Ruhe bitte!

Geräuschunterdrückende Kopfhörer im Test

Elektronik
27.07.2007 11:58
Das Reisen von A nach B könnte so angenehm sein, wenn der Musikgenuss nicht durch störende und nervige Nebengeräusche empfindlich gestört werden würde. Ob hitzige Diskussionen, klingelnde Handys, schreiende Kinder oder Motorenlärm: Ruhe hat man in Flugzeug, U-Bahn, Zug oder Auto nur selten. Abhilfe versprechen hier die so genannten geräuschunterdrückenden Kopfhörer. Krone.at hat sich vier Geräte der Firmen Sennheiser, AKG, Bose und Logitech genauer angeschaut bzw. angehört.

Bevor es jedoch ans Eingemachte geht, zuerst ein Blick auf die Theorie, um die Funktionsweise der geräuschunterdrückenden Kopfhörer verständlich zu machen: Geräte mit aktiver Geräuschunterdrückung messen den von außen auf die Ohrmuschel des Kopfhörers treffenden Schall und unterdrücken ihn durch ein elektronisch erzeugtes Gegensignal. Die entgegengesetzten Schallwellen löschen sich nahezu aus, für den Musikhörer erklingt die Umwelt deutlich weniger lärmend. Für die Erzeugung dieses Gegensignals ist allerdings Strom von Nöten – alle vier Geräte benötigen daher eine Batterie oder einen Akku, um für ungestörten Musikgenuss zu sorgen.

Täschchen, Adapter und Co.: Der Lieferumfang
Da die Geräte überwiegend für den Einsatz auf Reisen konzipiert wurden, fällt das beigelegte Zubehör entsprechend umfangreich aus. Allen Kopfhörern – dem AKG K 28 NC, dem Sennheiser PXC 300, dem Noise Canceling Headphone von Logitech und dem QuietComfort 3 von Bose (Bilder siehe Infobox) – liegen ein Adapter zum Anschluss an den Flugzeugsitz sowie ein Reiseetui bei. Bei AKG handelt es sich hierbei um ein simples Stoffbeutelchen, bei Sennheiser und Logitech setzt man auf ein Kunststoff-Softcase, während das Softcase bei Bose mit Leder überzogen ist. Bis auf den Logitech-Kopfhörer bieten zudem alle Produkte einen 6,3-mm-Klinkenadapter.

Das umfangreichste Zubehör bietet aber der QuietComfort 3 von Bose: Passend zum Case gibt es einen Tragegurt, ein zweites Kopfhörerkabel plus Verlängerungskabel, ein Akku-Ladegerät, zwei Akkus sowie sechs Steckeradapter für Nordamerika/Japan, Europa, China, Korea, Australien/Neuseeland sowie GB/Hongkong/Singapur – dafür ist im Reiseetui allerdings kein Platz mehr.

Die restlichen drei Produkte setzen bei ihrer Erzeugung des elektronischen Gegensignals auf Strom aus der Batterie: Jeweils eine AAA-Batterie für die Produkte von AKG und Logitech sowie zwei AAA-Batterien für den Sennheiser-Hörer liegen bei.

Verarbeitung und Tragekomfort
Fast ebenso ausschlaggebend wie der Klang sind bei einem Kopfhörer auch die Verarbeitung und der Tragekomfort – schließlich soll das Produkt nicht nur lange halten, sondern auch bequem am Kopf und auf den Ohren sitzen.

Der AKG-Kopfhörer lässt sich mit seinen frei drehbaren Plastikgelenken zwar äußerst platzsparend verstauen, der Metallbügel sitzt allerdings recht unbequem auf dem Kopf. Lediglich zwei kleine Moosgummistücke dienen hier der Dämpfung. Die Ohrmuscheln sind hingegen recht dick und bequem gepolstert und sitzen – obwohl nicht ohr-umschließend – fest auf dem Ohr auf.

Gleiches gilt für den PXC 300 von Sennheiser, dessen ebenfalls ledergepolsterte Ohrmuscheln allerdings kleiner ausfallen als beim AKG-Gerät. Mit einem Gewicht von 130 Gramm ist der Kopfhörer zwar genau so schwer wie der AKG, lässt sich aber kleiner zusammenfalten und nimmt dann in etwa so viel Platz weg wie eine Sonnenbrille. Durch den Klappmechanismus wirkt der Sennheiser allerdings auch nicht ganz so stabil wie der AKG. Zudem fällt das Batteriefach mit seinen 13 Zentimetern vier Zentimeter länger aus als beim AKG. Zu Kabelsalat neigen jedoch beide Geräte gleichermaßen.

Keinerlei Kabelwirrwarr hat man hingegen beim Logitech-Kopfhörer zu befürchten: Statt die Batterie in einem externen Fach unterzubringen, wird sie direkt in der linken Ohrmuschel verstaut. Auch sehr praktisch: Das Kopfhörerkabel ist nicht fix mit dem Kopfhörer verbunden und kann so im Falle eines Defekts schnell und kostengünstig ausgetauscht werden. Etwas gewöhnungsbedürftig sind hingegen die Ohrmuscheln: Sie umschließen das Ohr zur Gänze, was zwar einerseits von vorneherein sehr gut dämpft, den Träger aber andererseits auch nahezu taub gegenüber seiner Umwelt macht. Gut sitzen tut der mit 200 Gramm schwerste Kopfhörer im Test aber allemal.

Ebenfalls sehr bequem ist auch der Bose QuietComfort 3. Im Gegensatz zu den drei anderen Testkandidaten hat er jedoch keine Ohrmuscheln im klassischen Sinn, sondern liegt mit der gesamten Fläche direkt am Ohr auf. Die extrem weichen Polster dämpfen sehr gut, ohne allerdings so „betäubend“ zu wirken wie beim Logitech. Lobenswert zu erwähnen ist, dass auch bei Bose das Kopfhörerkabel separat angesteckt wird und zudem ein umweltschonender Akku zum Einsatz kommt, der an der rechten Ohrmuschel angesteckt wird. Nachteil des 160 Gramm schweren Kopfhörers: Er lässt sich nur mit aktiver Geräuschunterdrückung betreiben. Wer den Bose nicht einschaltet, hört auch keine Musik. Die beiden Akkus sollten also immer aufgeladen sein, wenn man beim Musikhören nicht zwangspausieren möchte.

Das Testverfahren
Nun aber zum Wesentlichen: dem Klang. Alle vier Geräte wurden in drei unterschiedlichen Tests – subjektiv - auf ihren Klang hin untersucht. Wie klingen die Kopfhörer bei deaktivierter Geräuschunterdrückung, wie viel Lärm schlucken die Geräte bei aktiver Geräuschunterdrückung und wie verändert sich der Klang der Musik bei eingeschalteter Geräuschunterdrückung? Als Referenz dienten bei stets gleicher Lautstärke ein sehr druckvoller Song der härteren Gangart sowie ein von lieblichen Streichern und akustischer Gitarre geprägtes Lied. 

Musikgenuss bei deaktivierter Geräuschunterdrückung
Beim Musikgenuss ohne aktive Geräuschunterdrückung besticht vor allem der K 28 NC von AKG durch ein brillantes und breites Klangspektrum. Die Bässe klingen druckvoll, dröhnen aber nicht, und auch die Höhen sind gut und differenziert wahrnehmbar. Der PXC 300 von Sennheiser ist im Vergleich zum AKG-Gerät deutlich höhenlastiger, was auf Kosten der Bässe geht. Dennoch bietet auch er ein gutes und weitgehend unverfälschtes Klangbild.

Nicht so hingegen der Noise Canceling Headphone von Logitech: Der Kopfhörer klingt insgesamt sehr basslastig, daher auch eher dumpf und neigt gerade bei lauten Passagen zu Verzerrungen. 

Das beste Ergebnis erzielte im ersten Test der Bose-Kopfhörer – druckvolle Tiefen und klare, ausgezeichnete Höhen. Vor allem aber fiel auf, dass der Bose extrem laut ist. Obwohl alle Kopfhörer auf ein und derselben Lautstärke liefen, musste der Bose gut um die Hälfe gedrosselt werden.

Allerdings muss dieses Ergebnis klar relativiert werden, da der Bose als einziger in diesem Test mit aktivierter Geräuschunterdrückung an den Start ging, während bei den anderen Geräten das Klangbild im passiven Zustand untersucht wurde. Dies ist wie bereits erwähnt beim Bose jedoch nicht möglich.

Brummende Autos, Hupen und lautes Schnarchen 
Im zweiten Durchlauf wurden die Geräte auf ihre geräuschunterdrückenden Fähigkeiten hin untersucht. Alle Kopfhörer wurden sowohl Straßenlärm als auch einem lauten Schnarchen ausgesetzt – die häufigsten Feinde eines Musikliebhabers auf Reisen. Die Geräusche stammten allesamt aus der Konserve um zu gewährleisten, dass alle Kopfhörer dem gleichen Lärm ausgesetzt wurden.

Der K 28 NC von AKG schluckte vor allem Lärm im tieffrequenten Bereich, in den Höhen schien sich aber nicht viel zu ändern. Der Lärm klang insgesamt leiser, allerdings entstand durch die aktive Geräuschunterdrückung ein leicht wahrnehmbares Rauschen. Der PXC 300 von Sennheiser beseitigte zwar nicht ganz so viele Bässe wie der AKG, räumte dafür aber geringfügig im Mitten-Bereich auf. In den Höhen änderte sich auch hier nicht viel.

Beim Logitech herrschte aufgrund der geschlossenen Bauweise bereits vor Einschalten des Lärms vom Band fast „Funkstille“. Die Geräuschreduktion arbeitet gut und schluckt fast alle tieffrequenten Störfaktoren. Allerdings kommt auch hier ein leichtes Rauschen hinzu, zudem kann die durch die geschlossene Bauweise auftretende Verstärkung des eigenen Körperschalls unangenehm für den Hörer sein.

Sehr gute Ergebnisse bei der Reduktion von tieffrequenten Schallwellen erzielte auch der Bose, der im Gegensatz zu den anderen Geräten auch bei den Höhen gute Arbeit leistete und insgesamt am meisten Lärm „schluckte“.

Veränderung des Klangs bei aktiver Geräuschunterdrückung
In Teil drei des Kopfhörertests wurden schließlich Lärm und Musik kombiniert und gehorcht, hickt, das Schnarchen und der Straßenlärm aus Test zwei drangen vom PC über zwei Lautsprecher von außen auf die Kopfhörer.

Beim Logitech zeigte sich mit dem Einschalten der Geräuschunterdrückung vor allem eines: der Lautstärkepegel schnellte nach oben. Im Vergleich zum passiven Klang wirkte die Musik plötzlich wesentlich druckvoller, von Geräuschen war nichts mehr zu hören – was aber eben auch auf das Mehr an Lautstärke zurückzuführen sein könnte.

Ob sich der Klang der Musik beim Ein- und Ausschalten der Geräuschunterdrückung verändert, lässt sich beim Bose hingegen nur schwer beurteilen - schließlich kann der QuietComfort 3 nur mit aktiver Geräuschunterdrückung betrieben werden. Aufgrund der im Vergleich zum Logitech-Kopfhörer offeneren Bauweise dringen in leiseren Musikpassagen vereinzelt noch leise Geräusche durch, bei lautem Sound ist aber nichts mehr zu vernehmen.

Auch beim PXC 300 von Sennheiser wird der Pegel angehoben, der Sound klingt wesentlich druckvoller und basslastiger als noch im passiven Zustand. Dennoch sind viele Geräusche nach wie vor eindeutig wahrnehmbar.

Gleiches gilt für den K 28 NC von AKG, der den Pegel im Vergleich zu den anderen Geräten jedoch nur leicht anhebt und den Sound weitestgehend unverfremdet wiedergibt.

Fazit: Obwohl man natürlich insgeheim hofft, dass es nicht so kommt, liefert das teuerste Produkt (UVP 398 Euro) auch die besten Resultate. Der Bose sitzt nicht nur hervorragend, er klingt auch ebenso und schluckt zudem viel Lärm von außen. Das Zubehör lässt keine Wünsche offen, schlägt sich aber eben auch im Preis nieder. Nachteil: Der Bose lässt sich nur aktiv verwenden, für einen Großteil des Zubehörs ist im Case zudem kein Platz.

Auch der Logitech sitzt gut, liefert jedoch gerade im passiven Zustand keinen überzeugenden Klang. Einmal eingeschaltet schluckt er jedoch ziemlich viel Lärm, was vor allem auch auf die geschlossene Bauweise zurückzuführen ist. Die bedingt allerdings auch, dass der Nutzer recht bald einen warmen Kopf bekommt und seine Umwelt kaum noch wahrnimmt. Zudem nimmt der Kopfhörer viel Platz weg. Für gesehene 95 Euro aber definitiv kein Fehlkauf.

Hier haben der AKG- und der Sennheiser-Kopfhörer ganz klar die Nase vorn. Die in etwa gleich schweren Geräte lassen sich Platz sparend zusammenfalten und finden so in jeder Handtasche oder Rucksack bequem Platz. Abstriche muss man hier jedoch in punkto Tragekomfort und Geräuschunterdrückung machen. Im Vergleich zum Logitech-Gerät bieten beide Geräte aber den deutlich feineren und unverfälschteren Sound. Mit rund 85 Euro ist der AKG K 28 NC zudem ein echter Preistipp, den Sennheiser PXC 300 gibt es derzeit ab etwa 160 Euro.

von Sebastian Räuchle

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