29.05.2007 12:39 |

Schmerzen?

Tu was für deine Knorpel!

Der Mensch ist so jung wie seine Gelenke, heißt es. Das führt uns zu den Knorpeln, die in jedem Gelenk eine entscheidende Rolle spielen. Die meisten Probleme mit Knien, Hüften & Co entstehen durch Abnützung dieser Schutzschicht. Und das kann schon in jungen Jahren passieren, nicht erst mit fortschreitendem Alter.

Wir können selbst in vielfacher Weise dazu beitragen, die Knorpel gesund zu erhalten oder zumindest weitere Schäden zu verhindern. Mitunter gelingt es sogar, stärkere Abnützungen wieder rückgängig zu machen. Allerdings müssen wir dazu aktiv werden. Über gezielte Bewegung, über die Zufuhr bestimmter Stoffe aus der Nahrung, über Vermeidung von Risikofaktoren wie Über- und Fehlbelastung.

Warum Bewegung?
Gelenksknorpel haben keine eigene Blutversorgung. Sie werden ausschließlich durch den Wechsel von Druck und Entlastung ernährt. Also durch Bewegung, die allerdings genau dosiert sein muss. 

Das erste Ziel jeder Behandlung von Gelenkschmerzen heißt daher, eine Verbesserung dieser Saug-Pumpwirkung auf den Knorpel durch Dehnungsübungen zu erreichen. Wir beanspruchen nämlich unsere Muskeln nur mehr hinsichtlich Kraft und viel zu wenig in Bezug auf Dehnung. Das führt zu deren Verkürzung.

Im Alltag, in der Schule, im Büro oder sogar auf der Toilette wird der Bewegungsapparat in schonender Mittelstellung gehalten. Wir können dadurch alltägliche Bewegungen weitgehend problemlos durchführen. Immer dann aber, wenn wir stärker belasten - etwa beim Sport oder beim Spielen mit den Kindern - spüren wir erst, wie kurz unsere Muskeln und wie steif dadurch unsere Gelenke geworden sind!

Vier Wochen Ruhe - bleibende Schäden
Wenn man ein Gelenk ruhig stellt, so entstehen innerhalb von nur 14 Tagen Abbauvorgänge an den Knorpeln und nach vier Wochen bereits dauerhafte Schäden an den Gelenken! Daher heißt der zweite Ansatz Verhinderung bzw. Korrektur von Bewegungseinschränkung.

Einseitige Zwangshaltungen, beengende Kleidung (auch Schuhe) etc. führen dazu, dass die Gelenke nicht mehr richtig durchbewegt werden. Wie klemmende Schubladen bleiben sie sozusagen stecken. Es kommt zu Blockierungen. Diese können sich von selbst lösen. Zum Beispiel im Schlaf. Oft aber erzeugen sie erst recht Verspannungen und werden dann zur Ursache massiver Schmerzen.

Gezielt kann man dagegen mit Mobilisationsübungen der Gelenke, durch Physiotherapie, Manualtherapie und kurmedizinischen Methoden vorgehen. Wichtig ist, dass das Zusammenspiel der Muskeln wieder klappt. Kraft- und Bewegungsübungen helfen.

Was spielt sich im Knorpel selbst ab?
Das Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit sowie Mangelerscheinungen und Fehlstellungen führen zur verminderten Erzeugung von so genannten Proteoglycanen, den Wasserspeichern der Gelenksknorpel. Zu denen zählen die Substanzen Chondroitin, Glucosamin und Hyaluronsäure.

Kaputtes Knorpelgewebe löst Entzündungsprozesse aus. Der Körper erkennt die genannten Stoffe plötzlich nicht mehr als eigenes Gewebe an, sondern empfindet es als "feindlich" und versucht, es ganz einfach zu vernichten! Der Knorpel wird in der Folge abgebaut. 

Richtige Ernährung für gesunde Gelenke
Auch bis dahin gesundes Gewebe wird zerstört, es entwickelt sich ein krankhafter Dauerverschleiß, die gefürchtete Arthrose. Ein Teufelskreis schließt sich: Als Nebenprodukt des erhöhten Energieverbrauches entstehen Sauerstoffradikale. Diese Moleküle sind zwar für gewisse Abwehrreaktionen wichtig, schädigen aber in diesem Zusammenhang nur weiter den Knorpel.

Demnach wäre es wichtig, diese aggressiven Radikale einzufangen und zu neutralisieren. Wir müssen daher mit der Nahrung Abwehrstoffe einnehmen, die man Antioxidantien nennt. Sie können diese Aufgabe erfüllen - enthalten sind sie zum Beispiel in Obst und Gemüse. Auch Spurenelemente wie zum Beispiel Mangan sind in dieser Hinsicht recht nützlich.

Außerdem wichtig sind Vitamin D3, Kalzium und Magnesium. Weitere wichtige Mikronährstoffe finden sich etwa im Korallenkalzium, das der "Übersäuerung" entgegenwirkt. Diese gilt als Ursache unterschiedlichster Beschwerden, besonders aber entzündlicher Gelenksleiden. Ein sehr interessantes Naturprodukt ist die Hagebutte, die einen hohen Gehalt an Vitamin C aufweist. Dieses wiederum ist ein überaus wirksamer "Radikalfänger".

Knorpelrisse spürt man nicht
Kleben bei härteren Stößen Gelenksflächen aneinander, kommt es zu Knorpelrissen. Diese spürt man nicht, da Gelenksflächen keine Nervenversorgung haben. Man bemerkt nur nach einiger Zeit Reibegeräusche als erste Zeichen der drohenden Abnützung. 

Eine Besserung erreicht man zum Beispiel durch Dehnungsübungen sowie Zufuhr von Chondroitin und Glucosamin. 

Natürlich müssen Gelenksentzündungen durch entsprechende medizinische Maßnahmen (Medikamente usw.) behandelt werden. Es können aber zusätzlich auch pflanzliche Stoffe eingesetzt werden, die zu ihrem eigenen Schutz Abwehrstoffe bilden. Diese macht man dann gleichsam auch für uns nutzbar.

Dr. Eduard Lanz, Facharzt für Orthopädie aus Graz

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