werden, sobald die USA unterschrieben hätten.
Der Republikaner begründete seine Entscheidung auf der Plattform Truth Social mit Gesprächen, die die höchste Ebene der iranischen Führung erreicht hätten. Nach Trumps Darstellung sind Verhandlungen über eine Befriedung des Konflikts einem Durchbruch nahe.
Laut der iranischen Agentur Fars ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Teheran dem Text auf eine Verständigung mit den USA zustimmt. Voraussetzung sei aber, dass die USA den Text akzeptiert hätten, der vom Iran vorgeschlagen worden sei. Eine endgültige Antwort habe der Iran aber noch nicht gegeben.
Trump schrieb, „abschließende Punkte“ seien „von allen beteiligten Parteien genehmigt worden, darunter die Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, die VAE (Vereinigte Arabische Emirate), Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten und andere“. „Es wurde kein Text für eine Vereinbarung gebilligt“, berichtete kurz darauf hingegen die iranische Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf Verhandlungskreise.
Wochenlange Bemühungen um ein Kriegsende
Seit Wochen gab es Bemühungen um ein Rahmenabkommen über ein Ende des Krieges. Dieses würde voraussichtlich zunächst vertiefte Verhandlungen bedeuten. Zuletzt gab es keine Anhaltspunkte dafür, dass es zu bedeutenden Annäherungen in den Hauptkonfliktpunkten zwischen den USA und dem Iran gekommen war.
Trump schrieb weiter, die US-Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen werde bis zum endgültigen Abschluss einer Vereinbarung vollständig bestehen bleiben. Die USA hatten damit auf die faktische Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran reagiert.
Kehrtwende binnen weniger Stunden
Erst Stunden zuvor hatte Trump schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht auf Freitag angekündigt. Die USA würden das Land „sehr hart“ treffen, schrieb er auf Truth Social. Er drohte Teheran außerdem damit, in nicht allzu ferner Zukunft die für Irans Ölindustrie wichtige Insel Kharg sowie andere Öl-Infrastrukturpunkte zu übernehmen. Washington würde die „vollständige Kontrolle“ über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen.
Auf der Insel Kharg im Persischen Golf befindet sich Irans wichtigster Ölhafen. Dort wird fast der gesamte Ölexport der Islamischen Republik umgeschlagen. Sie ist daher von strategisch großer Bedeutung. Trump wollte damit den Druck auf den Iran in den stockenden diplomatischen Bemühungen erhöhen.
Zuletzt mehrfach gegenseitige Angriffe
Die USA und der Iran beschossen sich in der Nacht auf Donnerstag erneut heftig gegenseitig. Bereits in der Nacht auf Mittwoch hatte es gegenseitige Angriffe gegeben. Eigentlich gilt zwischen den Kriegsparteien seit zwei Monaten eine Feuerpause.
Laut iranischen Medien wurden bei Angriffen in der Provinz Teheran drei Menschen verletzt. Das Portal „Mehr“ berichtete zugleich unter Berufung auf offizielle Stellen, in der Früh sei in der Straße von Hormuz ein Boot, das mit Grundnahrungsmitteln beladen gewesen sei, von einem Geschoss der USA getroffen worden. Die Besatzung sei gerettet worden. Das US-Militär sprach von Angriffen auf militärische Überwachungs- und Kommunikationsanlagen sowie Anlagen der Flugabwehr im Iran.
Wie der Iran auf die jüngsten US-Angriffe reagierte
Das iranische Außenministerium hatte die „großangelegten“ US-Angriffe der vergangenen Nacht scharf verurteilt. Irans Militär drohte nach den US-Angriffen, jedes Schiff, das die für den Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormuz zu passieren versuche, anzugreifen, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der iranischen Militärführung. Zwei Schiffe sollen laut Rundfunk beschossen worden sein.
Das US-Regionalkommando CENTCOM schrieb dagegen auf X: „Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Straße von Hormuz ein und heraus.“
Der Iran griff außerdem die Golfstaaten Bahrain und Kuwait in der Nacht auf Donnerstag an. Lokalen Behördenangaben zufolge wurde dabei in Bahrain ein elfjähriges Mädchen verletzt. In der Hauptstadt Manama und in dem Ort Hammad seien durch herabfallende Trümmerteile nach der Abwehr von iranischem Drohnenbeschuss zudem mehrere Fahrzeuge in Brand geraten und Wohnhäuser beschädigt worden.
Auch Jordanien fing laut eigenen Angaben in der Nacht 20 aus dem Iran abgefeuerte Raketen ab. Im Osten des Landes hat das US-Militär an einem Stützpunkt unter anderem Kampfflugzeuge stationiert.
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