Die Messestars

Neun Highlights der IAA 2017

Motor
13.09.2017 15:44

Wohin geht es in Sachen Auto? Auf der IAA, der wichtigsten Automesse des Jahres, ist teilweise mehr von Mobilität die Rede als von Fahrzeugen. Bezeichnend für diese Zeit, in der viel geplant und in die Zukunft geschaut wird, aber noch keiner weiß, wie es wirklich wird. Doch es gibt auch genug Fahrzeuge, die man auf der IAA gesehen haben muss. Hier sind neun davon.

Das Auge fährt mit, und so müssen wir hier mit dem wohl schönsten Fahrzeug der Messe beginnen, dem Mercedes-Maybach Vision 6 Cabrio, einem 5,70 Meter langen Sonnendeck für zwei Superreiche. Das verschwenderisch gezeichnete Luxusmobil soll mit seinen vier insgesamt 750 PS starken Elektromotoren Selbstfahrer begeistern. Alternativ bietet der Stromer einen elektronischen Chauffeur in Form einer Autopilot-Funktion. Die flachen Akkus im Wagenboden versprechen eine Normreichweite von 500 Kilometern. Nachprüfen werden wir das nicht können - es bleibt bei einem Einzelstück.

Ebenfalls vor schierer Größe strotzt die Studie des BMW X7, allerdings auf einem anderen Schönheitsniveau, ohne das werten zu wollen. Pure Schönheit war nicht das Hauptziel bei dem sechssitzigen Münchner Groß-SUV, sondern Luxus in äußerster Größenordnung. Ende 2018 soll der BMW X7 in Serie gehen, voraussichtlich mit den Motoren aus der 7er-Reihe, dazu allen derzeit verfügbaren Features - und wohl noch mehr.

Ein Kleinwagen lockt die Besucher an den Honda-Stand: Honda Urban EV heißt der kleine Stromer, der in seiner Form an die erste Generation des Civic erinnert. In zwei Jahren kommt er auf den Markt, mit Elektroantrieb, aber nicht mit den Features des Concept Cars wie dem Riesenbildschirm vorne und den kleineren in den Türen. Was schade ist, denn so könnte man nachts auf einsamen Parkplätzen Autokino spielen und hätte - egal in welcher Lage man sich gerade befindet - immer gute Sicht auf den Film. Honda Urban EV steht auf einer völlig neuen Plattform. Im Jahr 2025 sollen zwei Drittel der in Europa verkauften Honda-Autos über einen elektrifizierten Antrieb verfügen.

Wir müssen nochmals zu BMW zurück. Nein, nicht wegen des elektrischen Gran Coupés, das ganz in Weiß mit ungewöhnlichen Nieren an der Front auf das Jahr 2021 verweist. Der Blickfang schlechthin ist der BMW Z4 bzw. das Concept Car. Es soll zu 98 Prozent dem Serienfahrzeug entsprechen und 2018 auf den Markt kommen. Vielleicht schon im Sommer, wahrscheinlich im Herbst. Der Z4 entsteht in Zusammenarbeit mit Toyota und bekommt ein Stoffverdeck statt des zuletzt verwendeten festen Klappdachs. Wahrscheinlich wird auch ein Coupé nachgereicht.

Sportwagen gibt es viele auf der IAA, vom Bugatti Chiron, der - mit Juan Pablo Montoya am Steuer - gerade in 41,96 Sekunden von 0 auf 400 km/h beschleunigt und wieder zum Stillstand heruntergebremst hat, bis zum Ferrari Portofino, der so lecker aussieht, dass er den Namen vieler Eisdielen (und natürlich einer italienischen Hafenstadt) tragen darf. Etwas ganz Besonderes ist jedoch der Mercedes-AMG Project One. Warum? Er hat im Prinzip den Mercedes-Formel-1-Antrieb an Bord. Herzstück ist der 1,6-Liter-V6, der bis zu 11.000 Touren dreht, gepaart mit vier Elektromotoren und mehr als 1000 PS auf allen vier Rädern. Vorne sorgen zwei E-Motoren mit je 120 kW für Leistung und Allradantrieb, rein elektrisch schafft der Project One rund 25 Kilometer. Viel spannender sind jedoch andere Daten: mehr als 350 km/h Spitze, unter 2,6 Sekunden für den Hunderter-Sprint, die 200er-Marke fällt in unter sechs Sekunden. Wird verzögert, verpufft die Energie nicht - 80 Prozent davon wird in die Lithium-Ionen-Batterie rekuperiert.

Als ein Gesamthighlight muss man die Armada an mehr oder weniger kleinen SUVs bezeichnen, die die IAA gewissermaßen prägt: VW T-Roc, Seat Arona, Skoda Karoq, Hyundai Kona, Kia Stonic, Citroen C3 Aircross bis hin zum Billigheimer Dacia Duster.

Ein SUV soll noch gesondert genannt werden: der Jaguar E-Pace. Damit machen die Briten ein neues Fass auf und wagen sich in ein für sie neues Segment. Nach dem erfolgreichen F-Pace, der am Dienstag mit zwei World Car Awards ausgezeichnet wurde (World Car of the Year sowie World Car Design of the Year), erweitert Jaguar das SUV-Programm eine Klasse tiefer. Die Optik ist bestechend, der Innenraum edel und elegant. Das Platzangebot ist großzügig, vier 1,90-Männer haben locker Platz.

VW legt sich mächtig ins Zeug, Konzernchef Matthias Müller hat bis 2025 80 neue Elektromodelle versprochen, davon 50 rein batterieelektrische und 30 Plug-in-Hybride. Audi präsentiert eine extrem luxuriöse Elektrostudie, die dereinst vier Passagiere mit künstlicher Intelligenz durch die Lande kutschieren soll. Skoda zeigt ein Elektro-SUV, das schon sehr seriennah sein soll - jedoch mein persönliches Highlight in Halle 3.0, der "Heimat" des Volkswagen-Konzerns, ist kein Auto aus der Zukunft, sondern eines aus der Vergangenheit: die Urversion des VW Golf GTI mit 1,6-Liter-Vierzylinder und 110 PS. Der fühlt sich an wie früher - und er riecht wie früher. Wer das nicht mehr kennt, sollte sich die Erfahrung nicht entgehen lassen. Seinen Geist soll der VW up! GTI heraufbeschwören. Mit einem 115-PS-Dreizylinder.

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